Frankfurt/München - Der Schmiergeldskandal in der Automobilindustrie weitet sich immer mehr aus. Nach den erst jetzt bekannt gewordenen Verhaftungen von Einkaufsmanagern bei VW, Audi und BMW haben deutsche Staatsanwälte auch ein Ermittlungsverfahren gegen den Vorstandschef des französischen Zulieferkonzerns Faurecia, Pierre Levi, eingeleitet. Zwei zuverlässige Quellen, die nicht genannt werden wollen, bestätigten der Nachrichtenagentur AP am Dienstag einen entsprechenden Bericht von «Focus Online».
Danach sollen Faurecia-Manager in Deutschland ihren Vorstandsvorsitzenden über Schmiergeldzahlungen informiert haben. Faurecia ist mit 60.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 11 Milliarden Euro nach Bosch der zweitgrößte Automobilzulieferer in Europa. Die Staatsanwaltschaften in Frankfurt am Main und München verdächtigen Faurecia, Einkäufer bei VW, Audi und BMW jahrelang mit insgesamt mehreren Millionen Euro geschmiert zu haben.
Der Münchner Staatsanwalt Anton Winkler sagte am Dienstag, ein seit einem Jahr in Untersuchungshaft sitzender Abteilungsleiter der BMW-Einkaufsabteilung habe offenbar bei mehreren Zulieferfirmen die Hand aufgehalten, darunter auch bei Faurecia. Dabei sei es um Aufträge für den 3-er BMW gegangen. Die Staatsanwaltschaft habe im Mai zwei Faurecia-Niederlassungen durchsucht und gegen vier leitende Mitarbeiter Ermittlungen eingeleitet. Außerdem werde auch gegen einen ehemaligen Mitarbeiter des BMW-Managers ermittelt.
Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 20 Personen. Ein Faurecia- und ein Audi-Mitarbeiter sitzen in Untersuchungshaft, ein weiterer Faurecia-Mitarbeiter wurde nach einem umfassenden Geständnis wieder freigelassen. Der Zulieferer soll spätestens seit 1998 Schmiergelder von zuletzt 600.000 bis 800.000 Euro jährlich an Einkäufer deutscher Autokonzerne gezahlt haben.
Faurecia-Vorstandschef Levi hatte am Montag erklärt, sein Unternehmen kooperiere bei der Aufklärung des Falles voll mit den deutschen Ermittlungsbehörden. «Focus Online» berief sich bei seinem Bericht über die Ermittlungen gegen Levi auf Unterlagen der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Deren Sprecher Thomas Bechtel sagte der Nachrichtenagentur AP zu dem Bericht nur, er bestätige dies nicht und er dementiere es nicht. Die Frankfurter Rechtsanwältin Barbara Livonius, die laut «Focus Online» Levi vertritt, wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Der Sprecher von Faurecia Deutschland, Uwe Schlenker, war zunächst nicht erreichbar.
Winkler sagte, der 55-jährige ehemalige BMW-Abteilungsleiter aus München habe von drei Zulieferfirmen insgesamt mehrere hunderttausend Euro in bar verlangt. Nach einem Hinweis der Finanzbehörden seien zunächst Zahlungen eines mittelständischen Zulieferers aus dem Raum Zwickau aufgeflogen. Im Zuge der Ermittlungen seien die Ermittler auf Faurecia gestoßen und hätten Kontakt mit der Staatsanwaltschaft in Frankfurt aufgenommen.
Sprecher von Opel, DaimlerChrysler und Ford erklärten, sie seien nicht in den Fall Faurecia verwickelt. Auch Porsche ist nach eigenen Angaben nicht von dem jüngsten Korruptionsskandal betroffen. Der Staatsanwalt sei nicht im Haus gewesen, hieß es.
(AP)
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