Nachrichten Deutschland – Erneut Schneechaos in Deutschland – Lutz Jordan
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Dauerfrost Erneut Schneechaos in Deutschland

Lutz Jordan

30.01.2010

Wir wissen nicht. ob es glückte, in Rostock, Mecklenburg/Vorpommern, den festsitzenden Bus der Linie 25 auf spiegelglatter Straße anzuschieben. Durch starke Schneefälle ist der Schienen- und Zugverkehr rund um die Hansestadt fast vollständig zum Erliegen gekommen.  Foto: apn Photo/Frank Hormann
Wir wissen nicht. ob es glückte, in Rostock, Mecklenburg/Vorpommern, den festsitzenden Bus der Linie 25 auf spiegelglatter Straße anzuschieben. Durch starke Schneefälle ist der Schienen- und Zugverkehr rund um die Hansestadt fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Foto: apn Photo/Frank Hormann

Schwerin (apn) „Keziban“ schlägt „Daisy“: Das neue Tief über Deutschland hat im Nordosten die Auswirkungen des Schneesturms vor drei Wochen noch übertroffen. Bis zu 30 Zentimeter Neuschnee und Windböen bis zu 100 Stundenkilometer ließen das seit Wochen unter einer geschlossenen Schneedecke liegende Mecklenburg-Vorpommern noch mehr versinken. Vielerorts kam am Samstag der Verkehr auf Straßen und Schienen komplett zum Erliegen, mehrere Landkreise beriefen Krisenstäbe ein. Auch im Rest Deutschlands sorgte zum Teil starkes Schneetreiben für Hunderte Unfälle, mindestens drei Autofahrer kamen ums Leben.

Das Landeslagezentrum in Schwerin schätzte die Auswirkungen „Kezibans“ stärker ein als die Folgen des Sturmtiefs „Daisy“ Anfang Januar. Im Nordosten türmten sich meterhohe Schneewehen auf, Hunderte Autofahrer steckten mit ihren Fahrzeugen fest. Im Laufe des Tages spitzte sich die Lage weiter zu, die Wetterstationen kündigten noch mehr Schnee an und gaben Unwetterwarnungen für die Ostseeküste heraus.

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) liegt momentan in dem nördlichen Bundesland mehr Schnee als in Bayern. Es sei ungewöhnlich für diese Region, dass fast flächendeckend an jedem Tag im Januar eine Schneedecke registriert worden sei, sagte DWD-Meteorologin Dorothea Paetzold. Die Situation sei eigentlich nur vergleichbar mit dem extrem schneereichen Januar 1979. Entsprechend wurden in einigen Orten Rekord-Schneehöhen gemessen: So wurde in Boitzenburg mit 50 Zentimetern der bisherige Rekord des Winters 1979 um 24 Zentimeter übertroffen.

Zahlreiche Zugstrecken gesperrt

In Rostock wurde der gesamte Nahverkehr eingestellt. Gleiches galt für Nordvorpommern mit Stralsund und Rügen. Die Rügenbrücke musste gesperrt werden, nachdem bei Sturmböen mehrere Laster ins Rutschen geraten waren und sich querstellten. Landesweit wurden zahlreiche Sport- und Kulturveranstaltungen abgesagt, in Rostock wurde wegen einer 50 Zentimeter dicken Schneeschicht auf dem Dach der Kunsthalle eine Ausstellungseröffnung gestrichen.

Im Tagesverlauf gingen beim Landeslagezentrum immer mehr Meldungen über unpassierbare Straßen und liegengebliebene Fahrzeuge ein. Der Winterdienst sei nicht in der Lage, die Verkehrswege freizuhalten, es komme auf Straßen aller Größenordnungen zu Staus und Sperrungen, sagte ein Sprecher. Im Regionalverkehr der Bahn wurden 15 Strecken gesperrt, ohne dass Schienenersatzverkehr eingerichtet werden konnte. Im Fernverkehr fielen Züge auf der Strecke Schwerin-Rostock-Stralsund aus, die IC aus Richtung Hamburg endeten bereits in Schwerin. Mehrere Landkreise und kreisfreie Städte an der Ostseeküste beriefen Krisenstäbe ein.

Es bleibt kalt

Auch in Hamburg und Schleswig-Holstein behinderten Neuschnee und Glätte den Verkehr. In Hamburg war der Winterdienst seit Freitagnachmittag im Dauereinsatz, in der Nacht waren bis zu 170 Fahrer mit Schneepflügen sowie weitere 1.000 Einsatzkräfte zum Streuen unterwegs. Auf dem Flughafen Lübeck waren zeitweise keine Starts und Landungen möglich.

Bundesweit wurden Hunderte witterungsbedingte Unfälle gemeldet. Allein in Nordrhein-Westfalen waren es laut Landesamt für zentrale polizeiliche Dienste von Freitagabend bis Samstagmorgen rund 300, der entstandene Sachschaden wurde auf 1,3 Millionen Euro geschätzt. Auf zahlreichen Autobahnen bildeten sich Staus durch querstehende Lastwagen. Bei einem Verkehrsunfall auf der eisglatten A61 bei Bedburg kam ein Mensch ums Leben. Auch in Bayern wurden zwei Autofahrer getötet, als sie jeweils auf der Gegenfahrbahn mit einem anderen Auto zusammenstießen.

Am Sonntag soll sich die Wetterlage laut DWD wieder etwas beruhigen, es kann aber immer wieder zu Schnee- und Graupelschauern kommen. Auch in der kommenden Woche bleibt es winterlich mit Schnee und vor allem im Nordosten Dauerfrost. (AP)

 

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