Aktuelle Nachrichten – Europa
26.03.2009
Wien – Den Mitgliedern der Internationalen Atomenergiebehörde ist es am Donnerstag nicht gelungen, einen Nachfolger des zum Jahresende ausscheidenden Generaldirektors Mohamed ElBaradei zu wählen. Weder der japanische Diplomat Yukiya Amano noch der südafrikanische Bewerber Abdul Samad Minty erhielten in den ersten beiden Runden die erforderliche Zweidrittelmehrheit der 35 Direktoriumsmitglieder.
Am Freitag sollen weitere Abstimmungen abgehalten werden. Sollte keine Zweidrittelmehrheit zustande kommen, ist auch die Einigung auf einen bislang noch nicht nominierten Kompromisskandidaten möglich.
Beide Kandidaten haben erklärt, dass sie die IAEA als technische Organisation betrachten, die den Kurs des Direktoriums umsetzt. Amano und Minty sind Leiter der Delegationen ihrer Länder bei der IAEA und gelten als ausgezeichnete Fachleute.
Amano gilt als zurückhaltender Diplomat, während Minty – ähnlich wie ElBaradei – auch zu offenen politischen Worten bereit ist. Die USA haben in Wien durchsickern lassen, dass sie Amano favorisieren, weil sie einen Generaldirektor wünschen, der die IAEA aus politischen Richtungskämpfen heraus hält. Minty hat die Unterstützung der blockfreien Nationen, von denen einige ein Recht Irans zur Urananreicherung trotz eines vom Sicherheitsrat ausgesprochenen Verbots verteidigt haben.
ElBaradei tritt nach einer zwölfjährigen Amtszeit als IAEA-Generaldirektor zurück. 2005 wurden die IAEA und ElBaradei für ihren Einsatz gegen den Missbrauch der Atomenergie mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die USA versuchten 2005 seine Wiederwahl zu verhindern, weil er die Begründung des damaligen US-Präsidenten George W. Bush für den Irak-Krieg kritisiert hatte. Bush hatte dem Irak vorgeworfen, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. (AP)
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