Sport News - Aktuelle Sport Nachrichten – Erstmals Bluttests für alle Leichtathleten bei WM in Daegu – Michaela Widder und Reinhard Sogl
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2.000 Kontrollen Erstmals Bluttests für alle Leichtathleten bei WM in Daegu

Michaela Widder und Reinhard Sogl

11.08.2011

Für den Kölner Anti-Doping-Forscher Wilhelm Schänzer sind die Kontrollen sinnvoll, "weil damit zum einen zeitnah zur WM eine hohe Abschreckung erreicht werden kann." Foto: Laurent Lebours/AP Photo
Für den Kölner Anti-Doping-Forscher Wilhelm Schänzer sind die Kontrollen sinnvoll, "weil damit zum einen zeitnah zur WM eine hohe Abschreckung erreicht werden kann."

Foto: Laurent Lebours/AP Photo

Berlin/Monaco – Im Anti-Doping-Kampf hat der Internationale Leichtathletik-Verband IAAF hat ein deutliches Zeichen gesetzt: Bei der in gut zwei Wochen beginnenden Weltmeisterschaften im südkoreanischen Daegu (27. August bis 4. September) sollen erstmals Bluttests bei allen Teilnehmern durchgeführt werden.

"Das ist ein wichtiger Schritt für die Glaubwürdigkeit der Dopingbekämpfung, ein Zeichen, dass die IAAF den Dopingkampf ernst nimmt", sagte der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Clemens Prokop, am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd: "Die Leichtathletik setzt hier Maßstäbe, an denen sich andere Sportarten ein Beispiel nehmen können".

Obergföll: "Habe nichts zu verbergen"

Auch Speerwurf-Vizeeuropameisterin Christina Obergföll hat das verschärfte Kontrollsystem begrüßt. "Das finde ich gut. Ich selbst habe ja nichts zu verbergen", sagte die 29-Jährige und gab dennoch zu bedenken: "Wenn jemand betrügen sollte, dann hat er das aber vielleicht schon in anderen Phasen gemacht und nicht direkt zum Saisonhöhepunkt, wenn er eh weiß, dass er kontrolliert werden kann"

Wie die IAAF am Donnerstag angekündigt hat, werden ab dem 18. August Proben von den Teilnehmern im Athletendorf genommen und zunächst vor Ort in Daegu untersucht. Nach der WM sollen die Proben im Labor der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) in Lausanne eine weiteres Mal auf Auffälligkeiten getestet werden.

Digel: "Betrüger können sich nicht sicher sein"

"Blutkontrollen sind wegen des Missbrauchs von Epo dringend erforderlich. Die IAAF testet ja auch in den sensitiven Phasen, jetzt kommt eine in dieser Anzahl noch nie da gewesene Menge vor dem Saisonhöhepunkt dazu", sagte IAAF-Councilmitglied Helmut Digel. Das sei auch eine präventive Maßnahme, "die Betrüger können sich nicht sicher sein". Es gebe Fälle, die darauf hindeuten würden, dass zumindest einige Athleten versuchen, zu betrügen.

Von der Nachricht der umfangreichen Kontrollen bei der WM zeigte sich Weitsprung-Europameister Christian Reif positiv überrascht: "Das kommt mir unwirklich vor, ich kann es gar nicht glauben. Das ist aber das richtige Zeichen", sagte der 26-Jährige: "Damit ist zwar die Chancengleichheit nicht garantiert, aber wir sind auf einem sehr guten Weg." Noch besser wäre es nach Reifs Ansicht gewesen, wenn alle Athleten erst in Daegu von den Tests erfahren hätten.

400 Euro pro Bluttest

Es ist das erste Mal, "das fast 2.000 Athleten bei einem Großereignis unter denselben Bedingungen in der gleichen Zeitspanne getestet werden", sagte ein Sprecher der IAAF. Mit den Ergebnissen sollen langfristig Blutprofile der Sportler angelegt werden. "Das ist eine gewaltige Investition, denn eine Blutkontrolle schlägt mit 400 Euro zu Buche. Das sind 800.000 Euro in der Summe", erklärte DLV-Präsident Prokop. Darüber hinaus sind bei der WM rund 500 Urintests vor und nach den Wettkämpfen geplant.

Für den Kölner Anti-Doping-Forscher Wilhelm Schänzer sind die Kontrollen sinnvoll, "weil damit zum einen zeitnah zur WM eine hohe Abschreckung erreicht werden kann." Zum anderen lasse sich damit ein Blutprofil anlegen, dazu seien aber kontinuierliche Verlaufskontrollen wichtig. "Das Programm muss beibehalten werden", forderte der Leiter des Instituts für Biochemie an der Sporthochschule Köln im Gespräch mit der dapd. Was den technischen Aufwand betreffe, sei die zeitnahe Analyse der 2.000 Kontrollen ohne weiteres machbar.

 

(dapd)

 

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