Kiel – Erstmals seit etwa 180 Jahren ist in Schleswig-Holstein wieder ein Wolf aufgetaucht. Das 38 Kilogramm schwere Tier wurde am Montag in der Nahe von Süsel an der Ostsee von einem Auto überfahren und getötet. Polizisten waren zu einem Unfall „mit einem sehr großen Hund gerufen worden“ und hatten beim Anblick des Tieres sofort die Vermutung, dass es sich um einen Wolf handeln könnte, wie die Polizei am Dienstag mitteilte.
Bei einer Untersuchung im Zoologischen Institut der Universität Kiel bestätigte sich der Verdacht. Es handle sich um einen etwa ein Jahr alter Rüden, sagte Tierärztin Dorit Feddersen-Petersen.
Da in keinem Tierpark in der Umgebung ein Wolf fehlt, soll untersucht werden, ob es sich möglicherweise um ein illegal gehaltenes Tier handelt. „Wenn er irgendwo illegal gehalten wurde und weggelaufen ist, könnte uns der Mageninhalt darüber etwas verraten“, sagte die Tierärztin. Zudem wollen die Wissenschaftler anhand einer Gen-Analyse feststellen, ob der überfahrene Wolf mit Tieren aus einem der zwei bekannten Wolfsrudel in der Lausitz verwandt ist.
Möglich ist nach Angaben der Wissenschaftlerin auch, dass der Wolf aus Polen oder Mecklenburg-Vorpommern nach Schleswig-Holstein eingewandert ist. In Mecklenburg-Vorpommern waren jüngst mehrfach Wölfe gesichtet worden. Zuletzt hatte ein Tier dort zwölf Schafe gerissen.
„Sollte es sich bestätigen, dass es sich bei dem überfahrenen Tier um einen wilden zugewanderten Wolf handelt, dann wäre ich sehr glücklich“, sagte Feddersen-Petersen: „Der Wolf gehörte früher zu unserer Fauna und ist ausgerottet worden“. Grund zur Hysterie gebe es nicht, weil die Tiere sehr scheu seien. (AP)