Aktuelle Nachrichten – Wirtschaft
15.06.2011
Foto: Joerg Koch/dapd
München – Thomas Bach stieg lächelnd aufs Dach des Münchner Olympiastadions. Der IOC-Vizepräsident schnupperte in der Arena, wo 2018 die Eröffnungs- und Schlussfeier der Winterspiele stattfinden würden, schon einmal olympische Höhenluft. Drei Wochen vor der Olympia-Vergabe im südafrikanischen Durban (6. Juli) könnte die Stimmung bei dem inzwischen selbst im Insider-Magazin "Around the Rings" zum Favoriten aufgestiegenen Münchner Bewerbungsteam kaum besser sein. Zumal im Falle des Zuschlags ein warmer Geldregen zu erwarten ist.
"Bei der Vergabe der Fernsehrechte durch das IOC an die US-Fernsehanstalten sind die Winterspiele von 2018 200 Millionen Dollar höher bewertet worden als die von 2014", sagte Bach auf einer Pressekonferenz in München. Dementsprechend sei auch beim Zuschuss des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für den Olympia-Ausrichter von 2018, den Bach mit rund einer halben Milliarde Dollar bezifferte, noch "Luft nach oben". Das IOC hatte die Finanzplanung der Münchner zudem als "sehr konservativ" gelobt - vor allem bei den Sponsoring-Einnahmen.
"Da haben wir ein großes Potenzial, schließlich ist Deutschland der wichtigste Sponsoring-Markt im Wintersport weltweit. Ich gehe fest davon aus, dass beim Olympia-Budget mindestens eine schwarze Null rauskommen würde", sagte Bach zur Kostenplanung: "Ich rechne sogar mit einer Zahl, die es rechtfertigt, von einem positiven Ergebnis zu sprechen." Insgesamt plant München 2018 mit einem Budget des Organisationskomitees (OCOG-Budget) von 1,52 Milliarden Dollar.
Dazu kommen weitere 1,86 Milliarden Dollar Investitionen für Infrastruktur und Neubauten im sogenannten Non-OCOG-Budget. Allerdings kommt auch dieses Geld laut einer Studie von Prof. Holger Preuss von der Universität Mainz wieder mehr als herein – durch Olympia würden in einem Zeitraum von 18 Jahren zusätzliche Einnahmen von 162 Millionen Euro jährlich generiert. Auch den Bewerbungsetat von 33 Millionen Euro, wo zuletzt noch etwa sechs Millionen Sponsoren-Euro fehlten, will München möglichst nicht voll ausschöpfen.
"Es ist an der Zeit, dass wir nach über 80 Jahren wieder Olympische Spiele in Deutschland ausrichten. Die Stimmungslage ist: Wir können gewinnen", sagte Bach. Winterspiele in München seien ein exzellentes Konjunkturprogramm für Wirtschaft und Sport und ein Schaufenster für die neue Umwelt- und Energiepolitik im Land. "Wir haben die einmalige Chance der Welt zu zeigen, dass man CO2-neutrale Spiele ausrichten kann", sagte Bach. Die Bedenken der Umweltschützer seien durch Fakten widerlegt worden, in der deutschen Bevölkerung gebe es nach jüngsten Umfragen des ZDF-Politbarometers "eine Zustimmung von 75 Prozent".
Mit diesen Fakten im Gepäck reist das Münchner Bewerbungsteam zur Präsentation vor den afrikanischen nationalen Olympischen Komitees nach Togo. Anfang Juli geht es dann zur finalen Präsentation und IOC-Entscheidung nach Durban, mit ganz viel Selbstbewusstsein und einem Schuss Münchner Höhenluft. "Wir gehen in dieses Finale mit Optimismus und Entschlossenheit. Wenn man überlegt, was man tut, wenn man verliert, kann man nicht gewinnen", sagte Bach, der Mann auf dem Dach.
(dapd)
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