Aktuelle Nachrichten – Deutschland
29.10.2012
Foto: dapd/Roland Magunia
Berlin – Der Städte- und Gemeindebund ist mit seinem Vorschlag, Kita-Gruppen vorübergehend zu vergrößern, auf heftigen Widerstand gestoßen. Die Überlegungen seien "ausgemachter Blödsinn", hieß es vom Bundeserzieherverband. Und der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisierte sie als "nicht akzeptabel".
Schon in zehn Monaten hat jedes Kind unter drei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Doch die Kommunen kommen beim Ausbau der Krippenbetreuung nicht hinterher.
Städte- und Gemeindebund will größere Gruppen
Dies hatte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, der "Saarbrücker Zeitung" vom Montag gesagt. Man müsse sich darauf einstellen, dass nicht alle Kommunen den ab 1. August 2013 geltenden Rechtsanspruch auf eine Krippenbetreuung erfüllen könnten. Er forderte Flexibilität von den Eltern und regte eine vorübergehende Vergrößerung von Kita-Gruppen an. Außerdem sei das Aussetzen baulicher Standards wie der vorgeschriebenen Raumgrößen und Grünflächen denkbar, sagte Landsberg.
Wohl der Kinder aus den Augen verloren
Der deutsche Bundeserzieherverband kritisierte den Vorstoß scharf: "Natürlich kann man mehr Kinder in die Kita-Räume pferchen und zwängen, von Kindeswohl und pädagogischer Qualität kann man dann aber nicht mehr sprechen", sagte Pressesprecher Axel R. Langner am Montag der dapd.
Zwar wäre eine Gruppenvergrößerung eine schnelle Lösung. Eine Erfüllung des pädagogischen Bildungsauftrages rücke durch solche Forderungen allerdings in weite Ferne. "Ich frage mich, ob Menschen, die solche Forderungen stellen, tatsächlich das Wohl der Kinder im Sinn haben", sagte Langner weiter.
Paritätischer Wohlfahrtsverband: Probleme verschärft
Der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisierte, schon jetzt würden Standards bei der Gruppengröße meist grenzwertig ausgelegt. "Es kann nicht sein, dass Erzieher und Kinder die Leidtragenden sind" sagte Geschäftsführer Werner Hesse am Montag in Berlin. Es gebe keine Veranlassung die Regeln zu ändern, "nur weil die Behörden nicht in der Lage sind, den Kita-Ausbau rechtzeitig voranzubringen", kritisierte Hesse. Das Problem sei ja schon länger bekannt.
Kommunale Spitzenverbände einig
Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Stephan Articus, stimmte Landsberg dagegen zu. Seit Monaten mache der Deutsche Städtetag deutlich, dass der Rechtsanspruch "noch lange nicht flächendeckend gesichert ist", sagte Articus der dapd.
Der Bedarf an Kita-Plätzen liege vor allem in großen Städten deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 39 Prozent. "Die noch bestehende Lücke wird daher wahrscheinlich nicht überall rechtzeitig geschlossen werden können", sagte Articus. Laut dem Hauptgeschäftsführer will der Deutsche Städtetag im November Maßnahmen vorschlagen, die aus Sicht der Städte notwendig sind.
Familienministerium: Kommunen sind zuständig
Das Bundesfamilienministerium verwies auf sein Zehn-Punkte-Programm vom Frühjahr. Dort heißt es unter Punkt sechs, dass Hürden für Ausbau und Betreuung erkannt und beseitigt werden sollen. Daraus zögen die Kommunen offenkundig Schlüsse, teilte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage der dapd mit. Die Qualität der Betreuung solle dabei allerdings nicht eingeschränkt werden, heißt es in dem Programm weiter.
160.000 Plätze fehlen
Derzeit gibt es nach Angaben des Bundesfamilienministeriums 620.000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren in ganz Deutschland. Bis August 2013 werden nach den aktuellsten Zahlen aber 780.000 Plätze gebraucht. 160.000 Plätze fehlen demnach. Im März 2013 werden die Zahlen der neuesten Erhebung bekannt gegeben.
dapd
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