Tallinn – In der estnischen Hauptstadt Tallinn ist es die zweite Nacht in Folge zu gewaltsamen Protesten gegen den Abbau eines sowjetischen Weltkriegsdenkmals gekommen. 66 Menschen wurden verletzt und mehr als 500 Personen, vor allem Jugendliche, festgenommen, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Randalierer warfen in der Innenstadt Fensterscheiben ein und plünderten Geschäfte.
Unter den Verletzten seien sechs Polizisten, erklärte Polizeisprecherin Julia Garanza. Am Donnerstag kam während der Tumulte ein Mann ums Leben. Es sind die schwersten Unruhen seit der Unabhängigkeit Estlands von der UdSSR vor 16 Jahren.
Bereitschaftspolizisten gingen am Freitagabend mit Gummigeschossen und einem Wasserwerfer gegen die zumeist russischen Demonstranten vor, die Steine und Flaschen warfen. Bis Mitternacht ebbten die Proteste zunächst weitgehend ab. Autos, die am Tallinner Freiheitsplatz vorbeifuhren, hupten, um Unterstützung für die Demonstranten zu bekunden. Die meisten von ihnen gehören der russisch-sprechenden Minderheit an, die über den Abbau des „Bronzenen Soldaten“ von einem zentralen Platz der Hauptstadt empört sind.
Die estnische Regierung will zudem ein in der Nähe des Denkmals vermutetes Grab von 14 sowjetischen Soldaten verlegen. Die umstrittene Exhumierung der Toten hat aber nach Regierungsangaben bislang nicht begonnen. Die Behörden rechnen während der auf zwei Wochen angelegten Arbeiten mit weiteren Protesten.
Etwa ein Drittel der 1,3 Millionen Esten sind russischer Herkunft. Viele fühlen sich von neuen Sprachengesetzen diskriminiert.
Das zwei Meter hohe Denkmal wurde 1947 zu Ehren der sowjetischen Streitkräfte nach dem Sieg über das nationalsozialistische Deutschland errichtet. Viele Esten sehen darin aber eine Erinnerung an die fünf Jahrzehnte währende sowjetische Besetzung ihres Landes sowie der beiden Nachbarstaaten Lettland und Litauen. (AP)
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