Aktuelle Nachrichten – Europa
14.11.2007
Brüssel – Die EU-Kommission hat irreführende Lockangebote beim Verkauf von Flugtickets im Internet angeprangert. Bei der Überprüfung von 447 einschlägigen Internet-Portalen seien auf 226 Websites unlautere Verkaufspraktiken festgestellt worden, erklärte Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva am Mittwoch in Brüssel. Werde bis Ende Januar keine Abhilfe geschaffen, so müssten die verantwortlichen Unternehmen mit Sanktionen rechnen. Wie viele Fluggesellschaften in welchen Ländern betroffen sind, konnte Kuneva nicht sagen.
Die Internetseiten wurden von Verbraucherschutzbehörden in 15 EU-Staaten sowie in Norwegen überprüft, Deutschland war an der Untersuchung nicht beteiligt. Die Anfrage der EU-Kommission sei sehr kurzfristig erfolgt, sagte der Sprecher des Bundesamts für Verbraucherschutz, Jochen Heimberg, der Nachrichtenagentur AP. Zudem habe das Bundesamt die Verantwortung für diesen Bereich erst kürzlich übernommen.
Wie viele der bemängelten Websites von Fluggesellschaften und wie viele etwa von Reiseveranstaltern betrieben werden, konnte die EU-Kommission nicht sagen. Kuneva erklärte, Namen sollten erst Ende Januar oder Anfang Februar genannt werden, sofern die Unternehmen ihre Verkaufspraktiken nicht änderten. In diesem Fall „haben wir die Möglichkeit, Websites zu schließen oder Strafen zu verhängen“, sagte die Verbraucherschutzkommissarin. Auf Nachfrage musste sie allerdings einräumen, dass über die Verhängung von Sanktionen ausschließlich die betroffenen EU-Staaten entscheiden.
Zu den häufigsten Tricks der Online-Verkaufsstellen zählt laut EU-Kommission, dass der Ticketpreis bei Beginn der Buchung ohne Steuern und sonstige Gebühren angegeben werde. „Flugtickets werden auf der ersten Seite für 20 Euro angepriesen, fünf Klicks später liegt der Preis bei über 100 Euro“, kritisierte Kuneva. Zudem würden auf der Eingangsseite der Verkaufsportale häufig Niedrigpreise angegeben, die nur in begrenzter Menge oder für einen bestimmten Zeitraum erhältlich seien, ohne dass diese Einschränkungen deutlich gemacht würden.
Die EU-Kommission warf den Fluggesellschaften außerdem vor, Verbrauchern Reiseversicherungen und andere Zusatzleistungen unterzujubeln. Diese würden auf den Websites oft nicht nur angeboten, sondern müssten von den Verbrauchern aktiv abbestellt werden, wenn sie die entsprechende Leistung nicht wünschten. Zudem würden die Kunden über die Bedingungen für eine Stornierung oder Verschiebung ihres Flugs oft nicht informiert.
Die von der Kommission veröffentlichten Zahlen geben allerdings keine Auskunft darüber, wie häufig Fehler dieser Art gefunden wurden und in welchen Fällen andere Probleme vorlagen, etwa fehlende Übersetzungen der allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die Maßstäbe der Untersuchung seien von den nationalen Verbraucherschutzbehörden festgelegt worden, sagte Kuneva.
Der SPD-Europaabgeordnete Ulrich Stockmann wies darauf hin, dass für den Verkauf von Flugtickets neue EU-Vorschriften in Arbeit sind. Unter anderem soll klargestellt werden, dass schon bei Beginn der Buchung der volle Preis angegeben werden muss. Die Richtlinie könne voraussichtlich noch vor Jahresende verabschiedet werden, sagte Stockmann der AP. (AP)
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