Aktuelle Nachrichten – Konjunktur
04.07.2012
Foto: Getty Images
Berlin/München – Düstere Aussichten für die europäische Wirtschaft: Nach neuen Prognosen von Forschungsinstituten rutscht die Eurozone wegen der Schuldenkrise in diesem Sommer in die Rezession. Die Konjunktur in der Bundesrepublik wird nach Auffassung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) stärker als erwartet unter der Eurokrise leiden.
"Die Krise im Euroraum holt die deutsche Wirtschaft ein", sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung der Sommerprognose des DIW. Sie werde dieses und kommendes Jahr deutlich schwächer wachsen als in den beiden vorangegangenen Jahren und auch als zuletzt prognostiziert. 2012 soll das Wachstum nur noch bei 1,0 Prozent liegen und 2013 bei 1,9 Prozent. In der Prognose schlage sich nieder, "dass die Eurokrise die Konjunktur länger als erwartet dämpft", sagte Fichtner.
Die europäische Schuldenkrise kann nach Ansicht des Konjunkturchefs des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, auch die Weltwirtschaft gefährden. Dies wiederum würde die deutschen Unternehmen belasten, sagte Carstensen in der Onlineausgabe des "Handelsblatts". "Sollten die Schwellenländer in Asien und Südamerika eine harte Landung erleben, so dürfte das die deutsche Exportwirtschaft sehr treffen."
Dem Euroraum attestierte Fichtner "eine massive Rezession". Das DIW rechnet damit, dass das Bruttoinlandsprodukt des Euroraums in diesem Jahr um 0,4 Prozent schrumpfen und sich auch im nächsten Jahr nur um 0,6 Prozent erhöhen wird.
Der "Euro-Zone Economic Outlook" des Ifo-Institut, des französischen Statistikamts Insee und der italienischen Statistikbehörde Istat sieht die Eurozone ebenfalls in einer Rezession. Nach einer Stagnation in den ersten drei Monaten dieses Jahres werde die Wirtschaft im zweiten Quartal um 0,1 Prozent und im dritten Quartal um 0,2 Prozent schrumpfen. Erst in den letzten drei Monaten des Jahres gebe es in der Eurozone wieder ein minimales Wachstum von 0,1 Prozent.
Wegen der schwachen Konjunktur rechnen Volkswirte damit, dass die Europäische Zentralbank am morgigen Donnerstag den Leitzins auf ein historisches Tief von 0,5 bis 0,75 Prozent senken wird. Torsten Schmidt, Experte für Geldpolitik am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), erwartet allerdings nicht, dass dies die Konjunktur ankurbeln wird. "In der Realwirtschaft ist die Unsicherheit so groß, dass eine Zinssenkung um einen Viertelprozentpunkt keinen Investitionsboom auslösen wird", sagte Schmidt der Nachrichtenagentur dapd. (dapd)
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