Berlin/Kiel – Nach der Pannenserie in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel ist der Europa-Chef von Vattenfall, Klaus Rauscher, zurückgetreten. Rauscher erklärte am Mittwoch, es seien Fehler gemacht worden, für die er die Verantwortung zu tragen habe. Vattenfall-Präsident Lars G. Josefsson nahm den Rücktritt Rauschers an und sagte in Berlin: „Die kommenden Monate werden im Zeichen eines Neuanfangs stehen. Wir müssen uns in Offenheit üben.“
Josefsson, der auch Aufsichtsratschef von Vattenfall Europe ist, kündigte an, dass bereits am (morgigen) Donnerstag der Aufsichtsrat tagen und über die Personallage diskutieren wird. Rauschers Aufgaben übernahm vorläufig das Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Cramer.
Josefsson kritisierte das bisherige Krisenmanagement als unzulänglich. „Wir haben Informationen, die da waren, nicht sofort weitergegeben an die Öffentlichkeit“, sagte der Chef des schwedischen Vattenfall-Mutterkonzerns.
Zuvor hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel die Informationspolitik des Unternehmens als nicht akzeptabel bemängelt. Den Reaktor in Brunsbüttel musste Vattenfall am Mittwoch zum dritten Mal innerhalb von drei Wochen unplanmäßig herunterfahren. Das Atomkraftwerk wurde heruntergefahren, um das Öl in einem Eigenbedarfstransformator zu wechseln. Grund waren auffällige Werte in dessen Ölkreisläufen.
Rauscher begründete seinen Rücktritt als Vorstandschef von Vattenfall Europe mit den Worten, es sei nicht zu verkennen, dass die Vorgänge der vergangenen Wochen dem Ansehen des Unternehmens geschadet hätten. Erst am Montag hatte Vattenfall den Geschäftsführer seiner Atomsparte, Bruno Thomauske, entlassen.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel erklärte, es sei ehrenvoll, wenn Rauscher die Verantwortung für die Fehlleistungen seines Unternehmens übernehme. „Es hat aber wenig Sinn, nur Personen an der Spitze auszutauschen. Notwendig ist eine komplette Sachverhaltsaufklärung und vor allem eine Änderung der Sicherheitskultur.“
Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) monierte, dass das Auswechseln von Personen keine Sicherheitsprobleme löse. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, forderte, alle alten Atomkraftwerke müssten jetzt so schnell wie möglich stillgelegt werden. „Je älter ein Meiler ist, desto störanfälliger ist er.“
Unterdessen präsentierte die Deutsche Umwelthilfe Ergebnisse eines Expertengutachtens vom Juni 2006 und führte insgesamt 165 riskante Schwachpunkte an. Der Verband kritisierte, dass die im Jahr 2001 bei einer periodischen Sicherheitsüberprüfung vorgenommenen Überprüfungen eigentlich binnen zwei Jahren hätten abgeschlossen werden müssen. Vattenfall bezeichnete die vorgestellte Liste als veraltet. Inzwischen habe das Unternehmen die geforderten technischen Nachweise geliefert.
Tatsächlich hat der Betreiber nach Angaben der Kieler Atomaufsicht inzwischen Sicherheitsnachweise geliefert. „Für über 100 dieser Punkte liegen abgeschlossene, positive Prüfergebnisse der Gutachter vor“, erklärte die zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) in Kiel. (AP)
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