Zürich/Berlin - Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder soll ab Januar 2006 das größte Schweizer Verlagshaus Ringier in Fragen der internationalen Politik beraten.
"Er steht mir und auch anderen Mitarbeitern als Berater zu Verfügung", sagte Verleger Michael Ringier am Donnerstag auf dem Herbst-Pressegespräch des Unternehmens in Zürich. Zur Höhe des Honorars für den 61-jährigen Schröder wollte sich Ringier nicht äußern. "Herr Schröder war als Bundeskanzler ein bescheidener Mann und das wird er auch bleiben", sagte er lediglich. "Wenn es ihm um Geld gegangen wäre, hätte er ein anderes Mandat gewählt." Schröder werde in Zukunft auch wieder als Rechtsanwalt arbeiten und ein Buch über sein Leben schreiben, hieß es in einer Ringier-Mitteilung.
Die Verpflichtung Schröders basiere auf einer seit einigen Jahren bestehenden freundschaftlichen Beziehung, sagte Ringier dem Fernsehsender N24. "Es war eigentlich immer irgendwie klar, dass wir mal was zusammen machen." Branchenkenner zeigten sich auch nicht zu sehr überrascht, da Schröder und der Ringier-Kolumnist Frank A. Meyer als befreundet gelten.
Der Verlag wird für Schröder am Konzernsitz in Zürich ein Büro einrichten. Wie häufig der Ex-Kanzler für Ringier arbeiten werde, sei aber nicht festgelegt worden, sagte der Verleger auf dem Pressegespräch. "Einmal geht man ein paar Tage auf eine Reise und dann sieht man ihn wieder zwei Wochen nicht."
Das Familienunternehmen Ringier erwirtschaftet rund zwei Drittel seines Umsatzes, der sich 2004 auf umgerechnet 723 Millionen Euro belief, in der Schweiz. Der größte Teil des Geschäfts sind Zeitschriften und Zeitungen, darunter das Boulevard-Blatt "Blick". Daneben ist das Unternehmen stark in Mittel- und Osteuropa vertreten. In Deutschland bringt Ringier das Magazin "Cicero" heraus.
Schröder hatte am Dienstag die Amtsgeschäfte an die neue Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben und zuvor den Verzicht auf sein Bundestagsmandat erklärt. Über seine berufliche Zukunft war daraufhin spekuliert worden. (Reuters)