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Glücksspielsucht Experte: Die Automaten-Branche lebt von Spielsüchtigen

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21.08.2012

Die Automaten-Branche lebt von Spielsüchtigen Foto: ddp images / dapd/dapd
Die Automaten-Branche lebt von Spielsüchtigen

Foto: ddp images / dapd/dapd

Berlin – Der Psychologe Gerhard Meyer hat den Gesetzesentwurf zur sogenannten "Spielerkarte" als "absolut ineffektiv" bezeichnet. "Spielsüchtige werden durch die Karte nicht vom exzessiven Spielen abgehalten, Jugendliche können die Kontrolle leicht umgehen," sagte Glücksspielsucht-Experte der Nachrichtenagentur dapd am Dienstag. Dabei müsse sich die Politik dem Problem Spielsucht stellen, schließlich sei die Zahl der Süchtigen in den letzten Jahren stetig angestiegen.

Als Hauptursache für diesen Zuwachs nennt Meyer die Entwicklung von Unterhaltungsspielautomaten zu reinen Glücksspielautomaten, die aus der 2006 beschlossenen Novellierung der Spielverordnung resultiere. Seitdem sei die Zahl der süchtigen Spieler, die sich an Suchtberatungsstellen wendeten, um 160 Prozent gestiegen. Demgegenüber habe sich der Bruttospielertrag der Automatenbetreiber in derselben Zeit fast verdoppelt. Diesen Zusammenhang könne niemand leugnen, sagte Meyer.

Zurzeit kämen etwa 56 Prozent der Einnahmen von Spielautomaten von Spielsüchtigen und 40 Prozent der Leute, die spielten, seien süchtig, schätzt Meyer. "Die Branche lebt von den Spielsüchtigen und will ihre Geschäftsgrundlage verteidigen," erklärt der Psychologe. Deswegen könne es nicht sein, dass das Wirtschaftsministerium in dieser Angelegenheit federführend sei, schließlich sei es anfällig für Lobbyarbeit der Automatenbetreiber. Meyer sagte: "Die Spielsüchtigen und deren Familien sind die Leidtragenden."

Alternativvorschlag Identifizierung durch Fingerabdruck

Der Forscher schlägt als Maßnahme gegen Spielsucht Automaten vor, die nur mit vorheriger Identifizierung durch den Fingerabdruck gestartet werden können. Nur so seien süchtige Spieler effektiv sperrbar - schließlich könne sich jeder eine "Spielerkarte" bei Freunden oder Verwandten ausleihen. Es dürfe keine Löcher im Netz geben.

Zur Bekämpfung der Spielsucht will die Bundesregierung eine elektronische "Spielerkarte" für Geldspielautomaten einführen. Zunächst sollen die "Spielerkarten" laut Gesetzesentwurf nicht an eine Person gebunden sein. Mittelfristig plant die Regierung jedoch, "Spielerkarten" zu personalisieren, allerdings müssten davor noch technische sowie Datenschutzfragen geklärt werden.   dapd

 

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