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Welt-Hepatitis-Tag Experte fordert Untersuchung von Migranten

DAPD

26.07.2012

Für die Gruppe der Migranten und Hepatitis gefährdeten sollten eigene Programme auflegt werden, appellierte Chefarzt Niederau. Foto: Mark Keppler/dapd Photo
Für die Gruppe der Migranten und Hepatitis gefährdeten sollten eigene Programme auflegt werden, appellierte Chefarzt Niederau.

Foto: Mark Keppler/dapd Photo

Oberhausen – Migranten in Deutschland sollten nach Ansicht eines Experten von der Deutschen Leberhilfe systematisch auf eine Infektion mit Hepatitis B untersucht werden. Zwei Drittel der bundesweit etwa 500.000 chronisch Erkrankten seien Studien zufolge im Ausland geboren worden, vor allem in der Türkei, sagte Vorstandsmitglied Claus Niederau der Nachrichtenagentur dapd anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages am Samstag (28. Juli). "Es besteht ein großes Risiko der Verbreitung und Ansteckung vor allem bei Hepatitis B." In Afrika seien bis zu 50 Prozent, in der Türkei über fünf Prozent der Gesamtbevölkerung infiziert.

Viele Betroffene sind sich ihrer Erkrankung dem Experten zufolge nicht bewusst. In der Folge würden Mütter ihre Kinder und Erwachsene ihre Partner mit dem Hepatitis-Virus infizieren, das zu Leberkrebs und Zirrhose führen kann. "Man kriegt die Krankheit nicht in den Griff, wenn man deutsche Regeln anwendet und für diese Gruppe keine eigenen Programme auflegt", appellierte der Chefarzt der Inneren Medizin an den Katholischen Kliniken Oberhausen an die Gesundheitspolitik.

Zu Todesfällen im Zusammenhang mit Hepatitis-Infektionen gibt es Niederau zufolge keine verlässlichen Zahlen. In Deutschland würden aber jährlich über 5.000 Menschen an Leberkrebs und etwa doppelt so viele an Zirrhose sterben. Bis zur Hälfte der Fälle seien durch Hepatitis B und C verursacht, sagte der Experte. "Es gibt Tausende von Todesfällen, weit mehr als bei Aids."

Die Angst vor Stigmatisierung ist aber noch weitverbreitet. Fälschlicherweise würden Lebererkrankungen weiterhin automatisch mit Alkohol- oder Drogenmissbrauch in Verbindung gebracht und Infektionen im täglichen Umgang mit Betroffenen befürchtet, sagte Niederau. "Aus dieser Ecke ist schwer herauszukommen." Dabei ließe sich etwa Hepatitis B gut behandeln. Mit einer Pille täglich und kaum Nebenwirkungen könne die Virenbelastung und damit die Gefahr der Ansteckung fast auf null gedrückt werden.

Zur Aufklärung soll der zweite Welt-Hepatitis-Tag der Weltgesundheitsorganisation WHO unter dem Motto "Näher als du denkst" beitragen. Nationaler Ausrichter ist die Deutsche Leberhilfe.

 

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