Berlin – Der Fachkräftemangel in Deutschland lässt bei Politik und Wirtschaft zunehmend die Alarmglocken schrillen. „Wir müssen heute gegensteuern, denn der Fachkräftemangel darf sich nicht zu einer dauerhaften Wachstumsbremse entwickeln“, warnte Wirtschaftsminister Michael Glos am Mittwoch in Berlin. Industrieverbände klagten über Produktionsbehinderungen und befürchteten einen Verlust der Innovationsfähigkeit vor allem im Mittelstand. Sie forderten Zuzugserleichterungen für ausländische Spezialisten.
Glos plädierte für ein integriertes Gesamtkonzept von Bund, Ländern und Wirtschaft und kündigte an, der Fachkräftemangel werde „eines der zentralen Themen sein, die ich auf der Regierungskonferenz in Meseberg ansprechen werde“. Ihm bereite vor allem Sorgen, dass zunehmend qualifizierte Fachkräfte im Bereich der naturwissenschaftlichen und technischen Berufe fehlen, sagte der CSU-Politiker.
Schätzungen der Industrie zufolge fehlen in Deutschland bis zu 100.000 Fachkräfte. Um dem zu begegnen, wird auch eine Änderung des Zuwanderungsgesetzes nicht mehr ausgeschlossen. So sprach sich der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz einem Medienbericht zufolge für die Einführung eines Punktesystems aus. Er halte es für angebracht, im Herbst darüber zu reden, sagte er.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan warb erneut für den verstärkten Zuzug ausländischer Kräfte. Sie setzt sich unter anderem für eine Abschaffung der Vorrangprüfung sowie für eine Senkung der Einkommensgrenze für einwanderungswillige Ausländer von derzeit rund 85.000 auf 60.000 Euro ein. Eine ähnliche Forderung erhob am Mittwoch auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK).
Laut DIHK klafft bis 2010 eine Lücke von 30.000 fehlenden Forschern, die insbesondere die Innovationsfähigkeit des Mittelstands nachhaltig schädigen werde. Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführerin Heike Maria Kunstmann bezifferte allein den Mangel an Ingenieuren auf 60.000. Insgesamt seien 120.000 offene gewerbliche Stellen gemeldet, sagte sie im Deutschlandradio Kultur. Bereits jedes siebte Unternehmen beklage Produktionsbehinderungen.
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http://www.dihk.de/ (AP)