China News - Menschenrechte – Fackellauf in Paris nach massiven Protesten zwei Mal unterbrochen – DAPD
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Fackellauf in Paris nach massiven Protesten zwei Mal unterbrochen

DAPD

07.04.2008

Securityleute gehen gegen einen Protestler vor beim Fackellauf für Peking in Paris. Stephane Diagana, rechts, 400-Meter Weltmeister von 1997 trägt die Fackel am Beginn des Laufes am Eiffelturm. Frankreich ist das "Mutterland der Menschenrechte". (AP Photo/Christophe Ena)
Securityleute gehen gegen einen Protestler vor beim Fackellauf für Peking in Paris. Stephane Diagana, rechts, 400-Meter Weltmeister von 1997 trägt die Fackel am Beginn des Laufes am Eiffelturm. Frankreich ist das "Mutterland der Menschenrechte". (AP Photo/Christophe Ena)
(Jacques Demarthon/AFP/Getty Images)
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Paris/Peking – Der olympische Fackellauf ist am Montag in Paris wegen massiver Proteste gegen die chinesische Tibetpolitik zwei Mal unterbrochen worden. Die Fackel wurde jeweils vorübergehend gelöscht und in einen Bus gebracht. 3.000 Polizisten waren im „Mutterland der Menschenrechte“ aufgeboten worden, um den Fackellauf vor Protesten zu schützen, nachdem es am Sonntag schon in London zu ähnlichen Vorfällen gekommen war. Der Fackellauf wurde offenbar in dem Bus fortgesetzt.

Frankreich war die letzte europäische Station des Olympischen Feuers. Es reist danach am Montagabend weiter nach San Francisco. Die Olympischen Spiele finden im August in Peking statt.

Unter dem Eindruck der Proteste machte auch IOC-Präsident Jacques Rogge Druck auf Peking. „Ich bin sehr besorgt über die internationale Situation und über das, was in Tibet geschieht“, sagte er auf einer Konferenz des Internationalen Olympischen Komitees in der chinesischen Hauptstadt. „Das IOC ruft zu einer raschen und friedlichen Lösung in Tibet auf.“ Zugleich bekräftigte er seinen Widerstand gegen jede Form eines Boykottes. „Unsere Hauptverantwortung ist es, gute Wettkämpfe zu ermöglichen, die die Sportler verdienen.“

China protestiert gegen „Sabotage“

Bei der Niederschlagung von tibetischen Autonomie-Protesten in Lhasa und westlichen chinesischen Regionen wurden in den vergangenen Wochen nach Angaben Pekings 22 Menschen getötet, Anhänger des Dalai Lamas sprechen von 140 Opfern. Peking steht auch wegen der Haltung gegenüber dem Sudan in der Darfur-Krise in der Kritik.

China protestierte am Montag gegen die Störungen während des Fackellaufs in London. Einige „tibetische Separatisten“ hätten versucht, die Veranstaltung „zu sabotieren“, wurde ein Sprecher des Olympia-Organisationskomitees von der Nachrichtenagentur Xinhua zitiert. Ihr Verhalten sei „abscheulich“. Ein Demonstrant in der britischen Hauptstadt hatte versucht, die Flamme einem Läufer zu entreißen. Ein weiterer wollte sie mit einem Feuerlöscher ersticken. 37 Personen wurden festgenommen.

In Paris waren 80 Fackelläufer vorgesehen. Knapp 50 Wagen der Bereitschaftspolizei sollten die Flamme abschirmen, rund 300 Beamte waren als Eskorte auf Motorrädern, Inlinern oder zu Fuß mobilisiert. Die 28 Kilometer lange Strecke verlief vom Eiffelturm quer durch die Stadt über die Champs Élysées, am Rathaus und der Nationalversammlung vorbei. Der Fackellauf begann vor zwei Wochen in Griechenland.

Boykott der Eröffnungsfeier im Gespräch

Eine Banderole mit der Aufschrift: „Paris verteidigt die Menschenrechte überall in der Welt“ prangte am Rathaus der Stadt. Die Organisation Reporter ohne Grenzen kündigte „symbolische und spektakuläre“ Aktionen an. Vom Hissen der tibetischen Flagge am Parlament wurde aber abgesehen.

Der französische Staatspräsident und während der Spiele EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy schließt einen Boykott der Eröffnungsfeier nach wie vor nicht aus. Die Entscheidung hänge von der weiteren Entwicklung in Tibet ab, sagte sein Außenminister Bernard Kouchner.

Den Grünen geht die offizielle Haltung nicht weit genug. Sie hatten einen parallelen Fackellauf für die Menschenrechte gefordert. „Wir sind das Mutterland der Menschenrechte, es sei denn, wir wollen unsere Schnellzüge, Atomkraftwerke oder Flugzeuge nach China verkaufen“, sagte der Europa-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit der Zeitung „Journal du Dimanche“.

Dass es bereits drei Menschenrechts-Fackelläufe gibt, die weltweit Station machen - einer von US-Schauspielerin Farah Fawcett unter dem Motto "Save Darfur", einer von der Koalition zur Untersuchung der Verfolgung von Falun Gong und die "Free Tibet"-Fackel - haben die Grünen dabei offensichtlich übersehen.

Ablehnender Empfang in San Franzisko in Aussicht

Der Globale Fackellauf für Menschenrechte der CIPFG (Koalition zur Untersuchung der Verfolgung von Falun Gong in China), dessen Route schon seit acht Monaten durch die ganze Welt führt und am 17. September letzten Jahres in Paris Station machte, befindet sich momentan in den USA, wo er am 9. April im District of Washington seine nächste Station haben wird.

Auf der nächsten Station des olympischen Fackellaufs in San Franzisko, wo die Fackel am Mittwoch ankommen wird, erwartet die Veranstalter möglicherweise eine ähnliche Ablehnung wie in London und Paris. Am 1. April verabschiedete der Stadtrat von San Franzisko die von Stadtrat Chris Daly eingebrachte Resolution zur Unterstützung der Menschenrechtsfackel der CIPFG und der Fackel für die Freiheit Tibets.

Außerdem solle der Vertreter San Franziskos beim Empfang der Olympischen Fackel offiziell den Olympischen Geist und das Menschenrechtsabkommen der UNO erklären und offiziell ankündigen, dass China das Versprechen gegenüber der internationalen Gesellschaft, Menschenrechtsverletzung zu stoppen, nicht eingehalten hat.

Die verabschiedete Resolution kritisiert die schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen gegen die Tibeter, die Journalisten, Falun Gong-Praktizierende und andere religiöse Gruppen in China und forderte das IOC auf, die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele zu boykottieren.

Zugleich appellierte Daly an die Bürger von San Franzisko, die offizielle Olympische Fackel am 9. April mit Protest zu empfangen.

(AP/mk)

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