Gelsenkirchen/Düsseldorf - In Hamburg, Niedersachsen und Brandenburg suchen Ermittler der Behörden fieberhaft nach verdorbenem Fleisch aus Gelsenkirchen. Wie der Sprecher des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministerium, Markus Fliege, am Samstag auf AP-Anfrage erklärte, werden sämtliche Lieferungen nachverfolgt, die seit Jahresbeginn das Gelsenkirchener Kühlhaus verlassen haben. Dort waren im jüngsten deutschen Fleischskandal 60 Tonnen verdorbenes Roastbeef und Putenhackfleisch entdeckt worden.
Insgesamt handele es sich nach den bisherigen Erkenntnissen um rund 50 Tonnen Fleisch, die seit Anfang des Jahres in die drei Bundesländer ausgeliefert wurden. Wo das Fleisch genau angekommen sei, werde noch überprüft. Ein Teil davon sei sicher schon verzehrt. «Aber es ist doch so, dass noch einiges sicherzustellen ist.» Die Aktionen laufen den Angaben zufolge noch das ganze Wochenende.
Den Großteil seiner Ware verkaufte das Unternehmen nach bisherigen Erkenntnissen aber an zwei Gelsenkirchener Fleischverarbeitungsbetriebe, die unter anderem Bratwürstchen und Geflügel-Nuggets herstellen, wie der Sprecher der Stadt Gelsenkirchen, Martin Schulmann, der AP sagte. Noch vorhandene Bestände dieser Firmen, wie auch daraus hergestellte Fleischerzeugnisse wurden den Angaben zufolge sichergestellt, die noch im Handel befindliche Ware mittels einer Rückrufaktion zurückgezogen. Eine Gesundheitsgefahr durch den Verzehr des Fleisches bestand nach übereinstimmenden Angaben nicht.
«Das bei einer Routineuntersuchung in einem Kühlhaus gefundene Fleisch schmeckt und riecht zwar unappetitlich», sagte Schulmann. «Aber nach bisherigen Erkenntnissen geht von ihm keine gesundheitliche Gefahr aus», fügte er hinzu. Dennoch sei das Roastbeef und das tiefgekühlte Putenhackfleisch nach Tests des Staatlichen Veterinäruntersuchungsamts Münster nicht für den menschlichen Verzehr geeignet. «Man muss davon ausgehen, dass Teile dieser Ware tatsächlich in den Verkauf gelangt und inzwischen verbraucht sind», sagte der Stadtsprecher. Unabhängig von den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen werde auch die Stadt «intensive Nachforschungen» anstellen.
Kontrolleure der Stadt Gelsenkirchen hatten in einem Tiefkühlhaus rund 60 Tonnen Roastbeef und Putenhackfleisch beschlagnahmt. Auf die Spur des neuen Fleischskandals waren die Fahnder bei einer Routineuntersuchung bei einer Gelsenkirchener Firma gestoßen. Ende Oktober entdeckten sie in einem Tiefkühlhaus rund drei Tonnen Roastbeef, dessen Haltbarkeitsdatum abgelaufen war, und das kurzerhand mit einem um ein Jahr verlängerten neuen Haltbarkeitsdatum versehen worden war. Bei ihren weiteren Ermittlungen stießen die Kontrolleure dann in dem Lagerhaus noch auf weitere 57 Tonnen Fleisch und Fleischzubreitungen, zumeist Putenhackfleisch - ebenfalls mit deutlichen Hinweisen auf eine Überlagerung. (AP)
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