Gesellschaft - Aktuelle Nachrichten – Familientreffen historisch: Werbefachmann Block stammt von Moses Mendelssohn ab – Torsten Hilscher
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Aktuelle Nachrichten – Gesellschaft

Ein Nachfahre des Aufklärers Familientreffen historisch: Werbefachmann Block stammt von Moses Mendelssohn ab

Torsten Hilscher

23.06.2012

"Moses Mendelssohn - Moses aus Dessau", von Bundeskanzlerin Merkel. Der Familienstammbaum Mendelssohn hat lange Wurzeln. Foto: Oliver Lang/dapd
"Moses Mendelssohn - Moses aus Dessau", von Bundeskanzlerin Merkel. Der Familienstammbaum Mendelssohn hat lange Wurzeln.

Foto: Oliver Lang/dapd

Berlin – Seine jüdischen Wurzeln kommentiert Peter Block gern mit einer Portion Selbstironie: "Ist ja schwer zu übersehen, dass ich ein Nachfahre des Moses Mendelssohn bin", sagt er und tippt sich an die markante Hakennase. Der rüstige 83-Jährige gedenkt an diesem Wochenende mit fast 300 direkten und angeheirateten Verwandten in Berlin des großen Aufklärers. Obwohl das Familientreffen regelmäßig stattfindet, gibt es 2012 ein besonderes Ereignis zu feiern: Mit der Heirat von Mendelssohn (1729-1786) und Fromet Gugenheim (1737-1812) vor 250 Jahren wurde eine bis heute reichende Dynastie begründet.

Block und seine Tochter haben im Roten Rathaus an einem Tisch Platz genommen, der für die Linie Block/David reserviert ist. Nebenan sitzen die Oppenheims. Daneben ist die Familie Wyss. Und auch die Mendelssohns sind gekommen. Ebenso die Abrahams und die von Simsons. Die Tafel mit der Tischkartenaufschrift "Fanny" vereint Nachfahren der Komponistin Fanny Hensel (1805-1847), die noch immer im Schatten ihres Bruders Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) steht. Französische, englische, schwedische, tschechische Sprachfetzen sind im Saal zu hören.

Block selbst wohnt in Hamburg und Berlin-Halensee. In Berlin ist er auch aufgewachsen. Über seine Herkunft jedoch war er sich lange Zeit weder bewusst noch spielte sie eine Rolle – nicht für die Familie und auch nicht für das Umfeld. "Ich war zehn Jahre alt, als der Krieg begann. Unsere Familie war seit Generationen nicht mehr jüdisch. Meine Mutter zum Beispiel war eine Katholikin." Erst 1944 sprachen ihn Freunde direkt darauf und auf die damit verbundene Gefahr an.

Vater sagte Emigration 1936 ab

Dabei war seinem Vater, einem Architekten, 1936 von Freunden aus der kolumbianischen Botschaft die Ausreise angeboten worden, wie Block später erfuhr. Mit einem Stadionbau für Bogota hätte sogar der erste Auftrag vorgelegen. Schiffstickets lagen bereit. "Es wird schon nicht so schlimm werden", habe der Vater gedacht und die Emigration abgelehnt. "Es ist Gott sei Dank tatsächlich haarscharf gut ausgegangen", sagt Block kopfschüttelnd. Die Familie überlebte, wenngleich der Vater zeitweise im berüchtigten Gestapo-Komplex an der Prinz-Albrecht-Straße einsaß und die Mutter regelmäßig zu Verhören musste. "Da ist wohl auch Schmiergeld geflossen", mutmaßt Block. Die Familie überlebte.

"Nach der Befreiung wurde mir dann langsam klar, wer mein Urahn war. Nach und nach erfasste ich das ganze Spektrum seiner Leistungen", sagt Block. Er blieb seiner Vaterstadt zunächst treu und schrieb sich in den 1950ern an der Technischen Universität bei Hans Scharoun für ein Architekturstudium ein. Weil er jedoch frühzeitig für seine eigene wachsende Familie sorgen musste, wechselte er zur Werbung und studierte in Hamburg neben Marketing/Kommunikation auch Betriebswirtschaft. Es folgten Jahre bei namhaften Werbeagenturen. Block stemmte in verantwortlicher Position Kampagnen für große Kunden aus der Industrie. Später machte er sich mit einer eigenen Agentur selbstständig.

Den Großvater dem Vergessen entreißen

Seinen Vorfahr ehrte Block auch aktiv. In den 1990er Jahren war er im Vorstand der Mendelssohn-Gesellschaft. Aktuell treibt ihn das Andenken an seinen Großvater Josef Block um. Der einst bedeutende Maler war kein Geringerer als der Begründer der Münchner Sezession und Mitbegründer der Berliner Sezession. Aber die Nazis haben seinen Namen ausradiert. "Ich will ihn wieder präsent machen", hat er sich vorgenommen. Dafür sammelt Peter Block Bilder des Künstlers. Eine erste Auswahl ist bereits in der Charlottenburger Villa Oppenheim zu sehen – deren frühere Eigentümer ebenfalls auf Blocks mendelssohnsche Familienlinie zurückgehen.

Für das Fortbestehen der Linie hat Peter Block auch anderweitig gesorgt: Zwei seiner drei Kinder bescherten ihm sieben Enkelkinder. Inzwischen gibt es bereits zwei Urenkel. (dapd)

 

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