Aktuelle Nachrichten – International
19.06.2007
Bagdad – Bei einem schweren Bombenanschlag auf eine schiitische Moschee in Bagdad sind am Dienstag fast 80 Menschen getötet und mehr als 210 verwundet worden. Die Außenwand der Chulani-Moschee im Stadtteil Sinak wurde dabei zerstört. „Dieser Anschlag wurde geplant und ausgeführt von kranken Gehirnen“, sagte Imam Scheik Saleh al Haidari. Unter den Toten und Verletzen waren nach seinen Angaben viele Teilnehmer einer zum Zeitpunkt des Anschlags gerade beendeten Gebetsversammlung.
Die Bombe explodierte der Polizei zufolge in einem Lastwagen auf dem nahe der Moschee gelegenen Parkplatz. „Mein Büro und der Raum darüber sind eingestürzt“, sagte Scheik Saleh. „Aus den Trümmern werden Leichen geborgen.“ Die türkisfarbene Kuppel der Moschee blieb aber intakt. Der Anschlag ereignete sich zwei Tage nach dem Ende eines Ausgehverbots in Bagdad, das in der vergangenen Woche im Anschluss an den Anschlag auf die schiitische Moschee von Samarra verhängt worden war. Kurz nach der Detonation flammten Schießereien auf. 20 Fahrzeuge brannten aus, 25 Läden wurden beschädigt.
Während die Hauptstadt erneut von einem blutigen Anschlag erschüttert wurde, starteten die US-Streitkräfte mit rund 10.000 Soldaten eine Offensive in der weiteren Umgebung von Bagdad. Im Schutz der Dunkelheit und begleitet von Kampfhubschraubern und Kampfpanzern rückten Truppen in die Stadt Bakuba nordöstlich von Bagdad ein. Dabei seien mindestens 22 Aufständische getötet worden, teilten die US-Streitkräfte mit.
Der Vorstoß unter der Militärbezeichnung „Operation Arrowhead Ripper“ ist Teil einer umfassenderen Strategie mit dem Ziel, im Norden wie im Süden von Bagdad die Stützpunkte von sunnitischen Extremisten, Al-Kaida-Kämpfern und schiitischen Milizen aufzulösen. Dabei soll es sich nach Darstellung der Streitkräfte um Rückzugsstellungen von Aufständischen handeln, die dem Druck der im Februar eingeleiteten Offensive in Bagdad gewichen sind.
Bakuba ist die Hauptstadt der Provinz Dijala, in deren Orangen- und Palmenhainen sich die sunnitischen Aufständischen festgesetzt haben. Das Terrornetzwerk Al Kaida hat in Bakuba nach irakischen Angaben ein islamistisches Regime errichtet und auf dem Hauptplatz öffentliche Hinrichtungen vorgenommen. Bei der Offensive wurden nach Angaben eines irakischen Generalmajors auch Folterinstrumente wie Handschellen, Schwerter und Elektrokabel gefunden.
Im Süden des Iraks gingen unterdessen britische und irakische Einheiten gegen die schiitische Mahdi-Miliz vor. Bei Hausdurchsuchungen und Straßenkämpfen in der Stadt Amara, einer Hochburg der Mahdi-Miliz, wurden nach irakischen Angaben 36 Menschen getötet. Am Dienstag kam es auch zu Gefechten in Nassirija, 320 Kilometer südöstlich von Bagdad. (AP)
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