Weimar - Dem großen deutsch-amerikanischen Künstler Lyonel Feininger ist seit dem Wochenende eine Ausstellung des Bauhaus-Museums Weimar gewidmet. Sie zeigt 34 bislang unveröffentlichte Skizzen des Meisters mit Motiven aus der Umgebung der Klassikerstadt. Im Mittelpunkt der Präsentation «Lyonel Feininger und Weimar» steht das kubistische Gemälde «Gelmeroda XI», das die Klassik Stiftung mit Hilfe von Bund, Land und privaten Stiftungen in Kürze zu erwerben hofft.
Zur Vernissage am Samstag würdigte der US-Botschafter William R. Timken am Beispiel Feiningers die enge Verbundenheit seines Landes zu der Stadt, in der nicht nur Goethe und Schiller wirkten, sondern auch das Bauhaus, die bekannteste Kunst- und Architekturschule des 20. Jahrhunderts, zu Hause war. Die Bauhausbewegung sei in der Alltagskultur der Vereinigten Staaten von Amerika allgegenwärtig, betonte Timken.
Der 1871 in New York geborene Feininger war vor 100 Jahren zum ersten Mal nach Weimar gekommen. Im Februar 1906 hatte er seine spätere Frau Julia Berg besucht, und seitdem begeisterte sich der Künstler, der die Metropolen der Welt kannte, immer wieder für die Landschaft im Umfeld der Klassikerstadt. Vor allem die kleinen thüringischen Dörfer hatten es ihm angetan.
«Jedes hat eine Kirche, immer alt, immer charaktervoll», schrieb er 1913. «Es gibt Kirchtürme in gottverlassenen Nestern, die mit das Mystischste sind, was ich von so genannten Kulturmenschen kenne.» Während seiner Ausflüge entstanden über 10.000 Skizzen, der er «Natur-Notizen» nannte.
Feininger war 1919 als erster Bauhaus-Meister von Walter Gropius an das Weimarer Bauhaus berufen worden. Bis zur Vertreibung des Bauhauses durch die Nationalsozialisten aus Weimar im Jahr 1925 hatte er hier seine Wahlheimat gefunden. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers wurden über 400 Werke Feiningers als «entartet» aus deutschen Museen entfernt. 1937 verließ der Künstler Deutschland und kehrte in seine Geburtsstadt New York zurück, wo er 1956 im Alter von 84 Jahren starb.
Auch in seinen New Yorker Jahren nutzte Feininger die Skizzen aus Thüringen als Vorlagen für viele seiner großen Gemälde. Besonders die Dorfkirche von Gelmeroda hatte es ihm angetan. In zahlreiche kubistische Kunstwerke verwandelt, wurde sie zur vielleicht berühmtesten Dorfkirche der Welt.
Das auf der Ausstellung in Weimar präsentierte Bild «Gelmeroda XI» ist das letzte Ölgemälde aus Feiningers Zeit am Bauhaus. Es hat seine besondere Geschichte, die Petra Werner in dem Buch «Der Fall Feininger» erzählt. Danach hinterließ der Künstler 64 Ölgemälde bei dem Sammler Hermann Klumpp in Quedlinburg, bevor er Deutschland den Rücken kehrte. Darunter befand sich auch «Gelmeroda XI».
Die Rückgabe stand laut Werner im Zusammenhang mit dem Doppelporträt «Hans und Felicitas Tucher», das Albrecht Dürer 1499 gemalt hatte. Dürers Werk war im Zweiten Weltkrieg nach Schloss Schwarzburg ausgelagert und dort den Angaben zufolge von amerikanischen Soldaten gestohlen worden. Jahre später war es in den USA aufgetaucht, doch es folgten lang andauernde, zähe Verhandlungen, bis die Kunstsammlungen zu Weimar 1982 die Doppelporträts der Tuchers wieder in ihren Mauern zeigen konnten. Im Gegenzug hatten die USA darauf bestanden, die berechtigten Wünsche der Erben Feiningers zu berücksichtigen. Und so kamen 1984 die Gemälde aus Quedlinburg nach New York. «Gelmeroda XI» wurde im Dezember 2005 in Köln nach einem Zeitungsbericht für 1,7 Millionen Euro ersteigert. Jochen Wiesigel
(Petra Werner: «Der Fall Feininger», Köhler & Amelang, 24,90 Euro)
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