Umwelt – Ferkel-Leid sorgt erneut für Schlagzeilen – Vera Fröhlich
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Absolut geschmacklos: Ferkelkastration Ferkel-Leid sorgt erneut für Schlagzeilen

Vera Fröhlich

02.08.2009

Die Kastration von Ferkeln ohne Schmerzbehandlung wird aus Tierschutzgründen immer wieder kritisiert. (AP Photo/Matthias Rietschel)
Die Kastration von Ferkeln ohne Schmerzbehandlung wird aus Tierschutzgründen immer wieder kritisiert. (AP Photo/Matthias Rietschel)

Berlin – Verbrauchern könnte der Appetit auf knusprige Schweineschnitzel vergehen. Denn Tierschützer haben einen Schweinezucht-Firma in Brandenburg wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz angezeigt. „In dem Betrieb wurden Ferkeln ohne Betäubung die Hoden aus dem Leib gerissen“, begründete die „Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt“ ihre Anzeige gegen die Firma und das zuständige Veterinäramt.

Und schon macht das Leid der Ferkel, von dem die Verbraucher eigentlich gar nichts wissen wollen, wieder Schlagzeilen. Der Geschäftsführer der betroffenen Prignitzer Landschwein GmbH, Ralf Remmert, wies die Vorwürfe allerdings als haltlos zurück. Denn man halte sich an die Tierschutzgesetze und trete sogar offensiv für andere Kastrationsmethoden ein. Die seien aber bislang noch nicht zugelassen.

„Auch der Vorwurf, wir würden Ferkeln die Hoden herausreißen, ist völlig haltlos“, sagte Remmert laut „Nordkurier“. „Die Samenstränge müssen komplett entfernt werden, weil es sonst zu Entzündungen kommt, an denen die Tiere jämmerlich sterben.“ Und die zuständige Amtstierärztin Sabine Kramer betonte: „Unsere Überprüfungen ergaben keine Anhaltspunkte für Tierquälerei.“

Denn in Deutschland dürfen männliche Ferkel bis zum Alter von sieben Tagen ohne Betäubung kastriert werden. Das lässt das Tierschutzgesetz zu. „22 Millionen Ferkel erleiden jährlich diese unbeschreibliche Qual“, klagt der Deutsche Tierschutzbund. Mit einem Skalpell wird die die Hodenhaut durchschnitten, die Samenstränge werden durchtrennt und beide Hoden entfernt. Die Wunde bleibt offen und verheilt innerhalb von zehn Tagen, wie Untersuchungen ergeben haben.

„Elektronische Nase“ noch nicht praxisreif

Grund für die Kastration der Ferkel ist der Ebergeruch. Dessen Hauptkomponenten sind das in den Hoden produzierte Hormon Androstenon und eine Substanz namens Skatol mit ihrem „eher fäkalartigen Geruch“. Drei von vier Menschen können den Ebergeruch wahrnehmen, wenn das Schweinefleisch erhitzt wird, und verzichten dann gerne auf ihr Kotelett.

Allerdings stinkt nicht jeder Eber, vor allem nicht, wenn er früh geschlachtet wird. In Großbritannien hat die Ebermast Tradition. Auch der Tierschutzbund befürwortet sie, weil die Tiere dann nicht kastriert werden müssen. Weiterer Vorteil: „Die restriktive tierquälerische Haltung auf engstem Raum und auf Vollspaltenboden wäre bei der Haltung von lebhaften und sehr bewegungsaktiven Ebern nicht mehr möglich.“

Für den Deutschen Bauernverband bietet die Ebermast als Alternative zur Kastration dann eine Lösung, „wenn der Geschlechtsgeruch von Eberfleisch eingegrenzt und das betroffene Fleisch zuverlässig aussortiert“ werden können. „So sollen Verfahren entwickelt werden, mit denen Fleischpartien während der Schlachtung erkannt werden, die den vom Verbraucher abgelehnten typischen Ebergeruch beim Braten entwickeln.“

Die sogenannte elektronische Nase in Schlachthöfen ist aber noch nicht praxisreif. Auch das „Spermasexing“ für ausschließlich weibliche Ferkel taugt noch nicht für den Alltagseinsatz. Die „Immunokastration“ über die zweimalige Impfung mit Antigenen ist zwar seit Ende Mai auch in der Europäischen Union erlaubt, hat sich aber nicht durchgesetzt.

Fast-Food-Ketten machen Druck

Selbst der Bauernverband strebt einen völligen Verzicht auf die Ferkelkastration an. „Bis dieser Verzicht möglich ist, setzen wir – im Interesse des Tierschutzes – auf schmerzstillende Mittel und nicht auf die Betäubung“, erklärte Generalsekretär Helmut Born. Seit dem 1. April 2009 dürften alle Ferkel innerhalb des Qualitätsicherungssystems (QS) nur noch mit Schmerzmittel kastriert werden.

Die Betäubung der Ferkel mit Kohlendioxid oder dem auch in dem Humanmedizin verwendeten Isofluran ist nach Auffassung einiger Wissenschaftler zu aufwendig, zu teuer und für die Tiere mit zusätzlichem Stress verbunden. In den Niederlanden werden die Ferkel dagegen seit 1. Januar mit CO2 betäubt. Bereits seit Mai 2008 setzt Neuland, der Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung, „flexible Schnauzendoppelmasken“ ein und narkotisiert mit Isofluran. Außerdem bekommen die Ferkel Schmerzmittel.

Inzwischen machen ausgerechnet die Fast-Food-Ketten McDonald's und Burger King Druck auf die Schweinemäster. Sie wollen spätestens ab 2011 ganz auf das Fleisch kastrierter Schweine verzichten. Sollten die deutschen Bauern nicht liefern können, „werden wir die Produkte im Ausland einkaufen“, erklärte McDonald's.

http://www.ferkelprotest.de/

http://www.tierschutzbund.de/

http://www.bauernverband.de/

http://www.bmelv.de/ (AP)

 

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