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Kindererziehung Fernsehen schafft Sprachschwierigkeiten

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23.11.2011

Wissensvermittlung durch den Fernseher ist vor allem bei Kleinkindern eine wünschenswerte Vorstellung. In Studien hat sich das Fernsehen jedoch als ein Verzögerungsfaktor in der Entwicklung des Kindes gezeigt.. Foto: knipseline  / pixelio.de
Wissensvermittlung durch den Fernseher ist vor allem bei Kleinkindern eine wünschenswerte Vorstellung. In Studien hat sich das Fernsehen jedoch als ein Verzögerungsfaktor in der Entwicklung des Kindes gezeigt..

Foto: knipseline  / Pixelio

Eine Analyse von 50 Studien zum Thema ergab, dass das Fernsehen die Entwicklung von Kleinkindern hemmt, anstatt sie zu fördern. Mit dieser Warnung lässt die Amerikanische Akademie für Pädiatrie aufhorchen. Ihre Untersuchung zeigt: Der Fernseher verzögert die Sprachentwicklung, lässt Kinder schlechter schlafen und behindert die Eltern-Kind-Kommunikation, denn der Fernseher kann kein Feingefühl bieten. Die Ergebnisse wurden am 18. Oktober 2011 im Fachblatt „Pediatrics“ veröffentlicht.

„Je kleiner Kinder sind, umso schlechter wirkt Fernsehen auf sie“, bestätigt Fabienne Becker-Stoll, Leiterin des Staatsinstituts für Frühpädagogik gegenüber pressetext. Besonders sei dies im Fall von Säuglingen ausgeprägt, die noch in der „Wiege“ vor den Fernseher gestellt werden, ohne sich selbst fortbewegen zu können. Eine absolut schädliche Handlungsweise. „Das Gehirn eines Babys braucht sofortige Rückkoppelung. Damit es lernen kann, müssen Eltern nicht nur feinfühlig, sondern auch sofort auf das Kind eingehen, wenn es etwa schreit oder weint. Ein Fernseher reagiert jedoch nie“, erklärt die Psychologin.

Auch die Babyprogramme haben in der Untersuchung keine Lerneffekte nachweisen können. Vielmehr besitzen Kinder einen umso kleineren Wortschatz, je länger sie als Babys ferngesehen haben. „Kinder ab dem zweiten Lebensjahr sind zwar fasziniert von den schnell wechselnden Bildern, können diese bei schnellen Schnitten jedoch oft nicht verarbeiten und werden dadurch überreizt“, so Becker-Stoll. Die amerikanischen Autoren betonen, dass eine Kindersendung nur dann Qualität bringt, wenn die Kinder den Inhalt und den Zusammenhang verstehen. Dies gelingt jedoch frühestens im Alter von zwei Jahren.

Der Fernseher als Babysitter

Während Kinderärzte zum TV-Verzicht unter zwei Jahren mahnen und den Fernseher aus dem Kinderzimmer verbannen wollen, sieht die Situation in den Kinderzimmern gegensätzlich aus. In amerikanischen Studien gaben 90 Prozent der Eltern von Babys unter zwei Jahren an, dass sie ihre Kinder häufig vor das TV-Gerät setzen – Zweijährige durchschnittlich ein bis zwei Stunden pro Tag. Ab drei Jahren steht in jedem dritten Kinderzimmer in den USA ein Fernseher.

In Deutschland werden entsprechende Daten zu dieser Altersgruppe erst in der laufenden Kiggs-Studie erhoben. Anlass dazu gab eine Untersuchung von Robert Schlack bei 10.000 Schulanfängern in Köln aus dem Jahr 2005. „Bei drei Stunden Fernsehkonsum pro Tag erhöht sich die Quote der Sprachstörungen bei Schuleintritt um die Hälfte. Bei über vier Stunden verdoppeln sich grobmotorische Auffälligkeiten sowie auch die Probleme, Bewegungen im Blickfeld abzustimmen“, berichtet Schlack vom Robert-Koch-Institut gegenüber pressetext.

Selbstbeschäftigung muss gelernt werden

Eltern stehen somit in einer widersprüchlichen Situation. „Keine Familie verzichtet auf den Fernseher, sobald Kinder kommen. Man muss deshalb den Schaden begrenzen“, rät Becker-Stoll. Für die Expertin bedeutet das ein gemeinsames Fernsehen auf dem Schoß der Eltern mit Erklärungen des Gesehenen sowie die Auswahl eines Programms, das für die Kinder interessant ist, wobei nicht viel Werbung gezeigt werden sollte. „Denn Kinderwerbung ist immer hoch suggestiv“, begründet Becker-Stoll. „Selbst Fünfjährigen sollte man deshalb nie die Fernbedienung überlassen.“

Als weitaus bessere Alternative empfiehlt die Münchner Psychologin das Vorlesen, das sogar im Alter von wenigen Monaten bereits beginnen kann. Die US-Kindermediziner raten zum freien Spiel, bei dem Kinder auf eigene Faust lernen, kreativ zu denken, Probleme zu lösen, ihre Motorik zu entwickeln und sich selbst zu beschäftigen. „Kinder lernen am besten von Menschen, nicht von Bildschirmen“, so ihr Resümee. (pressetext/ps)

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