„Höllensturz und Hoffnung“ – Wichtigstes Buch des Jahres 2013

Vom gläsernen Menschen ist die Rede in einer genialen Diagnose unserer systemisch dysfunktionalen gegenwärtigen Gesellschaft, von einem möglichen "Höllensturz" und von den notwendigen Heilungsprozessen.

Stellen Sie sich vor, so das Autorenteam von „Höllensturz und Hoffnung“ in Kapitel 1, Sie hätten nur noch ein paar Tage oder Wochen zu leben, vielleicht wegen einer Krankheit, über deren fatale Folgen die Ärzte Sie aufgeklärt haben.

Was würden Ihre letzten Gedanken sein? Wem würden Sie die letzten Stunden widmen? Was wäre Ihnen wirklich wichtig? Wäre es auch in den letzten Momenten Ihres Lebens genau das, worum sich Ihr Leben auch bislang Tag um Tag, Stunde um Stunde gedreht hat?
Würden Sie sich kurz vor Ihrem Ende noch einmal so richtig intensiv mit Ihrem Job und Ihren Kunden und Ihrem Chef beschäftigen? Überstunden im Büro machen? Die Börsenkurse verfolgen? Das neueste iPhone bestellen? Zeitung lesen und Abendnachrichten schauen? Abends zum Skatspielen gehen? Mit Computer-Games die Zeit vertreiben?
Was wirklich wichtig ist, der Kern, um den sich unser Leben und das aller Zivilisationen zu allen Zeiten dreht, das kommt in unserem Alltag kaum noch vor.
Es geht den Autoren nicht um ein Weltuntergangsszenario, sondern um die Erkenntnis, dass unsere Gesellschaft im gesamten Organismus systemisch dysfunktional geworden ist, zu dessen Behebung es tiefliegender Heilungsprozesse bedarf.
Eine qualitative Grenze wird überschritten, wenn Technik massenhaft zur Entwürdigung des Menschen verwendet wird. Das Ausloten technischer Machbarkeiten ist nicht das Problem. Die innerste Verfassung der Gesellschaft ist offenbar fast unheilbar krank geworden.

Ein hochkarätiges Autorenteam

Wer die ersten Seiten zu lesen beginnt, legt dieses faktenreiche Buch nicht wieder aus der Hand. Zehn renommierte Professoren haben ihr reichhaltiges Erfahrungswissen miteinander ausgetauscht und daraus eine einzigartige Hintergrundanalyse über die geradezu pathologischen Zustände in Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Medizin, Medien u.v.m. zu Papier gebracht.
Besonders eindrucksvoll ist die Tatsache, dass die Autoren ihre Beiträge nicht namentlich gekennzeichnet haben, sondern als sehr wohltuendes, vom Ego befreites Kollektiv den Leser ansprechen. Damit bekommt das Buch einen zusätzlichen Wertcharakter. Das Autorenteam ist hochkarätig besetzt:

Professor Dr.med. Gisela Charlotte Fischer, bis 2003 Lehrstuhlinhaberin für Allgemeinmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover.
Professor Prabhu Guptara, in New Delhi geboren, Experte für Globalisierung und Mitglied im World Future Council.
Professor Dr. Jörg Knoblauch, erfolgreicher Unternehmer, für seine Erfolge und Führungsmodelle vielfach ausgezeichnet.
Professor Dr. Hans-Peter Kriegel, Informatiker, Lehrstuhl für Datenbanksysteme an der Ludwig-Maximilians-Universität München, auf seinem Gebiet der meistzitierte und einflussreichste deutsche Forscher.                                              
Physiker Professor Dr. Wolfgang Leisenberg, emeritierter Dekan der Technischen Hochschule Mittelhessen, ausgezeichnet mit dem hessischen Innovationspreis 2008. 
Professor Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher, Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, die 420 Millionen evangelische Christen vertritt.
Professor Dr. med. Gerd Schnack, Chirurg, Präventiv- und Sportmediziner, Gründungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Präventivmedizin, Coaching für Führungskräfte und Musiker.
Professor Dr. jur. utr. Dr. phil. Dr. theol. Lutz Simon, Präsident der Rechtsanwaltskammer Frankfurt am Main, ehem. Präsident der Europäischen Anwaltskammern, Notar, Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaft und Künste.
Professor Dr. Manfred Spreng, Neuro-physiologe, emeritierter Lehrstuhlinhaber an der Universität Erlangen.
Biophysiker Professor Changlin Zhang, Universität Hangzhou, VR China, Forschungsgebiet: Kohärenz in lebendigen Systemen, speziell die Wirkung der klassischen chinesischen Medizin auf den menschlichen Körper.
Wohin steuert unsere Gesellschaft?
Wird in Zukunft ein am größten Nutzen orientiertes Rechtssystem den gläsernen Menschen bewachen, der mit juristischer Absicherung datenmäßig umfassend registriert und kontrolliert wird? Wird die Ökonomisierung der wachsenden Gesundheitsindustrie  wehrlose und hilfsbedürftige Menschen emotional und wirtschaftlich ausbeuten – wie in China bereits an der Tagesordnung?
Wird die unveränderte Haltung der Finanzjongleure ahnungslose Konsumenten in eine fortschreitende Schuldenfalle führen? Wird das irdische Leben der meisten Menschen zu einem katastrophalen Sinnverlust mutieren?
Es wurden seitens der Politik Rechtssysteme geschaffen, die vor ökonomischer Gier kapitulieren; globale Märkte bewegen sich in rechtsfreien Räumen. Wer will denn GOOGLE, AMAZON, FACEBOOK u.a. künftig daran hindern, Daten zu sammeln, die, wenn sie in falsche Hände geraten, diese falschen Hände zur Weltherrschaft befähigen?

Medien steuern Emotionen und kassieren
Die Auflagen der Zeitungen und die Einschaltquoten der Sendungen, welche die Katastrophen am größten und schrecklichsten inszenieren, steigen am höchsten. Wahrheit, Angemessenheit und Präzision der Inhalte spielen nach Ansicht des zehnköpfigen Autorenteams im Zeitalter des Infotainment keine Rolle mehr, wenn im Vordergrund steht, dem Zuschauer einen Kloß in den Hals, Tränen in die Augen und eine Schockstarre in die Knochen zu senden – möglichst noch wirkungsvoller als die Konkurrenz.
Journalisten sind, um erfolgreich zu sein, gezwungen, Emotionen zu bedienen. In nahezu allen Medienkanälen wurde ausführlich über den Hund berichtet, der nach dem Tsunami vor Japan im März 2011 aus dem Meer gerettet wurde. Mehr als 15.000 Menschen kamen um, eine halbe Million Menschen musste fliehen, ganze Landstriche sind durch den Atomunfall in Fukushima nach dem Erdbeben unbewohnbar – und es wurde über einen Hund berichtet.
Journalisten, die bei so etwas nicht mitmachen wollten, wären chancenlos. Aber je mehr die Medien im Katastrophenmodus berichten, desto aufmerksamer und betroffener sind die Menschen. Der Maya-Kalender und die Angst vor dem 23. Dezember 2012 hatte über Monate Millionen von Menschen in Katastrophenstimmung versetzt.
Der global vernetzte Mensch, Tag und Nacht on-line verfügbar, befindet sich in einer high-speed-Hamsterrolle, aus der es kaum ein Entrinnen gibt. Der homo sapiens ist degradiert zu einem funktionieren Sklaven einer Konsum- und Verwaltungsdiktatur, wo kein Raum mehr gegeben ist für eine sinnvolle Reflektion.

„Gendern“ im Kindesalter
Die Erziehung der Kinder findet kaum noch im Familienverbund statt. Der Staat greift mehr und mehr in die (Ver-)Formung unserer nachfolgenden Generation ein. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Deutschland, die dem Familienministerium untersteht, hat vor einigen Jahren einen Ratgeber für Eltern zur kindlichen Sexualerziehung vom 1. bis zum 6. Lebensjahr herausgebracht, finanziert von Steuergeldern und 100.000-fach kostenlos verteilt.
Eltern, Großeltern oder jene, denen die Pflege der Kinder anvertraut wird, wurden darin zur sexuellen Stimulation ihrer Kleinkinder aufgefordert. Der Titel. „Körper, Liebe, Doktorspiele“. Erst nachdem u.a. der Leiter des Instituts für Familienwissenschaften und Mitautor des Buchs „Höllensturz und Hoffnung“, Professor Dr. Dr. Thomas Schirrmacher, kritisiert hatte, dass die Tipps zum Umgang mit den Geschlechtsorganen kleiner Kinder vor Gericht den Tatbestand des sexuellen Missbrauchs erfüllen würden, zog die damalige Familienministerin Dr. Ursula von der Leyen (Mutter von sieben Kindern) die Broschüre aus dem Verkehr.
Ein absurder Tatbestand über den Zustand in diversen maßgebenden politischen Einrichtungen.
Im Kapitel 6 des Buches schreiben die Autoren: „Der Drang der staatlichen Institutionen, unsere Kinder möglichst frühzeitig zwangsweise zu sexualisieren, um sie zu ‚gendern‘, ist so groß, dass dabei selbst die Europäische Menschenrechtskonvention vergessen wird. Wir befürchten, dass die politisch gewollte Enttabuisierung von Sexualität im Kindesalter und die penetrante und vehemente Durchsetzung von Homosexualität als Lebenskonzept die Kinder bei der Ausbildung einer gesunden, widerstandsfähigen Identität behindert."
"Um es klar zu sagen: Wer in der natürlichen Entwicklung seiner Identität als Mann oder Frau behindert wird, kann nicht glücklich werden. Wir halten die Ausübung dieser Ideologie in Kita, Kindergarten und Schule für menschenunwürdig. In diesem Punkt verläuft unsere Bildungspolitik am Rande der Menschenverletzung…“
Wichtigstes Buch des Jahres 2013
Die Autoren be- und durchleuchten den besorgniserregenden Zustand unserer Gesellschaft, wo die gegenwärtigen Systeme (Wirtschaft, Finanzen, Kultur, Gesundheit, Medien) die kreative Natur des Menschen zu beseitigen drohen.
Es ist, so das Professorenteam, ein Verbrechen gegen die Menschheit, die biologische Reproduktion hoch entwickelter Zivilisationen zu stoppen, indem die Familien zerstört werden. Der Schutz des ungeborenen Kindes ist für die Zukunft Voraussetzung.
Uns droht nach Meinung der Autoren ein „Höllensturz“, wenn wir nicht zur Umkehr aus den zukunftsbedrohenden Entwicklungen im Inneren unserer Zivilisation finden. Indes begründen sie auch, warum sie dennoch Hoffnung auf eine menschenwürdige Zukunft haben.
Wir brauchen ein neues Verständnis von Ehre, Würde, Aufrichtigkeit, Vertrauen. Glaube, Hoffnung und Liebe bleiben die tragfähigsten Säulen.
Ein aufrüttelndes Buch von enormer Brisanz.

Foto: Cover Olzog-Verlag München

Hans-Joachim Hahn, Lutz Simon
Höllensturz und Hoffnung
Warum unsere Zivilisation zusammenbricht und wie sie sich erneuern kann
2013, Hardcover
256 Seiten
ISBN 978-3-7892-8197-6
EUR 22,90
Olzog-Verlag München