Alte persische Musik in Russland

Musik, die Sie an die trockensten Orte des Irans bringen wird; Musik, die für Sie den Schleier über das antike Persien lüften wird; Musik, die ihren kulturellen Horizont maximal erweitet …

Musik, die Sie an die trockensten Orte des Irans bringen wird; Musik, die für Sie den Schleier über das antike Persien lüften wird; Musik, die ihren kulturellen Horizont maximal erweitet – so lautet die Zielsetzung des neuesten „Konzerts für Baluch“ des Komponisten Medhi  Hosseini.

Die Vereinigung für zeitgenössische Musik der St. Petersburger Komponistenvereinigung präsentiert das „Konzert für Baluch“ komponiert vom Komponisten Mehdi Hosseini, einem gebürtigen Irasaner. Die sechs Instrumente der Komposition sind eine Laute in Alt, Kontrafagott, Horn, Xylophon, Geige und das Cello.
Die Weltpremiere des Konzertes fand am 11. Juni in St. Petersburg statt und war durch die persische Volksmusik inspiriert. Sie sollte die Herzen der Zuhörer emporheben und „eine Atmosphäre der Offenheit zur interkulturellen Verständigung erschaffen“.
Die Musik wurde durch ausgewählte Solisten aus dem St. Petersburger Staatskonservatorium und dem St. Petersburger Philharmonie-Orchester aufgeführt.
„Meine Komposition wurde durch Georgy Firtich, dem Direktor der St. Petersburger Vereinigung für zeitgenössische Musik für das Programm ausgewählt. Durch diese Aufführung hofft er, das kulturelle Verständnis zu fördern“, sagte Komponist Mehdi Hosseini gegenüber der The Epoch Times.
Über den Baluch und iranischer Folklore

In einem speziellen Online-Interview erläuterte der Komponist Mehdi Hosseini, dass der„Baluch“ ein Name für eine ethnische Gruppe in Persien sei, die ein Gebiet im südwestlichen Asien bewohne. Sie sprechen ihre eigene Balochi-Sprache. Die Quelle der Materialien für die Komposition sind Volkslieder aus zwei der trockensten Provinzen im Iran-Sistan und Baluchestan.

Mehdi Hosseini begann seine Kompositionsarbeiten über den Baluch, indem er anfing, Aufzeichnungen über einen ehemaligen Dunali (Doneli)-Spieler Meister Shir Mohammad Spandar aus der Region von Baluchestan, zu transkribieren.

Wandmalerei: Persische Musikaufführung aus dem 17. Jahrhundert. (Mehdi Hosseini)
Wandmalerei: Persische Musikaufführung aus dem 17. Jahrhundert. (Mehdi Hosseini)

Die Dunali ist ein an ihrem Ende geblasene Flöte, die normalerweise als Soloinstrument gespielt wird. Es wird gesagt, dass einige Menschen auf den Klang dieses exotischen Musikinstrumentes in Trance fallen würden. In diesem besonderen Arrangement vereinte Spandar mehrere Magame: Liku, Delgani, Zuljalal-Guati, und einige andere berühmte Lieder aus der Region.

Der Magam (auch buchstabiert als ein Mugham oder Mugam) ist mit der persischen Musiktradition eng verbunden und vertritt ein monodisches Musik-System ähnlich dem indischen Raga. Es ist nicht beschränkt auf dem Iran, sondern er wird in weiten Teilen des Nahen und des Fernen Ostens verwendet.

„Ich fing im Februar dieses Jahres an, an diesem Konzert zu arbeiten und habe es erst vor drei Wochen fertig gestellt. Insgesamt habe ich etwa vier Monate an dem Stück gearbeitet. Aber ich muss dazu sagen, dass es deshalb so lange gedauert hatte, weil ich parallel an zwei anderen Projekten gearbeitet hatte.“

Der am weitesten verbreitete Glaube über Persische Musik ist, dass sie auf modale Systeme beruhe. Bei näherer Analyse der grundlegenden Organisation und der Klanginstrumente der Musik selbst stellt sich heraus, dass dies nicht absolut zutreffend ist.
Überall in ganz Persien unterscheidet sich die regionale Volksmusik von der westlichen Musik, indem es auf einer ungleichen Temperierung basiert. Westliche Musik verwendet eine gleiche Temperierung, die im Europa des 18. Jahrhunderts entwickelt wurde. Bei dieser Temperierung sind die Intervalle zwischen den Tönen gleichmäßig gestaltet, sodass eine Oktave von zwölf gleichgroßen Zwischentonschritten gebildet wird.

Persische Volksmusik, wie fast alle Volksmusiken, basiert hingegen auf unregelmäßigen Tonzwischenräumen. Bei vielen Menschen erweckt dies den Eindruck, als ob die Instrumente beim Spielen der indischen, asiatischen wie auch der chinesischen Volksmusik „verstimmt“ wären.

In seiner Musik bemüht sich Mehdi Hosseini, die Kreuzung von traditioneller östlicher Musik und der neuen, zeitgenössischen Musiksprache zu erforschen. Er glaubt, dass ein monodisches System im Allgemeinen als eine experimentelle Art der Komposition verstanden werden kann, die die Volksmusik in einem neuen Licht erscheinen lässt – eine Sichtweise, die die Wichtigkeit der verschiedenen Tonformen dieses Systems sowie das reiche Erbe der regionalen Musik betont.

„Wenn ich komponiere, ist meine Aufgabe, die Instrumente zu finden, die für die speziellen Mikrotonsysteme auf authentischer Weise und nicht lediglich als „Effekt“ eingesetzt werden kann. Für mich bedeutet ein Instrument Farbe, und ich brauche alle möglichen Farben auf meiner Suche.“

„Meine Kompositionen verwenden ein breites Spektrum an Instrumenten, die ich normalerweise in nicht-klassischen Arrangements zusammenbringe. Ich habe auch für Streichquartette, für das auch Haydn komponierte, sowie für ein Sextett, das eine Altstimme, eine Laute und ein Kontrafagott miteinschloss, komponiert. Diese Instrumente werden normalerweise nur innerhalb von Kompositionen für wirklich große Orchester verwendet.“

Persische klassische Musik, in ihrer Gesamtheit auch als Radif (Reihe) bekannt, besteht aus vielen alten Stücken, die „Gusheh“ genannt werden. Der Radif ist an sich gesehen ein Repertoire von Melodien, die von verschiedenen Leuten gesammelt und zu verschiedenen Zeiten hinzugefügt wurden. Dieses Repertoire ist nicht wie die westliche Musik, die komponiert ist und genauso gespielt werden soll, wie sie geschrieben wurde.

Stattdessen bestehen Gusheh aus traditionellen Melodien, von denen viele aus volkstümlichen Quellen stammen. Der Radif lässt sich in zwölf Gruppen gliedern, von denen sieben als grundlegende monodische Strukturen – „Dastgah“ (System) genannt – bekannt sind. Die fünf Verbleibenden werden als sekundäre oder abgeleitete Dastgahs gehandhabt und werden „Naghmeh“ (Gesang) oder „Avaz“ (Lied) genannt.

„Persische Musik ist wie ein persischer Teppich, mit fester Form, Struktur und großer Komplexität. Und doch ist er für die meisten Leute des Westens unbekannt geblieben“, fügt Hosseini hinzu.

Vom Iran bis nach Russland

Bevor Mehdi Hosseini nach Russland ging, arbeitete er bereits als Komponist für das iranische Staatsfernsehen und andere Medienvereinigungen in Teheran. Um seine Erfahrung zu erweitern, schrieb sich der 30-jährige Komponist in das St. Petersburger Konservatorium ein. Er war sehr zufrieden mit seinen Studien und bildete enge Beziehungen zu seinen Lehrern aus.

Er trat auch in Kontakt mit vielen ausländischen Musikern – mit einigen, die gekommen waren, um im St. Petersburger Konservatorium zu studieren, genauso wie mit anderen, die gekommen waren, um Konzerte zu geben. So konnte Mehdi mit vielen erfahrenen ausländischen Musikern Freundschaft schließen. In St. Petersburg ist das kulturelle Programm jeden Tag reich an Konzerten. Viele dieser Konzerte werden von hoch talentierten Musikern aufgeführt.

„Jedoch muss ich sagen, dass ich mir bezüglich meines musikalischen Stils nie selbst Grenzen gesetzt habe. Ich habe immer stets versucht, ich selbst zu sein und habe weder den Stil der Russen noch den von irgendeiner anderen Nation angenommen. Meine Basis ist immer noch zum großen Teil die östlichen Kultur, um die Realität zu verstehen, die meine Musik zu erklären versucht.“

„Die Verantwortung des Komponisten ist, nach den höchsten menschlichen Werten zu streben.“ Medhdi Hosseini kam zum Schluss, dass die Rolle und Verantwortung als Komponist – und der Kunst als Ganzes – darin besteht, sich für die höchsten menschlichen Werte einzusetzen. Sie sind auf den wahren Zweck der Kunst gerichtet.
„Es ist nicht die Kunst, die die Moralität erschafft, sondern vielmehr ist der Gegenteil der Fall – nur dadurch, dass man sich an hohe Moralstandards bindet, sind die Menschen in der Lage, Kunst zu erschaffen – die Kunst vom gutmütigen Wort, guter Tat, aufrichtigen Gedanken, usw.“.

„Leute aller Nationen von irgendwelchen philosophischen oder religiösen Hintergründen sollten nicht vergessen, dass alle diese Schulen des Denkens nicht mehr als Wege zu hohen Moralstandards sind. Es sind eben diese Standards, die die Moral bilden. Es sind diese Pfade, die die Menschheit zu geistiger Erfüllung führen. Ein Komponist ist keine Ausnahme von dieser Wahrheit.“
Der iranische Komponist Mehdi Hosseini, geboren 1979 in Teheran, lebt und dichtet in St. Petersburg, Russland. Seiner Musik gelingt eine feine Zusammenführung zeigenössischer Kompositionen und alter persischer Musiktraditionen, die in seinen Quartetten, Symphonien und Konzerten zum Ausdruck kommen. Mehr über Mehdi Hosseini: http://mehdihosseini.net/
Erschienen in The Epoch Times Deutschland Nr. 22/09

(Mehde Hosseini)
(Mehde Hosseini)

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