Daniel Hope verzaubert mit seiner Geige: CD „Spheres“

  „Komponisten und Werke aus verschiedenen Jahrhunderten zusammenbringen, die man normalerweise nicht in derselben Galaxie findet“, so umschrieb Daniel Hope das Konzept seines neuen Albums, das jüngst bei der Deutschen …

 

„Komponisten und Werke aus verschiedenen Jahrhunderten zusammenbringen, die man normalerweise nicht in derselben Galaxie findet“, so umschrieb Daniel Hope das Konzept seines neuen Albums, das jüngst bei der Deutschen Grammophon erschienen ist. Der verbindende Gedanke hinter der Musik von „Spheres“ sei die Frage: „Ist da draußen irgendetwas?“
Astronomie fasziniert den britischen Geiger Daniel Hope seit Kindheitstagen und Sternenbeobachtung war neben der Musik seine große Leidenschaft. Da konnte es nicht ausbleiben, dass Hope ein „zeitgemäßes Statement“ zur Sphärenmusik abgeben wollte, jenem seit Urzeiten beschriebenen, selbsterzeugten Klang der Planeten.
Dass „Spheres“ als Konzeptalbum kein Marketing-Gag, sondern eine echte Entdeckungsreise ist, merkt der Hörer spätestens am filigranen Tonfall der CD und ihrer eigenwilligen Zusammenstellung. „Spheres“ vereint musikalische Organismen aus vier Jahrhunderten, ohne nach dem „E“ oder „U“ ihrer Herkunft zu fragen. Und „Spheres“ ist eine jener Sammlungen geworden, die man sehr oft hören kann, ohne dass sie ihren Glanz verliert. Das liegt vor allem an der Qualität der Stücke und ihrer Interpretation, fünf davon sind Weltersteinspielungen, andere speziell neu arrangiert. Sogar Filmmusiken wurden ihrem Entstehungskontext entführt und fanden auf dem Planeten „Kammermusik“ ein neues Zuhause; wegen der Hingabe aller Beteiligten ein künstlerisch glaubwürdiges zumal.
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Zu Hopes superbem Geigenspiel gesellen sich Jacques Ammon am Klavier, das Deutsche Kammerorchester Berlin unter Simon Halsey mit kongenialen und ebenbürtigen Streichersolisten, sogar Mitglieder des Rundfunkchores Berlin. Das Klangspektrum, das Daniel Hope seiner Guaneri entlockt, ist faszinierend: Er haucht, singt, schwelgt, spricht mit den Anderen oder ist einsamer Sucher, täuscht Sordinoklänge an, um im nächsten Moment zu vollem Sound aufzublühen, ist Seele der Handlung ohne je selbstgefälliger Virtuose zu sein.
Die CD „Spheres“ hat eine intelligente Dramaturgie, die von einer Ausnahme abgesehen, nahtlos fließt. Sie beginnt mit Bach-Vorläufer Johann Paul von Westhoff („Imitazione delle campane“, ca.1690) in geheimnisvollem Arpeggio-Geflüster und schließt im Heute mit dem fragenden Monolog einer Geige vor dunkler Orchester-Wolkenwand (Karsten Gundermanns „Faust – Episode 2 – Nachspiel“). Zwischen die vielen kurzen Stücke fügt sich „Fratres“, ein rund zwölfminütiger und atemberaubender Arvo Pärt. Ludovico Enaudis „I giorni“ und „Passaggio“ entpuppen sich als wahre Perlen. Karl Jenkins „Benedictus“ wird zum rührenden Dialog von Geige und Chor, der in großem Pathos gipfelt, das hier jedoch zarter und zerbrechlicher als im Original erklingt. Das dreieinhalbminütige Herzstück „Spheres“ von Gabriel Prokofiev behandelt als atonalste Komposition das Thema der Planetenbewegung als sich mechanisch verschiebende Stimmen, zwischen denen Harmonie und Dissonanz entsteht.
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Alles ist wunderbar stimmig, bis auf ein Kuschelklassik-Ei, das sich Hope laut Booklet mit voller Absicht selbst gelegt hat: Es ist der „Cantique de Jean Racine“ von Gabriel Fauré, den er während seiner Schulzeit öfter gesungen hat und ereilt den Hörer auf Track 4: Nachdem die Gehörgänge gerade mit minimalistischen Achtelbewegungen von Philip Glass massiert wurden und man langsam in die subtile Klangwelt der CD hineingeschwebt ist, wirkt das spätromantische Chorwerk mit seinen Schmelzklängen und weihnachtlichem Charakter süßlich triefend und wie Creme Bruleé auf nüchternen Magen – obwohl es beispielhaft gesungen ist! Zu allem Überfluss schweigt hier die erwartete Solovioline, mit deren ätherischen Flageoletts es danach weitergeht, als wäre nichts gewesen. Der einzige Ausreißer auf der sonst sehr schlüssigen CD „Spheres“.
„Spheres“ dürfte ein Verkaufserfolg werden, weil das Album Heiterkeit ausstrahlt, die sanft vitalisierend wirkt und sich für alle Lebenslagen eignet. Und auch besonders für Menschen, die nachts absichtlich wachbleiben um Sterne zu beobachten oder Musik zu hören.

Info: Daniel Hopes Album „Spheres“ ist bei der Deutschen Grammophon erschienen und seit 15. Februar 2013 überall erhältlich.