Stefan Mickisch mit musikalisch-geistiger Gipfelbesteigung von Richard Strauss „Alpensinfonie“

Im Prinzregententheater München fand am 1. November 2014 ein denkwürdiger Abend mit Stefan Mickisch statt: Richard Strauss – Eine Alpensinfonie. Am 11. Juni 2014 wäre der in München geborene Tondichter …

Im Prinzregententheater München fand am 1. November 2014 ein denkwürdiger Abend mit Stefan Mickisch statt: Richard Strauss – Eine Alpensinfonie.

Am 11. Juni 2014 wäre der in München geborene Tondichter Richard Strauss 150 Jahre alt geworden. Anlass genug, einen der großen deutschen Komponisten des 20. Jahrhunderts in der internationalen Musikwelt gebührend zu würdigen. Der Konzertpianist und leidenschaftliche Vermittler kosmophilosophischer Erkenntnisse, Stefan Mickisch (52 J.), hat in dem wunderschönen Münchner Prinzregentheater (am 21. August 1901 mit der Aufführung von Richard Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ feierlich eröffnet) das Tongemälde „Alpensinfonie“ einzigartig in Wort und Klang präsentiert. Ein Ereignis von außergewöhnlichem Niveau.
„Viele Musikveranstaltungen müssen heute mühsam beworben werden, damit der Kartenverkauf einigermaßen läuft – bei Stefan Mickisch reicht der Name, und mein Haus ist – ohne Werbung – mit 1.100 Plätzen ausverkauft“. (Roland Geyer, Intendant Theater an der Wien)
Die meisten deutschen Feuilletonredaktionen berichten leider nichts über den genialen Künstler aus der bayerischen Oberpfalz, der seit Jahren in der ganzen Welt sein Publikum mit seinem konkurrenzlosen Können fasziniert. Jeder, der etwas von Musik und Philosophie versteht, muss geradezu in Ehrfurcht verstummen vor der Meisterleistung eines Genies im wahrsten Sinne des Wortes. In Stefan Mickisch begegnen wir einem Wissenden, nicht zu verwechseln mit einem wissenschaftlichen Analytiker, dem sehr häufig die Fähigkeit zur erkenntnisnotwendigen Synthese fehlt.
„Kein Werkerklärer kann ihm das Wasser reichen, weder ein toter, noch ein lebendiger!", liest man im Hausmagazin der Wiener Staatsoper.
Mir ist absolut deutlich, dass die deutsche Nation nur durch die Befreiung vom Christentum neue Tatkraft gewinnen kann“. (Richard Strauss, 1911).
Richard Strauss (1864 – 1949) hat diese gewaltige Tondichtung op. 64 in der Zeit von 1899 – 1915 komponiert, zunächst mit dem Titel „Künstlertragödie“, von 1901 – 1913 als „Antichrist – Eine Alpensinfonie“. Uraufführung unter der Leitung des Komponisten am 18. Oktober 1915 in der Dresdner Hofkapelle in Berlin.
In seiner Reflektion über Friedrich Nietzsches (1844 – 1900) Buch „Der Antichrist“ schreibt Strauss:Die drei ideellen Aspekte des Antichrist sind sittliche Reinigung aus eigener Kraft, Befreiung durch die Arbeit, Anbetung der ewigen herrlichen Natur. Nietzsches Polemik gegen die Religion war mir besonders aus dem Herzen gesprochen, es wurde meine seit dem 15. Lebensjahr mir unbewusste Antipathie gegen die Religion, die den Gläubigen von der eigenen Verantwortung für sein Tun und Lassen (durch die Beichte) befreit, bestärkt und begründet.“
In 22 Abschnitten erlebt der Hörer eine Bergbesteigung, die Stefan Mickisch am Flügel spielend erläutert. Im ersten Teil des Abends der atemberaubende musikalisch-philosophische Diskurs: Stefan Mickisch spürt die Parallelen zu vergleichbaren Klangpassagen bei Chopin, Schumann, Beethoven, Liszt, Wagner u.a. auf und entdeckt das Geheimnis großer Kompositionen auf der Ebene einer Transzendenz, die abgekoppelt ist von herkömmlichen Gottesvorstellungen.
Und gerade in der „Alpensinfonie“ bekommt das Wunder der Schöpfung eine ganz besondere Ausdruckskraft. Ohne Pause bewegt sich im zweiten Teil des Abends die gut 50-minütige musikalische Gipfelbesteigung durch Nacht – Sonnenaufgang – Der Anstieg – Eintritt in den Wald – Wanderung neben dem Bache – Am Wasserfall – Erscheinung – Auf blumigen Wiesen – Auf der Alm – Durch Dickicht und Gestrüpp auf Irrwegen – Auf dem Gletscher – Gefahrvolle Augenblicke – Auf dem Gipfel – Vision – Nebel steigen auf – Die Sonne verdüstert sich allmählich – Elegie – Stille vor dem Sturm – Gewitter und Sturm, Abstieg – Sonnenuntergang – Ausklang – Nacht.
Am Anfang und Ende erklingt das Alpenmotiv in b-moll, die bedrohliche Nachtstimmung der Berge. Diese Tonart ordnet Stefan Mickisch dem Sternzeichen des Skorpions zu, Ausdruck der Schöpferkraft. Der Sonnenaufgang strahlt in der Krebs-Tonart A-Dur, der Gralskraft. Majestätische Klangbilder führen den Hörer zum Gipfel, das Glücksgefühl des Menschen in der Natur wird erlebbar.
Richard Strauss schreibt eine Orchesterbesetzung mit mindestens 107 Instrumentalisten vor, optimal sind 129. Stefan Mickisch hat von diesem gewaltigen Opus eine beeindruckende Klavierfassung schöpferisch angefertigt. Hier ist er mit dem Genius Franz Liszt durchaus vergleichbar.
„Die Alpensinfonie auswendig – das macht Dir in der ganzen Welt niemand nach!“, sagt der weltbekannte österreichische Dirigent Gustav Kuhn.
Bereits am 14. Juni 2014 zeigte der TV-Sender 3-SAT die Sendung Richard Strauss – Der verkannte Visionär.
Diese Dokumentation nahm die „Alpensinfonie“ zum Anlass, um ein neues Bild des Komponisten Richard Strauss zu entwerfen. Dazu bringen die Filmautoren Christoph Engel und Dietmar Klumm, die Profibergsteiger und Extremkletterer Thomas und Alexander Huber (alias die „Huberbuam“), den Komponisten Manfred Trojahn, die Sängerin Marlis Petersen und den Pianisten Stefan Mickisch zusammen.
Jeder von ihnen kann aus seiner eigenen Sphäre heraus Fragen beantworten, die Strauss‘ Komposition aufwirft: Was erlebt, was empfindet man tatsächlich bei einer Klettertour im Berg? Was davon ist in der „Alpensinfonie“ in Musik gesetzt, und mit welchen Mitteln? Welchen Einfluss hat Strauss heute noch auf einen Komponisten zeitgenössischer Musik? Oder anders gefragt – war Strauss seinerzeit vielleicht doch viel fortschrittlicher, als vielen das heute bewusst ist?
Im Münchner Prinzregententheater treten ständig die weltbesten Künstler auf. Der 1. November 2014 gehört zu den großen Höhepunkten der letzten Jahre. Veranstalter war der "Richard Wagner Verband München". Der Kosmos von Stefan Mickisch verdient Bewunderung.
Wer noch nie von ihm gehört hat, sei auf seine Webseite verwiesen:
www.mickisch.de

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