Wiedereröffnung der Mailänder Scala

Eines der berühmtesten Opernhäuser der Welt

Mailand – Am 7. Dezember, nach mehr als drei Jahren aufwendiger Restaurierungsarbeiten, unter der Leitung des Tessiner Stararchitekten Mario Botta, feierte Italien ein großes Kulturereignis, die Wiedereröffnung der Mailänder Scala mit der Aufführung von „L’Europa Riconosciuta“ (Die wiederentdeckte Europa) von Antonio Salieri. Die Salieri-Oper über die Entführung und den Kampf um die schöne Prinzessin Europa wurde bisher in Mailand nur ein einziges Mal, am 3. August 1778, zur Erst-Eröffnung des Theaters, aufgeführt. Der Raub der Europa durch den griechischen Gott Zeus und ihr weiteres Schicksal auf Kreta ist Thema der zweiaktigen Oper.

In den Hauptrollen singen die deutsche Sopranistin Diana Damrau und die Italienerin Desirée Rancatore. Regie führt Luca Ronconi. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Riccardo Muti, seit 1986 musikalischer Direktor der Mailänder Scala.
«Gesang und Regie waren fabelhaft, ich habe einen unvergesslichen Abend verbracht», hörte man aus den Reihen des Premieren-Publikums. Zu den prominenten Gästen zählten die Schauspielerin Sophia Loren, der bekannte Modeschöpfer Giorgio Armani und der Spross der italienischen Königsfamilie Savoyen, Emanuele Filiberto, mit seiner Frau Clotilde.
Modernisierung und Renovierung mit viel Liebe zum Detail
Auf der technischen Seite handelt es sich um einen Um- und teilweisen Neubau, durch den sich die Scala jetzt als für höchste Ansprüche geeignet präsentiert. Neben der computer-unterstützten Bühnentechnik gibt es auch angenehme Neuerungen für jeden Zuschauer. Auf einem eigenen LCD-Bildschirm kann man die Untertitel der jeweils gespielten Oper mitlesen; diesen Service gibt es in Deutsch, Französisch, Englisch und natürlich in Italienisch.
Im Zuschauerraum und in den Logen sind verlorengegangene Einzelheiten wiederentdeckt und gerettet oder originalgetreu nachgebildet worden. Unter Teppich und Belägen kam ein venezianisches Mosaik zum Vorschein, in den Logen entdeckte man kunstvoll verbundenen Backstein, und im Bühnenbereich konnten Verzierungen noch aus der Zeit Piermarinis freigelegt werden. Um die Logenwände mit einer Seide zu bespannen, die genauso gewebt ist wie im 18. Jahrhundert, baute ein venezianisches Unternehmen eigens neue Webstühle. Mailands Bürgermeister Gabriele Albertini strahlt: „Das Theater ist jetzt so historisch, wie es vorher noch nie war.“
Mit dieser Aussage werden wohl manche nicht übereinstimmen. Die architektonischen Erneuerungen wie der 38 Meter hohe quadratischen Bühnenturm und der ellipsenförmige Trakt für Künstler-Garderoben und Büros, die sich über dem Dach des neoklassizistischen Gebäudes zeigen, sind keineswegs historisch und sorgen für Meinungsverschiedenheiten bei den Besuchern und den Mailändern.
Noch bis zum 15. Januar 2005 wird in der Mailänder Scala die Oper „L’Europa Riconosciuta“ von Antonio Salieri zu sehen sein. (AFP/EPT)

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