Zauberer Chris Ehrlich von den „Ehrlich Brothers“

  Die „Zauberer“ Chris und Andreas Ehrlich aus Bünde in Westfalen sind die neuen deutschen Magierstars: Derzeit sind die beiden Brüder, (30 und 34 Jahre alt) mit ihrer Show „Magie …

 

Die „Zauberer“ Chris und Andreas Ehrlich aus Bünde in Westfalen sind die neuen deutschen Magierstars: Derzeit sind die beiden Brüder, (30 und 34 Jahre alt) mit ihrer Show „Magie – Träume erleben!“ auf Deutschlandtournee. Bis zum 7.1.2013 läuft dieses aufwendigste Unterfangen, das es in der deutschen Zauberbranche seit 30 Jahren gab.
Epoch Times: Wenn man von Ihrer Show alles Magische subtrahiert, bleibt immer noch fantastisches Familien-Entertainment übrig, von einer Klasse, bei der das deutsche Fernsehen schwer mithalten kann …
Chris Ehrlich: Das freut mich! Wir wollen ja nicht nur tolle Tricks und Illusionen präsentieren, sondern das Ganze auch zu etwas richtig Einzigartigem machen: Durch die Kombination mit unterhaltsamen Geschichten, Lichtdesign und musikalischer Inszenierung. Und durch die Einbeziehung von Zuschauern, was wir sehr lieben. Dieser Stil ist im Laufe der Jahre entstanden.
ET: Wie haben die Ehrlich Brothers angefangen?
Ehrlich: Wir zaubern seit Kindesbeinen. Mein Bruder Andreas begann mit einem Zauberkasten. Da wir nicht durch Künstlereltern vorbelastet waren, war es dementsprechend schwer, uns durchzusetzen und zu beweisen, dass man vom Zaubern leben kann.
Unser Papa war Werkzeugmacher und hatte zu Hause einen kleinen Werkzeugkeller, der rückwirkend betrachtet, eine ganz wichtige Grundlage für unsere Karriere war, weil wir dort schon als Kinder mit Hammer, Bohrer und Säge auf Tuchfühlung gehen konnten.
Wir bauen ja alles selbst. Heute haben wir ein großes Team von Ingenieuren, Schlossern und Metallarbeitern, die mitwirken. Aber die ersten Prototypen bauen meist mein Bruder und ich.
ET: Wie ist das für Sie als Geschwister, einen so engen gemeinsamen Weg zu gehen?
Ehrlich: Das ist ein sehr hohes Gut, über das wir uns sehr bewusst sind. Es ist nicht irgendein Partner, den man sich neu aussuchen kann, falls man sich verkracht – es ist der eigene Bruder. Ein Geschenk. das man annehmen muss und das auch gehegt und gepflegt werden will!
ET: Da sitzen zweitausend Leute in Ihrer Zaubershow und keiner traut sich zuzugeben, dass er an übernatürliche Phänomene glaubt …
Ehrlich: Außer Ihnen!
ET: Außer mir, ja. Wie war das in den anderen Shows?

Ehrlich: So ähnlich. Es gab vereinzelte Zwischenrufe. Aber unsere Show beruht ja nicht auf dem Glauben an das Übernatürliche. Wir möchten eine schöne Zeit mit den Zuschauern verbringen, eine schöne Show für die ganze Familie machen und kleine magische Wunder vollbringen. Es gibt eben nicht nur was zum Staunen, sondern mindestens genauso viel zum Lachen. Es ist uns ganz wichtig, uns nicht als übernatürliche „Mystiker“ zu inszenieren.
ET: Das wirkt auch sehr entspannt. Worin sehen Sie als Zauberer Ihren Auftrag?
Ehrlich: Unser Auftrag ist, Menschen zu unterhalten. Und insbesondere: Erwachsene wirklich wieder zu Kindern werden zu lassen.
Die Emotion des Erstauntseins ist eine unheimlich starke Emotion, die man nur noch sehr selten bekommt, je älter man wird. Kinder sind häufig erstaunt. Dieses Erstauntsein ist etwas unheimlich Tolles. Man betrachtet etwas mit offenem Mund – und staunt. Und bekommt automatisch ein Lächeln im Gesicht. Das ist etwas so grundsätzlich Positives. Diese Emotion gibt es kaum im Alltag. Für uns ist es einfach das Schönste, in viele Kindergesichter zu schauen von Personen, die deutlich über 30, 40, oder 50 Jahre alt sind!
ET: Ihre Show verbreitet definitiv Heiterkeit.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Idee Schienen von ThyssenKrupp zu verbiegen
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Ehrlich: Klar, es gibt Knall- und Pyroeffekte, aber auch den Baum, der zu ganz dezenter Musik wächst und dem wir dann dem Kind schenken. Oder der Schnee, der aus unseren Händen kommt. Der einzige rote Faden in der Show ist eigentlich dieses verträumte erstaunt sein und immer wieder verzaubert werden. Wir spielen mal Rammstein und mal Filmmusik aus „Forrest Gump“. Eine sehr große Bandbreite. Zu uns passt das alles und wir stehen voll dahinter. Wir fühlen uns sehr wohl in unserer Rolle als „umfassende magische Entertainer“. Wir interagieren mit dem Publikum und jeder, den wir auf die Bühne holen, ist anders. Wir binden die Zuschauer nicht auf deren Kosten ein, sondern um sie Teil der Magie werden zu lassen. Und das freut sie sehr. Viele Zauberer-Kollegen haben Schwierigkeiten, Freiwillige zu finden. Bei uns sagt auch mal jemand „Nö“, aber eher selten. Meist gehen dann ein paar andere Hände hoch.
ET: Wir müssen unbedingt über Ihre berühmteste Nummer sprechen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Schienen zu verbiegen?
Ehrlich: Es war auf einer Autofahrt, als wir uns fragten: Wieso gelangte Uri Geller mit dem Verbiegen eines einfachen Löffels zu Weltruhm? Warum nicht mit einer Bahnschiene?
Und dann haben wir uns Bahnschienen vorgenommen. Uri Geller selbst fand das ja auch total cool. Ich weiß nicht, ob Sie das Video gesehen haben …
ET: Natürlich! (http://www.ehrlich-brothers.com/videos)
Ehrlich: Uri Geller ist privat ein sehr sympathischer Typ. Ein unglaublich offener und herzlicher Mensch, so wie man ihn gar nicht kennt. Er war sehr positiv angetan von unserem Bahnschienen-Verbiegen und wollte auch gar nicht wissen, wie´s geht. Er sagte: „Ich weiß zwar nicht, wie ihr das macht, aber ihr macht´s fantastisch.“

ET: Haben Sie eigentlich eine Flatrate beim Wertstoffhof, oder was machen Sie mit dem ganzen Metallschrott?
Ehrlich: Wir beziehen die Schienen von ThyssenKrupp. Gerade habe ich gehört, dass die ein Milliardenminus gemacht haben – also an uns kann das nicht liegen! Wir sind Kleinkunde bei ihnen und beziehen ständig Schienen. Im Lauf der Jahre haben wir schon ein paar hundert Meter verbraucht. Allerdings brauchen wir immer spezielle weiche. War´n Scherz!
ET: Welchen Weg muss man gehen, bis man als Zauberer arbeiten kann?
Ehrlich: Es fängt als Hobby mit einem Zauberkasten an. Mit dem kann man eigentlich schon als Zauberer arbeiten – die Anfängertricks eben. Wenn Sie im Internet „Zauberhändler“ suchen, finden Sie hunderte Einträge. Dann gibt es noch Leute, die professionellere Tricks vertreiben. Aber die richtigen Profi-Tricks muss man selbst bauen oder sich vom großen, bzw. kleinen Weltmarkt organisieren, denn dieser ist sehr überschaubar.
Wir erfinden und bauen unsere meisten Tricks selbst und haben sehr große Freude daran. Es macht einfach sehr stolz, das weltweite Unikat im „Bäume wachsen lassen“ oder „Bahnschienen verbiegen“ zu besitzen …
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ET: Gibt es auch Zauberschulen?
Ehrlich: Es gibt tatsächlich Kurse, an denen man teilnehmen kann und Zauberschulen. Wir haben uns alles selbst beigebracht, haben viel gelesen und waren viel auf Messen. Außerdem gibt es noch Meisterschaften der Magie, wo Workshops gehalten und Wissen transferiert wird. Und das ist teuer. Das Geld von Auftritten im Kindergarten oder Seniorenheim steckt man meist in neue Zaubertricks.
ET: Müssen Zauberer, wie andere Künstler, auch täglich üben?
Ehrlich: Wir verbringen die Zeit damit, neue Illusionen zu erfinden. Eine Illusion braucht drei bis fünf Jahre bis zu Aufführungsreife, ähnlich, wie bei David Copperfield … Früher haben wir das belächelt. Heute wissen wir es besser.
Eine komplexe Inszenierung mit Dramaturgie, Musik und Licht ist nötig, sowie die Tricktechnik selbst. Manchmal gibt es mehrere Techniken für einen Trick, je nachdem wo wir ihn spielen, je nachdem ob man von oben, oder sogar von allen Seiten drauf schauen kann.
Faule Kompromisse bringen da nichts. Es muss transparent sein und das Publikum darf sich nicht ausgeschlossen fühlen. Würde ich den leeren Blumentopf in ein undurchsichtiges Gewächshaus stellen, zumachen und ihn samt Baum wieder herausholen – das wäre eine schlechte Illusion. Bis es perfekt aussieht, liegen Jahre dazwischen und sehr viel Geld.
ET: Gerade haben Sie sich auf der Bühne eine Narbe an der Stirn geholt, bei Ihrer spektakulärsten Nummer legen Sie sich gefesselt unter eine „Monstersäge“ – wie gefährlich lebt ein Zauberer?
Ehrlich: Da ist Aktion auf der Bühne, die Bühnen sind immer anders, kinetische Bauteile verbiegen sich – die Treppe, die Buchstaben, die Säge. Das alles birgt Gefahrenpotential, das wir natürlich zu minimieren versuchen, aber ein Restrisiko bleibt.
Bei unserer Vorpremiere in der Tui-Arena Hannover haben wir 10.000 Zuschauer erwartet, die dann auch kamen. Nur eine Stunde vor Einlass hatte ich mir zwei Rippen gebrochen, genau bei dem Stunt mit der Säge: Mein Fernsehregisseur hatte vorgeschlagen, ich solle auf einer brennenden Kette stehend erscheinen. Leider riss diese und ich stürzte aus zwei Meter Höhe auf den Rücken. Die Show stand ernsthaft auf der Kippe.
ET: Also sind Sie mit zwei gebrochenen Rippen auf die Bühne gegangen?
Ehrlich: Ja. Schließlich wollten wir nicht 10.000 Fans und das Fernsehteam nach Hause schicken. „The Show must go on.“ Es war eine gute Entscheidung.
Das Gespräch führte Rosemarie Frühauf
Die Tour der Ehrlich Brothers „Magie-Träume erleben!“ läuft noch bis zum 7.01.2013.
Tickets erhältlich ab 29,00 EUR unter Tel: 0180 5040300 und an allen bekannten Vorverkaufsstellen
www.ehrlichbrothers.com