Streit und Frust statt Harmonie unterm Weihnachtsbaum

Nach einer Umfrage des Kreditinstituts Creditplus enden die Feiertage für jeden zweiten Deutschen im Streit. Oft sind schlichtweg enttäuschte Erwartungen der Grund für Missstimmungen.

Zu Weihnachten soll möglichst alles perfekt sein – der Gänsebraten, die Geschenke und auch die Familienharmonie. Doch stattdessen kommt es nicht selten zum großen Zank, und die Festtage arten in Stress aus.

Nach einer Umfrage des Kreditinstituts Creditplus enden die Feiertage für jeden zweiten Deutschen im Streit. Oft sind schlichtweg enttäuschte Erwartungen der Grund für Missstimmungen. Einige Tipps zur Vorbeugung:

BRISANTE GEMENGELAGE

Aus den eigenen Erwartungen und denen der anderen entwickelt sich mitunter eine brisante Gemengelage, die sich oft ausgerechnet an den Feiertagen entlädt. Erwartungen und eigene Ansprüche, eine perfekte Rolle zu spielen und allen gerecht zu werden, „sind an Weihnachten bei manchen besonders hoch“, sagt der Psychologe Bernhard Leipold von der Universität der Bundeswehr in München. „Das macht sensibel.“

Wer beispielsweise nur in der Küche rotiert, um ein großartiges Essen zu zaubern, für den bleiben Besinnlichkeit und Zeit für die Familie oft auf der Strecke. Fällt dann die Anspannung nach dem Fest ab, reagiert der Mensch nicht selten mit psychosomatischen Beschwerden.

HOHE ANSPRÜCHE UND BESUCHSSTRESS

In einer aktuellen Umfrage des Kantar-Emnid-Instituts für das Magazin „Chrismon“ nennt fast jeder Dritte (29 Prozent) „zu hohe Erwartungen an die Harmonie“ als Grund für Familienstreit zum Fest. 14 Prozent geben zu viele Besuchsverpflichtungen als Grund an, acht Prozent zu viel Alkohol sowie jeweils drei Prozent Streit über das Fernsehprogramm und enttäuschende Geschenke. Ein Drittel kann sich indes nicht so recht erklären, warum es ausgerechnet an Weihnachten knallt.

EINFACH MAL NEIN SAGEN

Experten raten dazu, „einfach mal Nein zu sagen“ und zu akzeptieren, dass das Weihnachtsfest nicht perfekt sein muss. Auch automatisierte Weihnachtsrituale sind kein Garant für ein gelungenes Fest.

Familienrituale sollten sich stattdessen den tatsächlichen Lebensbedingungen und veränderten Wertevorstellungen sowie dem Alter der Kinder anpassen. Dabei kann durchaus auch mal mit Traditionen gebrochen werden – statt mit der Familie zu feiern, geht es in den Urlaub, oder ein Buffet ersetzt eben das mehrgängige Dinner.

NICHT ZU VIEL KOMMERZ

Auch der Stress mit den Weihnachtsgeschenken passt vielen Menschen nicht. In einer Dekra-Umfrage von 2016 beklagte fast jeder Fünfte zu viel Kommerz. Gleichwohl ergeben sich viele bedingungslos dem Konsumrausch. Wer etwas verschenke, solle nicht in jedem Fall überbordende Dankbarkeit erwarten, rät Leipold. „Die Beschenkten sollten frei darin sein, wie sie auf Geschenke reagieren.“

Entscheidend sei, dass einem die Adressaten wichtig sind und deutlich wird, dass „wir uns Mühe gegeben haben“. Auch sollten Großeltern ihre Geschenkideen für die Enkel am besten rechtzeitig mit den Eltern abzusprechen. Wenn diese nein sagen, sollten Oma und Opa das akzeptieren, sonst ist Ärger vorprogrammiert.

WENIGER IST MEHR

Einschränkungen bei Geschenken, Dekoration und Besuchen, der Verzicht auf aufwändige Menüs, eine Aufgabenverteilung und die Planung von Kirchgang und Spielen für die Kinder schaffen mehr Zeit für Entspannung. Auch sollte das totale Familienzusammensein in der Weihnachtszeit keinesfalls erzwungen und Einzelnen Freiraum zugestanden werden.

Das gilt besonders für Jugendliche. Am besten sollten alle Familienmitglieder schon im Vorfeld ihre Wünsche äußern und klären, wer die Weihnachtsdekoration und den Tannenbaum besorgt, wer backt und welche Geschenke ausgetauscht werden.

Die Psychologin Sabine Gregersen von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtpflege rät: „Je klarer und je eindeutiger die Absprachen sind, desto friedlicher kann gefeiert werden.“ Manchmal lasse sich die Last auf mehr Schultern verteilen – oder vielleicht das eine oder andere ins neue Jahr verschieben. (afp)