Drei Worte nenn‘ ich euch, inhaltsschwer – von Friedrich Schiller

Aus der Reihe Epoch Times Poesie - Gedichte und Poesie für Liebhaber
Titelbild
Vor dem freien Menschen erzittert nicht. (Schiller)Foto: iStock

Die Worte des Glaubens

Drei Worte nenn‘ ich euch, inhaltsschwer,

Sie gehen von Munde zu Munde,

Doch stammen sie nicht von außen her,

Das Herz nur giebt davon Kunde,

Dem Menschen ist aller Werth geraubt,

Wenn er nicht an die drei Worte glaubt.

Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei,

Und würd‘ er in Ketten geboren;

Laßt euch nicht irren des Pöbels Geschrei,

Nicht den Missbrauch rasender Thoren.

Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht,

Vor dem freien Menschen erzittert nicht.

Und die Tugend, sie ist kein leerer Schall,

Der Mensch kann sie üben im Leben;

Und sollt‘ er auch straucheln überall,

Er kann nach der göttlichen streben,

Und was kein Verstand der Beständigen sieht,

Das übet in Einfalt ein kindlich Gemüth.

Und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt,

Wie auch der menschliche wanke;

Hoch über der Zeit und dem Raume webt

Lebendig der höchste Gedanke;

Und ob Alles im ewigen Wechsel kreist,

Es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist.

Die drei Worte behaltet euch, inhaltsschwer,

Sie pflanzet von Munde zu Munde;

Und stammen sie gleich nicht von außen her,

Euer Inneres giebt davon Kunde.

Dem Menschen ist nimmer sein Werth geraubt,

So lang‘ er noch an die drei Worte glaubt.

Friedrich  Schiller  (1759 – 1805)



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