Aktuelle Nachrichten – Panorama
05.06.2011
Foto: Peter von Bechen/Pixelio
Berlin – Dialoge wie aus dem Leben gegriffen, treffsichere Pointen, ein bisschen Melancholie, dazu sehr viel Humor und Spielfreude: All das kennzeichnet die Stücke des Filmautors und Liedtexters Curth Flatow. Seine Karriere startete er Anfang der 1950er Jahre mit dem Kabarettprogramm "Das muss man gelesen haben". Viele Auftritte folgten dieser Empfehlung – und viele Bücher, die man gelesen haben sollte. Am Samstag starb Flatow in seiner Geburtsstadt Berlin im Alter von 91 Jahren.
Flatow wurde 1920 als Sohn einer christlichen Mutter und eines jüdischen Vaters in Berlin geboren. Die Erlebnisse aus seiner Lehrzeit zum Konfektionskaufmann und Modezeichner verarbeitete er später unter anderem in der Fernsehserie "Durchreise". Seine Fernsehserie "Ich heirate eine Familie" erwies sich 1983 als Straßenfeger.
Seine künstlerische Begabung entdeckte Flatow 1945 nach einem erfolgreichen Auftritt bei einer Nachwuchsmatinee. Im gleichen Jahr gründete er die Kabarettgruppe "Die Außenseiter", mit der er "durch ganz Berlin tingelte", wie er selbst sagte. In den folgenden Jahren arbeitete er als Conferencier und Revueautor für verschiedene Kabaretts, und seine lange, erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Radiosender Rias Berlin begann.
Doch einem breiten Publikum bekannt wurde der fleißige Autor als Drehbuchschreiber und Liedertexter. Der Humorist brachte es auf mehr als 20 Schwänke und Lustspiele, mehr als 400 Lieder und Chansons, rund 50 Rundfunksendungen sowie mehr als 30 Film- und Fernsehdrehbücher.
Curth Flatow gilt vielen als "Heile Welt"- und "Gute Laune"-Autor. Auch er selbst hat aus seinem künstlerischen Credo nie ein Hehl gemacht. "Ich wollte die Gesellschaft nie verändern, sondern nur unterhalten", schrieb er in seiner vor elf Jahren erschienenen Biografie "Am Kürfürstendamm fing's an". Auf in- und ausländischen Bühnen tat er dies mit Komödien wie "Das Fenster zum Flur", "Vater einer Tochter", "Der Mann, der sich nicht traut", "Romeo mit grauen Schläfen", "Faust ohne Gretchen" oder "Das glückliche Paar".
Und auf dem Fernsehschirm unterhielt er die Zuschauer als Autor von Produktionen wie "Ein Mann für alle Fälle", "Musik ist Trumpf" oder "Das Traumschiff" und hatte dabei ein Millionenpublikum auf seiner Seite. So stiegen die Einschaltquoten auf bis zu 46 Prozent, als in den 80er Jahren die vierzehnteilige Fernsehserie "Ich heirate eine Familie" mit Thekla Carola Wied und Peter Weck in den Hauptrollen lief.
Flatow gilt auch als "Entdecker" späterer Bühnen- und Fernsehstars. "Das Fenster zum Flur" brachte 1959 den große Bühnen- und Fernseherfolg für Inge Meysel. Auch dem Berliner Bühnenstar Edith Hanke schrieb Flatow Rollen auf den Leib.
Neben vielen Auszeichnungen wie dem Bundesverdienstkreuz und der Goldenen Kamera wurde ihm vom Berliner Senat 1992 auch der Titel Professor ehrenhalber verliehen. Sein Kommentar dazu: "Die einzige Voraussetzung, die ich für den Professor mitbringe, ist die, dass ich zerstreut bin."
(dapd)
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