Kultur – Filmfestival von Cannes schließt Lars von Trier wegen Hitler-Äußerungen aus – David Germain
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"Melancholie" noch im Wettbewerb Filmfestival von Cannes schließt Lars von Trier wegen Hitler-Äußerungen aus

David Germain

19.05.2011

Foto: AP Photo/Lionel Cironneau

Foto: AP Photo/Lionel Cironneau

Cannes – Die umstrittenen Hitler-Äußerungen des dänischen Regisseurs Lars von Trier haben die Leitung der Filmfestspiele von Cannes zu einer beispiellosen Maßnahme veranlasst: sie erklärten den Gewinner der "Goldenen Palme" zur "persona non grata".

Christine Aime, die Pressechefin des Filmfests, teilte mit, dass von Triers diesjähriger Festivalbeitrag "Melancholia" nicht ausgeschlossen werde. Doch sollte der Film am Sonntag einen Preis gewinnen, werde von Trier nicht anwesend sein, um ihn entgegen zu nehmen, sagte sie am Donnerstag. Für den Film "Dancer in the Dark" hatte von Trier im Jahr 2000 die höchste Auszeichnung des Festivals gewonnen.

Der dänische Regisseur hatte am Mittwoch in Cannes für Entsetzen gesorgt, als er sagte, dass er Adolf Hitler verstehen könne und mit diesem sympathisiere. Auch halte er Israel für eine Plage und plane einen Pornofilm mit Kirsten Dunst, sagte er nach der Premiere seines Films "Melancholia".

Bei einer Pressekonferenz befragt zu seinen deutschen Wurzeln setzte der Filmemacher zu einem bizarren Monolog an, der in dem Satz gipfelte: "Okay, ich bin ein Nazi."

Der Regisseur veröffentlichte später eine Entschuldigung, in der er mitteilte, er habe nur Spaß gemacht. "Ich habe nicht so viel zu sagen, deshalb muss ich etwas improvisieren und die Gefühle die ich habe irgendwie in Worte fassen", sagte von Trier der Nachrichtenagentur AP in einem späteren Interview. "Das ganze Nazi-Ding. Ich weiß nicht, wo das herkam. Aber wenn man viel Zeit in Deutschland verbringt, dann möchte man sich manchmal etwas frei fühlen und über das ganze (...) sprechen."

Die Festivalleitung verurteilte in seiner Stellungnahme von Triers Äußerungen. Das Filmfest biete Künstlern aus aller Welt ein außergewöhnliches Forum, um ihre Arbeiten zu präsentieren und die Rede- und Kunstfreiheit zu verteidigen, hieß es darin. Die Direktoren bedauerten zutiefst, dass dieses Forum von Lars von Trier dazu genutzt worden sei, Äußerungen zu tätigen, die inakzeptabel und nicht tolerierbar seien und im Gegensatz zu den Idealen von Humanität und Edelmut stünden, die über dem gesamten Festival stünden, hieß es weiter.

(David Germain ist AP-Korrespondent)

(dapd)

 

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