Panorama - Aktuelle Nachrichten – Finale Furioso – Uwe Käding
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Aktuelle Nachrichten – Panorama

Finale Furioso

Uwe Käding

16.07.2006

Ian Gillan, links, und Steve Morse, rechts, von der britischen Hard Rock Gruppe "Deep Purple" beim 40. Montreux Jazz Festival in Montreux, Schweiz, am Samstag, 15. Juli 2006. (AP Photo/Keystone, Sandro Campardo)
Ian Gillan, links, und Steve Morse, rechts, von der britischen Hard Rock Gruppe "Deep Purple" beim 40. Montreux Jazz Festival in Montreux, Schweiz, am Samstag, 15. Juli 2006. (AP Photo/Keystone, Sandro Campardo)

Montreux - Mit einer großen musikalischen Vielfalt hat das Montreux-Jazz-Festival sein 40. Jubiläum gefeiert. Von Jazz-Chanteuse Diana Krall bis zu den Hard-Rockern von Deep Purple reichte die Bandbreite, es gab Neuentdeckungen wie Gnarls Barkley und neben Künstlern, die bereits in den 50er Jahren erfolgreich waren, Musiker der zweiten Rock-Generation wie die Strokes. Carlos Santana zelebrierte an drei Abenden des 15-tägigen Festivals Afrika, den Blues und den Funk. Nach Angaben der Veranstalter besuchten 230.000 Menschen das Festival am Genfer See.

«We all came down to Montreux» - die Zeile aus dem Deep-Purple-Klassiker «Smoke On the Water» entstand nach dem schwersten Zwischenfall in der Festival-Geschichte 1971. Bei einem Konzert von «Frank Zappa and the Mothers» zündete ein Besucher eine Rakete: «Some stupid with a flare gun/ burned the place to the ground». Ian Gillan & Co machten in dem Song Festival-Gründer Claude Nobs dem welweiten Rock-Publikum bekannt: «Funky Claude» rannte mehrmals in das brennende Casino, um jugendliche Fans herauszuholen. Der Legende nach verließ Zappa als letzter das brennende Gebäude: Mit umgehängter Gitarre, in der einen Hand eine Teekanne, in der anderen eine Tasse.

Nur logisch, dass Deep Purple das 40. Festival beendeten und wieder einmal für «Smoke On The Water» den größten Applaus einheimsten. Zugleich steht die Band symptomatisch für die Probleme, die das Jazz-Festival heute hat. Sie hat ihren Zenit eigentlich überschritten und passt sich mit ihrer Zugkraft allmählich der Größe des Stravinski-Auditoriums allmählich an: 4.500. Dennoch spielte die Band ihr bestes Konzert seit Jahren in dem ausverkauften Auditorium, in dem sich alle Altersgruppen von 16 bis 70 tummelten. Dennoch: Im modernen Rock- und Pop-Zirkus können Top-Acts vor einem vielfach größeren Publikum spielen und entsprechende Gagen verlangen. Die Konkurrenz von anderen Festivals allein in der Schweiz wird immer größer, Montreux wird da nicht mehr nur von seinem magischen Namen leben können.

Dennoch brachte die 40. Ausgabe wieder eine finanziell ausgeglichene Bilanz, wie die Veranstalter auf der Abschluss-Pressekonferenz am Freitagabend mitteilten. Die eintrittspflichtigen Konzerte im Stravinski-Auditorium, der Miles Davis Hall und dem Casino Barriére zogen 100.000 Besucher an - 12.000 mehr als im Vorjahr. 25 der 47 Konzerte waren ausverkauft. Zur Überraschung der Veranstalter kamen fast die Hälfte der zahlenden Besucher aus der Deutsch-Schweiz: 48 Prozent. Ein Viertel kamen aus dem Ausland - darunter laut Nobs vier Black-Eyed-Peas-Fans aus Singapur - und 27 Prozent aus der französischen Schweiz. Zum kostenlosen Festival-Teil «Under the Sky» kamen 130.000 weitere Besucher. Ihnen wurde auf zwei Bühnen 400 Stunden Musik von Bands aus aller Welt geboten.

Nobs kündigte Änderungen für das nächste Festival an, ging aber nicht in Details. Er selbst mache auch nach seinem 70. Geburtstag weiter, werde aber wie in den Vorjahren schon Verantwortung für bestimmte Programmteile in seinem Team delegieren. «Am Anfang habe ich alles gemacht: Ich war der Koch, Fahrer, Organisator. Heute habe ich ein Team von zehn Leuten das ganze Jahr über und 1.200 Mitaarbeiter während des Festivals selbst. Die Frage, ob ich aufhöre, hat man mir schon zum 10., 20. 30. und jetzt auch wieder zum 40. Jubiläum gestellt.» Die Antwort nach diesem: «Die Show geht weiter.»

Am Freitag hatten Iggy Pop & The Stooges und die Strokes gezeigt, was den besonderen Reiz von Montreux ausmacht: Die Punkrock-Veteranen und ihre Erben spielten unter einem Dach, wenn auch nicht auf derselben Bühne. Der 59-jährige Iggy Pop machte unübersehbar und unüberhörbar klar, dass er und seine Stooges noch immer die enthemmtesten und wildesten auf der Bühne sind. Die Strokes, die auf ihrem jüngsten Album hinn und wieder ein wenig nach Iggy Pop klingen, können und wollen vielleicht auch gar nicht da mithalten. Und am Donnerstag hatte Solomon Burke im Casino in einer ganz anderen Musikrichtung gezeigt, das Alter kein Hinderungsgrund für eine Super-Show ist. Und dennoch: Auch eine Spur von Wehmut ist in Montreux zu spüren gewesen, dass doch immer mehr Musiker aus der goldenen Generation nicht mehr so auftreten können, wie sie wollen oder es einmal konnten.

Mit Deep Purple, Iggy & The Stooges, den Strokes und den Schweizer Hardrockern Gotthard erlebte das 40. Jazz-Festival in Montreux ein Finale Furioso. Etwas entspannter ging es im Casini mit dem spanischen Gitarristen Paco De Lucia zu und in der Miles Davis Hall gab es ein Alternativprogramm mit Border Community VS Wagon Repair, DJ James Holden, und Lazy Fat People.

http://www.mjf-ch

(AP)

 

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