Aktuelle Nachrichten – Wirtschaft
13.06.2012
Foto: Greorio Borgia/AP Photo
Mailand – Italien hat die Sorge vor den Auswirkungen der spanischen Finanzkrise am Mittwoch deutlich zu spüren bekommen. Die Zinsen für zwölfmonatige italienische Geldmarktpapiere kletterten bei einer Auktion fast wieder auf den Stand von Dezember, als der italienische Ministerpräsident Mario Monti einen Sparhaushalt verabschieden ließ. Monti hatte vor der Anleihenauktion am Mittwoch die italienischen Abgeordneten noch aufgefordert, Reformen schneller umzusetzen, um skeptische Investoren von der Bereitschaft des Landes zu überzeugen, im Kampf gegen die Schuldenkrise die nötigen Opfer zu bringen.
Bei der Auktion konnte sich die Regierung in Rom zwar erfolgreich frisches Geld vom Geldmarkt besorgen. Insgesamt sammelte sie 6,5 Milliarden Euro ein, die Nachfrage war hoch. Allerdings musste sie den Anlegern Zinsen von 3,972 Prozent für die einjährigen Papiere zahlen, nach 2,34 Prozent im Mai.
Am (morgigen) Donnerstag sollen Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten verkauft werden. Die Auktion am Mittwoch galt daher als richtungsweisend. Sie verdeutlichte, wie schnell sich die Nervosität auf den Märkten verbreitet hat, seit Spanien am Wochenende einräumte, Finanzhilfen für seine Banken zu benötigen. Die hohen Zinsen deuten auf die Sorge von Investoren hin, Italien könnte auch ein Rettungspaket benötigen.
Die Märkte würden nicht mehr länger zwischen Spanien und Italien differenzieren, dem es finanziell gesehen noch besser gehe, sagte Nicholas Spiro, ein Experte für Staatsschulden. Dies sei "ein Anzeichen dafür, dass die Panik begonnen hat".
Italien hat im Vergleich zu Spanien ein relativ niedriges Staatsdefizit von 3,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das spanische Defizit beläuft sich auf 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die italienische Wirtschaft verzeichnet jedoch kein Wachstum und die Staatsverschuldung beläuft sich auf 1,9 Billionen Euro.
Monti hat Befürchtungen bislang vehement zurückgewiesen, sein Land könnte ein Rettungspaket benötigen. Gegenüber Abgeordneten sagte er am Mittwoch, die italienischen Staatsfinanzen befänden sich derzeit in deutlich besserem Zustand als noch vor ein paar Monaten. Gleichzeitig verlieh Monti seiner Forderung nach zügigeren Reformen für Italien mit der Warnung Nachdruck, Investoren seien "Beobachter, die keine angeborene Sympathie für unser Land hegen".
(dapd)
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