Foto: © 2012 AP. Photographer: J. Scott Applewhite/AP/dapd
Charlotte – Michelle Obama nimmt den Namen von Mitt Romney nur selten in den Mund. Aber auf gepfefferte Einwürfe im erbitterten US-Wahlkampf mag die resolute Frau an der Seite von Präsident Barack Obama aber natürlich nicht verzichten. Vielmehr rührt sie die Werbetrommel für ihren Ehemann, indem sie lieber die Gegensätze zwischen ihm und seinem republikanischen Kontrahenten herauszumeißeln versucht. Vor Wählern aus der Mittelschicht erzählt die First Lady dann etwa, dass der Präsident deren hartes Los verstehen könne, weil auch er es im Leben nicht immer einfach hatte. Da schwingt auch immer eine Breitseite gegen Romney mit, der in privilegierten Verhältnissen aufwuchs und sich daher mit den einfachen Leuten nicht unbedingt identifizieren könne.
Am (heutigen) Dienstag bekommt Michelle Obama Gelegenheit, Millionen von Amerikanern ihre Sicht der Dinge nahezulegen: Sie wird auf dem Eröffnungsabend des Parteitags der Demokraten in Charlotte im US-Staat North Carolina reden, wo sich ihr Ehemann zwei Tage später offiziell als Anwärter für eine zweite Amtszeit bestätigen lassen wird. In ihrer mit Spannung erwarteten Auftritt dürfte die First Lady ihre Schlüsselrolle im Wiederwahlkampf weiter untermauern.
Dabei hat sie die Rolle als politisch aktive Präsidentengattin erst nur zögerlich angenommen. Nach ihrem Einzug ins Weiße Haus sagte Michelle Obama erst einmal der Fettleibigkeit unter Kindern den Kampf an und unterstützte Familien von Militärangehörigen. Von den politischen Grabenkämpfen ihres Mannes hielt sich zumindest öffentlich weitgehend fern, warb jedoch hinter den Kulissen kräftig für wichtige politische Anliegen wie dessen groß angelegte Gesundheitsreform.
Inzwischen scheint Michelle Obama in der Rolle als Wahlkämpferin angekommen zu sein. Unermüdlich sammelte sie im Sommer Spendengelder ein oder sprach auf Kundgebungen in den heiß umkämpften Staaten.
Auch in ihrer Rede in Charlotte dürfte sie nach Angaben ihrer Mitarbeiter vor allem als Anwältin der Politik Obamas auftreten. Allerdings wird Michelle Obama es ungleich schwerer haben als beim letzten Parteitag der Demokraten im Jahr 2008. Damals hatte es offenbar noch ausgereicht, die persönlichen Qualitäten ihres Mannes herauszukehren und Anekdoten aus ihrem Eheleben zum Besten zu geben. Am Dienstagabend gilt es nun aber, die Wähler davon zu überzeugen, es trotz hoher Arbeitslosigkeit und Konjunkturflaute ein zweites Mal mit ihrem Gatten zu versuchen.
Vielleicht setzte die First Lady zuletzt deshalb vor allem auf den Sympathiefaktor. Immer wieder brachte Michelle Obama etwa die Kindheit ihres Mannes in Hawaii zur Sprache, wo er von seiner Mutter und seinen Großeltern aufgezogen wurde. Und sie erwähnte die Kredite, die der junge Barack einst für sein Studium aufnehmen musste, und wie lange deren Rückzahlung gedauert habe. Obamas Einfühlungsvermögen werde in einer zweiten Amtszeit münden, die den Fokus auf die wirtschaftliche Sicherheit des Mittelstands legen werde, verkündete Michelle. Im Umkehrschluss könnte das wohl nur heißen, dass ein Präsident namens Romney wohl ganz andere Prioritäten setzen würde.
Aus Sicht von Anita McBride, Stabschefin der ehemaligen First Lady Laura Bush, basiert die Strategie von Michelle Obama darauf, ihre persönliche Anziehungskraft zu wahren. Und das bedeute, sich nicht auf die boshafte Schärfe einzulassen, die in die Schlacht ums Weiße Haus Einzug gehalten hat. "Es gibt viele Kampfhunde in dieser Kampagne", sagte McBride. "Da muss sie nicht dazu gehören."
dapd
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