München - Der frühere Außenminister Joschka Fischer hat den Krieg im Nahen Osten als Stellvertreterkrieg der Hamas und der Hisbollah im Auftrag Syriens und Irans bezeichnet. Die beiden Organisationen dienten dem Hegemonialanspruch dieser beiden Staaten, schrieb der ehemalige Grünen-Politiker in einem Beitrag für die «Süddeutsche Zeitung» (Mittwochausgabe). Das Ganze sei ein «Krieg gegen die Existenz Israels». Mit dem Raketenbeschuss von Haifa habe die Hisbollah eine Grenze überschritten, «die weit reichende Konsequenzen haben wird».
Es gehe «ab sofort nicht mehr überwiegend um Territorium, um Rückgabe oder Besetzung, um ein oder zwei Staaten im Nahostkonflikt, sondern nun wird die strategische Bedrohung Israels (und das heißt: seine Existenz als solche) im Vordergrund stehen», schrieb Fischer.
Die «moderaten arabischen Regierungen» hätten von Anfang an durchschaut, dass es um die Hegemonialansprüche Irans und Syriens gehe. Dennoch eröffnet der Krieg nach Ansicht Fischers die Möglichkeit, am Ende zu einem umfassenden Frieden zu kommen. Dazu müsse Israel «aus einer Position der Stärke heraus» die Initiative ergreifen und ein «umfassendes Friedensangebot» an all diejenigen machen, die zur Anerkennung des jüdischen Staates und dauerhaftem Gewaltverzicht bereit seien. Bisherige Kontroversen um Gebiete und Siedlungen würden nach diesem Krieg ohnehin als überholt erachtet.
Das so genannte Nahost-Quartett, zu dem sich die USA, Russland, die Vereinten Nationen und die EU zusammengeschlossen haben, müsse sich endlich dauerhaft und entschlossen für eine Friedenslösung engagieren und dafür «die politischen, ökonomischen und militärischen Garantien liefern», schrieb Fischer.
(AP)