Städtereisen - Kulturreisen - Kurztripps – Fluchtpunkt „Ohlsdorfer Parkfriedhof“: Städtische Idylle mit Jenseitsperspektive – Bernd Kregel / Gastautor
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Lieblingsplätze Fluchtpunkt „Ohlsdorfer Parkfriedhof“: Städtische Idylle mit Jenseitsperspektive

Bernd Kregel / Gastautor

05.07.2009

(Bernd Kregel)
(Bernd Kregel)

Nirgendwo anders sind die Übergänge von Zeit und Ewigkeit fließender als auf Friedhöfen. Denn vor den langen Fluchten glatt polierter Grabsteine schleicht sich der Gedanke an die eigene Endlichkeit unaufgefordert ins Bewusstsein, ein zumeist unerwünschtes „Memento mori", das wir gern verdrängen. Nicht so auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg, dem größten Parkfriedhof der Welt, der wie kaum ein anderer dabei hilft, Frieden zu schließen mit der eigenen Vergänglichkeit.

Als Friedhof der Superlative wurde er bereits vor einhundertdreißig Jahren angelegt und dient seither als letzte Ruhestätte für Familien in Generationenfolge, für Kriegsopfer und Seeleute, für Adel und Bürgertum. Doch stehen bei der riesigen Anlage, deren Besichtigung zwei bis drei Tage erfordert, nicht die klassischen Grabstellen im Vordergrund. Vielmehr dominiert der mit Liebe und Phantasie angelegte Park, dessen stilvollem Erscheinungsbild sich die Einzelgräber unterordnen.

Allein der alte Baumbestand zieht Menschen aus nah und fern hinein in das großflächige Areal, das im Frühjahr zusätzlich geschmückt ist mit unzähligen bis zu fünf Meter hoch aufragenden Rhododendron-Wänden, deren leuchtendes Violett in geradezu überirdischer Pracht einen Vorgeschmack geben mag auf die zu erwartende strahlende Schönheit in einer anderen Welt. Im Sommer sind es dann die weitläufigen Rosengärten, aus deren weißroten Büschen die „Königin der Blumen" auf vielfältige Weise zu den Menschen spricht.

Am persönlichsten gehalten jedoch sind Bereiche wie der „Garten der Frauen", auf denen erst in späterer Zeit die Gebeine Verstorbener unter einem einheitlichen Gesichtspunkt zusammengetragen wurden. Lebensbücher aus Metallplatten stehen hier bereit, auch Abbildungen und Symbole, um der voran Gegangenen noch im Heute zu gedenken und auf ihr Schicksal oder ihre Lebensleistung zu verweisen. In Ohlsdorf - und das macht für mich einen wesentlichen Teil der Anziehungskraft aus - hat der Tod für die Lebenden viel von seinem Schrecken verloren.

 

Nicht alle touristischen Ziele sind in der Erinnerung gleichrangig. Besonders bleiben die Orte in der Erinnerung haften, die auf irgendeine Weise auch die Seele des Reisenden erreicht haben - Orte des Wohlfühlens und des persönlichen Erlebens.

In der Reihe Lieblingsplätze - Orte, an denen die Seele baumelt - stellt unser Autor Bernd Kregel in lockerer Folge solche Orte des positiven Erinnerns vor.

01.   Piazza San Marco, Venedig / Italien

02.   Kathedralenplatz, Santiago de Compostela / Spanien

03.   Montmartre, Paris / Frankreich

04.   Münsterkreuzgang, Bonn / Nordrhein-Westfalen

05.   Ohlsdorfer Parkfriedhof, Hamburg

06.   Suomenlinna, Helsinki / Finnland

07.   Askona, Lago Maggiore / Italien

08.   Oriental, Bangkok / Thailand

09.   Santorin, Ägäis / Griechenland

10.   Piazza Navona, Rom / Italien 11.   Four Seasons Hotel, Amman /Jordanien 12.   Puente la Reina, Navarra / Spanien 13.   Dubrovnik, Adria / Kroatien 14.   Aleppo / Syrien

 

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