Aktuelle Nachrichten – Innovation
04.07.2011
Foto: stk-design/Pixelio
Der Startschuss zur zweiten Runde des „Bürgerdialogs zur Nachhaltigkeit“ ist gefallen. Auf dialog-nachhaltigkeit.de wirbt die Bundeskanzlerin Angela Merkel für rege Beteiligung bei der Diskussion über den Fortschrittsbericht zur Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung.
„Wir werden dem Gebot der Nachhaltigkeit weltweit, aber auch bei uns zu Hause, längst nicht an allen Orten und zu allen Zeiten gerecht. Wir müssen in Deutschland immer wieder Motor sein und scheinbar unüberwindbare Hindernisse überwinden“, so Merkel bei der Jahrestagung des Rats für nachhaltige Entwicklung.
Exklusive Ergebnisse einer Verbraucherbefragung zum Thema Nachhaltigkeit im Handel erlaubten den Teilnehmern des Kongresses „Werttreiber Nachhaltigkeit“, der im Juni in Frankfurt stattfand, Einblicke in die Sichtweise der Verbraucher. „53 Prozent aller Befragten kennen den Begriff und können auch viel damit anfangen und 51 Prozent haben schon einmal eine Firma boykottiert, die sich umweltschädigend oder sozial ungerecht verhalten hat“, berichtete Bettina Willmann (Institut für Handelsforschung). „Auf die Frage: ‚Wer wurde bzw. wird boykottiert?‘, nannten die Befragten auf den ersten drei Plätzen: KiK (27 Prozent), Schlecker (24 Prozent) und Lidl (12 Prozent); und auf den Folgepositionen: BP (11 Prozent), Shell (10 Prozent ), Müllermilch (9 Prozent ), Nokia (9 Prozent), H&M (3 Prozent), IKEA (2 Prozent), Takko (1 Prozent) und NKD (1 Prozent).“ „Die Verbraucher fordern die Einhaltung eines Mindeststandards an Nachhaltigkeit, andernfalls führen Boykotte zu spürbaren Kundenverlusten“, so Frau Willmann weiter. „Immerhin sind 74 Prozent der befragten Verbraucher bereit, für nachhaltige Angebote mehr zu bezahlen und sieben Prozent wären sogar mit einer Preissteigerung von über zehn Prozent einverstanden.“
Rechnet sich Nachhaltigkeit?
„Wer solche Veränderungen ignoriert, muss mit Marktanteilsverlusten rechnen. Wer sie hingegen – richtig und rechtzeitig – antizipiert, kann erhebliche Wachstumschancen erschließen.“ So heißt es in einer CSR-Studie der Unternehmensberatung McKinsey.
Zum Kongress hatte das „managementforum“ (Verlagsgruppe Handelsblatt) geladen. Das Angebot an hochkarätigen Referenten aus Industrie, Handel und Forschung lockte viele Interessierte in die Finanzmetropole Frankfurt. Moderator Thorsten Garler („absatzwirtschaft“) stellte nach der Begrüßung gleich die Gretchenfrage: „Rechnet sich Nachhaltigkeit?“
Flusenfreie Energieeffizienz
Ausgerechnet am Beispiel eines Wäschetrockners zeigt Jürgen Griebsch (BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH), wie Nachhaltigkeit zum Innovationstreiber wurde – technische Innovationen führten hier zu einem nachhaltigen Produkt und zur Marktführerschaft. „Der Wärmepumpentrockner ‚blueTherm‘ liegt nicht nur 50 Prozent unter den für die Energieeffizienzklasse A geforderten Verbrauchswerten, sondern sticht auch durch kluge technische Lösungen heraus. Als einziger Kondensationstrockner der Welt reinigt er seinen Kondensator mehrmals während des Trockenvorgangs selbst“, erklärt Griebsch nicht ohne Stolz. „Das ist nicht nur komfortabel, sondern garantiert vor allem stabil niedrige Verbrauchswerte. Jeder Kondensationstrockner hat einen Kondensator, der – um die Energieeffizienz des Geräts konstant niedrig zu halten – möglichst flusenfrei bleiben muss.
Während der Wettbewerb für diese Energieeffizienz auf ein Zusammenspiel aus mehreren Filtern setzt, die regelmäßig von Hand gereinigt werden müssen, beschreitet Siemens hier neue Wege. Die Innovation: ein selbstreinigender Kondensator. Im Laufe jedes Trockenvorgangs spült sich dieser selbst mit dem aus der Wäsche frei werdenden Wasser durch – und das gleich mehrfach und intensiv. Der Effekt: deutlich weniger Wartungsaufwand für den Betreiber und dennoch ein flusenfreier Kondensator mit dauerhaft bester Effizienz. In der Begründung der Jury des deutschen Nachhaltigkeitspreises heißt es: „Aufgrund der vorbildhaften Nachhaltigkeitsleistungen in allen Wertschöpfungsstufen sowie Unternehmensfunktionen hat die Jury entschieden, die BSH Bosch Siemens und Haushaltsgeräte GmbH zu ‚Deutschlands nachhaltigstem Unternehmen‘ zu wählen. Durch Prämierung der Besten wollen wir zeigen, dass verantwortliches Handeln nicht nur hilft, soziale und ökologische Probleme im globalen oder lokalen Maßstab zu lösen, sondern auch Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit erhöhen kann.“
Und noch ein Label …
Mit „Deutschlands recyclingpapierfreundlichstes Unternehmen 2010“ und „Deutschlands nachhaltigste Initiative 2010“ hat die REWE Group den deutschen Nachhaltigkeitspreis gleich in zwei Kategorien erhalten. In der Begründung der Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises liest man unter anderem: „Ziel ist es, nachhaltigen Konsum zu fördern und entsprechende Produkte zu attraktiven Preisen anzubieten. REWE bietet mit dem Label eine verlässliche Orientierungshilfe für jene Verbraucher, die mit ihrem Einkauf auch etwas für die Umwelt und die Sozialverträglichkeit von Produkten tun wollen.“
Irreführung statt Verlässlichkeit?
Die Verbraucherkommission Baden-Württemberg bemerkte zu diesem Thema Folgendes: „Eine Analyse der mehr als 400 aktuell auf dem Markt befindlichen Label zeigt, dass viele Label derzeit den Verbraucherinnen und Verbrauchern keine zuverlässige Orientierung bieten, sondern sie gezielt in die Irre führen. Die meisten Label dienen nicht der Information der Verbraucher. Viele sind hauptsächlich Marketinginstrumente der Anbieter und der Versuch, den Labelnutzern – ungerechtfertigte – Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.“
Beim Kongress „Werttreiber Nachhaltigkeit“ erfuhren die Teilnehmer am Beispiel von Metro von Dr. Michael J. Inacker, wie Nachhaltigkeit im Unternehmen verankert wird und ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit verbunden werden. Die interessierten Zuhörer erfuhren vom Beitritt der METRO Group zum von den Vereinten Nationen getragenen UN Global Compact, dem weltweit größten Netzwerk für unternehmerische Verantwortung. Mit dem Beitritt verpflichtet sich die METRO Group, die Prinzipien der Initiative in die tägliche Arbeit, in die Strategie und Unternehmenskultur zu integrieren. Es handelt es sich um einen Katalog von Grundwerten auf dem Gebiet der Menschenrechte, der Arbeitsnormen, des Umweltschutzes und der Korruptionsbekämpfung.
Imagepflege
Zum Schluss wurde allen Referenten des Kongresses jeweils die gleiche Frage gestellt: „Rechnet sich Nachhaltigkeit?“ Keiner antwortete mit einem klaren „Ja“ oder „Nein“, aber alle waren sich sinngemäß einig: „Ohne Nachhaltigkeit geht es nicht mehr.“ Unternehmen wie auch Organisationen, ja sogar Stadtverwaltungen können mit einer gelungenen aktiven Umsetzung nachhaltiger Projekte gut Punkte sammeln. Im Sinne von positivem Image wird das Vertrauen der Verbraucher in die Nachhaltigkeit eines Unternehmens über Erfolg eines Produkts von Herstellern oder Anbietern entscheiden. Unsere Welt könnte mittels Kauf- und Konsumverhalten schneller und nachhaltiger zu verändern sein, als mit der Abgabe der Stimme bei politischen Wahlen. Das schürt die Hoffnung.
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