Mainz – Die Einnahme von Folsäure erst nach der vierten Schwangerschaftswoche kann das Risiko für Fehlbildungen des Nervensystems beim Kind kaum noch reduzieren. Jedes Jahr kommen etwa 1.600 Kinder mit solchen Fehlbildungen des Neuralrohrs wie etwa dem offenen Rücken (Spina bifida) zur Welt. Die meisten bleiben ein Leben lang behindert. Die frühzeitige Einnahme von Folsäurepräparaten – am besten mindestens vier Wochen vor der Empfängnis – könne die Erkrankungsgefahr um bis zu 75 Prozent senken, betont Armin Malter vom Vorstand des Berufsverbandes der Frauenärzte.
Die Einnahme bereits vor Eintritt der Schwangerschaft sei deswegen so wichtig, weil der Verschluss des Neuralrohres zwischen dem 22. und 28. Schwangerschaftstag erfolge. „Zu diesem Zeitpunkt wissen viele Frauen aber noch gar nicht, dass sie schwanger sind“, erklärt Malter. Beginne eine Frau erst nach dieser Zeit mit der Einnahme, könne das Risiko für Neuralrohrdefekte kaum mehr vermindert werden.
Die Versorgung der Bevölkerung mit Folsäure gilt in Deutschland nach wie vor als unzureichend. „Täglich sollten Frauen mindestens 400 Mikrogramm, Schwangere sogar 600 bis 800 Mikrogramm Folsäure zu sich nehmen“, sagt der Gynäkologe. Im Schnitt liege die mittlere tägliche Folatzufuhr jedoch nur bei 214 Mikrogramm. Neben Fehlbildungen des Neuralrohres scheine auch das Risiko für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und angeborene Herzfehler durch eine ausreichende Folsäurezufuhr in der Schwangerschaft deutlich verringert zu werden.
http://www.frauenaerzte-im-netz.de (AP)
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