Aktuelle Nachrichten – Europa
08.07.2009
L'Aquila – Begleitet von Forderungen nach mehr Engagement beim Klimaschutz kommen die Staats- und Regierungschefs der führenden Industriestaaten am Mittwoch im italienischen L'Aquila zusammen. Ganz oben auf der Tagesordnung des 35. G-8-Gipfels stehen zudem die Wirtschaftskrise und die Entwicklungshilfe. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sprach von Fortschritten bei den Klimaverhandlungen mit den Schwellenländern.
Der SPD-Politiker sagte der ARD, erstmals hätten die wichtigen Schwellenländer wie Indien oder China akzeptiert, dass nicht nur die Industrienationen den Ausstoß von Treibhausgasen drosseln müssten, sondern auch sie selbst. Zudem hätten die Mitgliedstaaten des Major Economies Forum, MEF – darunter die großen Schwellenländer – bei Verhandlungen in Rom zum ersten Mal anerkannt, dass die globale Durchschnittstemperatur nicht über zwei Grad Celsius steigen dürfe, wurde Gabriel zitiert.
Unmittelbar vor Beginn des Gipfelprogramms besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel den vom verheerenden Erdbeben im April fast völlig zerstörten Ort Onna in den mittelitalienischen Abruzzen. Zusammen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi machte sie sich ein Bild von den Wiederaufbauarbeiten und traf Helfer. Die Bundesregierung hat für die Rekonstruktion der Dorfkirche drei Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die deutsche Hilfe hat auch einen historischen Hintergrund. Onna war 1944 Schauplatz eines Massakers der Wehrmacht.
In L'Aquila kletterten Anwohner auf einen Hügel vor der Polizeikaserne, wo das G-8-Treffen stattfindet. Mit der Parole „Yes we camp“ – einer Anspielung auf den berühmten Wahlkampfslogan von US-Präsident Barack Obama – machten sie darauf aufmerksam, dass noch immer Tausende Menschen in Behelfsunterkünften leben.
Das G-8-Treffen ist das größte seit Gründung des Verbundes 1975. Ursprünglich sollte es auf der Mittelmeerinsel La Maddalena bei Sardinien stattfinden. Nach dem Erdbeben verlegte Berlusconi das Treffen in die Katastrophenregion.
Mit mehreren Protestaktionen riefen Umweltschützer die G-8-Staaten zu einer Führungsrolle im Kampf gegen den Klimawandel auf. Mehr als 100 Greenpeace-Aktivisten kletterten auf die Schornsteine von vier italienischen Kohlekraftwerken und entrollten dort Banner.
In Rom posierten acht Oxfam-Mitglieder in Masken der Gipfelteilnehmer. Als Köche verkleidet salzten sie mit CO2-Streuern die Erde, die in einem großen Kessel schmorte. Die Darsteller von Merkel und Berlusconi studierten in einem Kochbuch „Klimawandel-Rezepte“.
Merkel will bei dem Treffen auf möglichst ehrgeizige Ziele zur Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes dringen und über Strategien zum Ausstieg aus den milliardenschweren Konjunkturprogrammen reden. Zu der dreitägigen Konferenz werden insgesamt 28 Staaten sowie neun internationale Organisationen erwartet.
Der chinesische Präsident Hu Jintao nimmt wegen der Unruhen in der Region Xinjiang nicht teil. Er reiste nach China zurück und lässt sich vom stellvertretenden Außenminister Dai Bingguo vertreten.
Der Papst äußerte die Hoffnung, dass der G-8-Gipfel wichtige Entscheidungen für den Fortschritt aller Menschen treffen wird, besonders den der Armen. In seiner Generalaudienz verwies er noch einmal auf seine Sozialenzyklika, in der er eine auf ethischen Grundsätzen gründende und am Gemeinwohl orientierte Weltfinanzordnung fordert. (AP)
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