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Irgendwo in Erfurt Forscher heben vergessene Schätze der "Sammlung Perthes"

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04.09.2012

Forscher heben vergessene Schätze der "Sammlung Perthes" Foto: dapd/Candy Welz
Forscher heben vergessene Schätze der "Sammlung Perthes"

Foto: dapd/Candy Welz

Erfurt / Gotha – Vorsichtig zieht Petra Weigel eine große Kupferplatte aus einem der Regale in dem unscheinbaren Depot irgendwo in Erfurt. Hauchzarte Linien sind zu sehen, als die Wissenschaftlerin das Stück ins Licht dreht. "Mit dieser Druckplatte wurde die letzte Auflage von 'Stielers Weltaltas' gedruckt", sagt sie. Die Platte gehört zur "Sammlung Perthes", die der Wissenschaftlerin sehr am Herzen liegt und bei der es sich wohl um einen der größten wissenschaftlichen Schätze Thüringens handelt.

Nicht nur das schiere Volumen von rund 185.000 Karten, 1.600 kupfernen Druckplatten, 800 laufenden Metern Archivmaterial und etwa 3.00 Schullandkarten macht die Sammlung zu etwas Außergewöhnlichem. "Es ist vor allem die Geschlossenheit der Sammlung, die einen großen Teil des Werts ausmacht", sagt Weigel. Immerhin habe der Name "Perthes" über mehr als zwei Jahrhunderte hinweg weltweit Maßstäbe in der geografischen Forschung gesetzt.

Die Aufarbeitung der Bestände in dem Erfurter Zwischendepot ist derzeit in vollem Gange. Im Juni 2012 konnten die Restauratoren und Bibliothekare der Universität Erfurt eines der wichtigsten Projekte abschließen: Die Karten, die herstellungsbedingt allesamt mit einer dünnen Feinstaubschicht belastet waren, sind nun alle gereinigt und stehen zur wissenschaftlichen Bearbeitung zur Verfügung. Auch die wichtigsten Bücher aus der umfangreichen Bibliothek der Sammlung sind gerettet: Säure im Papier hätte beinahe für den unwiederbringlichen Verfall der Werke gesorgt, erklärt Weigel.

Nach der Sicherung der wichtigsten Bestände können sich die Mitarbeiter nun auf den zweiten wichtigen Schritt konzentrieren: die Materialien für die Forschung zu erschließen. Das heißt, jede einzelne Karte, jeden Band und jede Archivalie in Datenbanken zu registrieren und in die wissenschaftliche Systematik aufzunehmen, damit sie später für die Forscher auffindbar sind.

Dass große Schätze in der Sammlung ruhten, beginne sich in Wissenschaftskreisen gerade erst herumzusprechen, sagt Weigel. Etwa 800 Anfragen habe es im gesamten vergangenen Jahr gegeben, in diesem Jahr sei diese Zahl bereits Mitte August erreicht worden. Ein bis zwei Wissenschaftler kämen zudem jeden Monat persönlich nach Erfurt und Gotha, um in den Beständen nach neuen Erkenntnissen zu forschen - wie etwa die Professorin Christine Hunefeldt von der University of California in San Diego.

Die gebürtige Deutsche ist für zweieinhalb Monate in Erfurt, um die Sammlung zu sichten. Ihr Interesse gilt der Erforschung des Amazonas. Sie ist sichtlich beeindruckt von der Sammlung. "Diese einmaligen Schätze müssen der Welt bekannt gemacht werden", sagt die Professorin. In den vergangenen Wochen seien ihr Entdeckungen gelungen, die ihrer Arbeit wichtige Impulse geliefert hätten.

Kritik an dem Projekt kann Weigel deshalb nur schwer nachvollziehen. Der Landesrechnungshof hatte in seinem letzten Bericht unter anderem den Erwerb der Sammlung durch das Land kritisiert. "Bei einer Versteigerung wäre die Sammlung zerstreut worden", sagt Weigel. "Angesichts der Einzigartigkeit war der Kauf absolut gerechtfertigt, Thüringen hat sich mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder eine kulturhistorische Sammlung gesichert, deren Bedeutung weit über die Landesgrenzen hinaus geht."

Die Sammlung und ihre Bedeutung bekannter zu machen, zählt nun zu den vorrangigen Zielen der Universität. Spätestens mit dem Wiedereinzug in die historischen Räume des Perthes-Forums in Gotha 2015 soll sie mit regelmäßigen Führungen am historischen Ort der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Auch aus wissenschaftlicher Sicht werde die Erforschung weiter vorangebracht, sagt Weigel. Bereits 2013 soll an der Universität Erfurt eine eigene Professur "Globalgeschichte" eingerichtet werden, bei der die Sammlung Perthes im Mittelpunkt stehen solle. Dem könnte sogar ein eigener Studiengang folgen. Dass genug Material vorhanden ist, steht für Weigel außer Frage: "Wir machen ständig neue Entdeckungen - die Sammlung ist wie ein unerforschter Kontinent, dem wir uns Schritt für Schritt nähern."

dapd

 

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