Frankfurt/Main – Die neue Pannenserie im Atomkraftwerk Krümmel hat die Diskussion über die Zukunft der Kernenergie in Deutschland wieder angeheizt. Im folgenden bieten Fragen und Antworten einen Überblick über wesentliche Aspekte des Themas.
- Wie viele Atomkraftwerke gibt es in Deutschland und wie lange dürfen sie noch laufen?
Derzeit haben 17 Atomreaktoren eine Betriebserlaubnis. Der älteste Meiler ist Biblis A, der seit 1975 und damit seit 34 Jahren am Netz ist. Der jüngste ist Neckarwestheim 2, der seit 1989 und damit seit 20 Jahren Strom liefert. Im Atomkonsens zwischen rot-grüner Bundesregierung und Kraftwerksbetreibern vom Jahr 2000 wurde der Ausstieg aus der Kernenergie vereinbart. Für die damals 19 in Betrieb befindlichen AKWs sowie das bereits 1988 abgeschaltete Mülheim-Kärlich wurden sogenannte Reststrommengen beschlossen, die rechnerisch einer durchschnittlichen Betriebsdauer von 32 Jahren entsprechen. Das letzte AKW müsste damit 2021 stillgelegt werden. Wegen längerer Pausen aufgrund von Wartungsarbeiten oder Pannen dürfte dieser Zeitplan inzwischen überholt sein. Genaue Zeitangaben sind laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) nicht möglich.
- Welchen Anteil hat der Atomstrom in Deutschland?
Im vergangenen Jahr stammten 11,6 Prozent der in Deutschland verbrauchten Primärenergie aus Atomstrom. 2007 hatte der Anteil sogar nur 11,1 Prozent betragen, nachdem er die zehn vorherigen Jahre mit Werten zwischen 12 und 13 Prozent deutlich höher gewesen war. Der Primärenergieanteil aus erneuerbaren Energien stieg von 1,9 Prozent 1996 auf 7,4 Prozent 2008.
- Wie stellen sich die Parteien die Zukunft der Atomenergie vor?
Neue Atomkraftwerke will keine Partei bauen. CDU und CSU wollen allerdings die Laufzeiten sogenannter sicherer Atommeiler verlängern, bis es genügend Strom aus alternativen Quellen gibt. Auch die Liberalen befürworten die Atomenergie als Übergangstechnologie.
Die SPD hält dagegen an dem bis 2021 geplanten Atomausstieg fest, und bis 2050 soll die Stromversorgung vollständig aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Die Grünen wollen die alten Atommeiler so schnell wie möglich abschalten und schon 2040 nur noch Strom aus erneuerbaren Energien gewinnen. Die Linken wollen die AKWs sofort abschalten und dafür erneuerbare Energien, Kraft-Wärme-Kopplung und Effizienz drastisch steigern.
- Was bedeutet der Atomausstieg für den Klimaschutz?
Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Erreicht werden soll dieses Ziel mit einer besseren Energieeffizienz und der verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien. Kritiker des Atomausstiegs argumentieren, dass bei einer Abschaltung der Kernkraftwerke andere fossile Energiequellen genutzt werden müssten und damit der CO2-Ausstoß erhöht würde. Das Umweltbundesamt rechnet dagegen vor, die derzeit aus Atomenergie gewonnene Strommenge könne eingespart oder ersetzt werden. Dazu müsste auch die Kraft-Wärme-Kopplung auf Erdgas- und Biomassebasis weiter vorangetrieben, erneuerbare Energien verstärkt genutzt und die Effizienz des bestehenden Kraftwerkparks verbessert werden.
- Welches sind die wichtigsten Kritikpunkte und Gefahren der Atomenergie?
Hintergrund des Atomkonsenses ist die Einschätzung, dass das mit Kernkraftwerken verbundene Risiko nur noch für eine begrenzte Dauer verantwortbar ist. Gefahren sehen Gegner der Atomkraft beim Uranabbau, beim Betrieb der Atommeiler und bei der Endlagerung. Auch der mögliche Einsatz von Abfallprodukten aus der zivilen Nutzung in atomaren Waffen gilt als erhebliches Risiko.
- Welche Risiken gehen von Atomkraftwerken aus?
Die Atomkatastrophe von Tschernobyl mit der großflächigen radioaktiven Verseuchung der Umwelt 1986 hat die Gefahr von Atomunfällen verdeutlicht. Aber auch im Normalbetrieb von Atommeilern werden Gesundheitsrisiken vermutet. Eine im Dezember 2007 vorgestellte und inzwischen von Gutachtern des Bundesamtes für Strahlenschutz bestätigte Kinderkrebsstudie weist darauf hin, dass Kinder unter fünf Jahren ein erhöhtes Leukämierisiko haben je näher sie an einem Atomkraftwerk wohnen.
- Warum gibt es kein Endlager?
Weltweit gibt es derzeit noch immer kein Endlager für die hochradioaktiven und damit Zehntausende Jahre strahlenden Abfälle, die in Atomkraftwerken entstehen. Zum einen gibt es technische Probleme. Wie im deutschen Gorleben gibt es aber an vielen geplanten Standorten vor allem heftige Proteste des Bevölkerung. Selbst im sonst atomfreundlichen Frankreich wandten sich Anwohner gegen die geplante Anlage in Bure westlich von Nancy. Auch in den USA gibt es einen erbitterten Streit um das im Wüstenstaat Nevada geplante Endlager Yucca Mountain.
In Deutschland ist der Staat für die Endlagerung verantwortlich, und per Gesetz muss in Deutschland angefallener Atommüll auch hier endgelagert werden. Als geeignete Lösung wird die Einlagerung in tiefe Bergwerke und deren dauerhafter Verschluss angesehen. Ein Endlager muss nach deutschen Bestimmungen für eine Million Jahre sicher sein. (AP)
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