Aktuelle Nachrichten – Kultur
06.12.2011
Foto: Thomas Lohnes/dapd Photo
Frankfurt/Main – Das Frankfurter Städel hat eines der berühmtesten Bilder von Raffael erworben, das allerdings international noch nicht als Original anerkannt ist. Das Porträt des Papstes Julius II. wird in der ab 15. Dezember in der Sammlung Alte Meister der Kunstgalerie ausgestellt. 2007 wurde das Renaissance-Bild, von dem zwei bekannte Versionen in der Londoner National Gallery und den Uffizien in Florenz hängen, als Kopie in Wien versteigert. Das Städel, das es 2010 erwarb, ist aber überzeugt, dass es sich um ein Original von Raffael und seiner Werkstatt handelt.
Das 1511 und 1512 entstandene Gemälde sei eine bislang unbekannte Fassung des lebensgroßen Porträts dieses als außerordentlich kunstsinnig, aber auch jähzornig geltenden Papstes, hieß es auf einer Pressekonferenz. Das auf Pappelholz gemalte Bild sei kunsthistorisch und gemäldetechnologisch umfassend analysiert und untersucht worden. Auch habe man es von allen Firnissschichten und Retuschen befreit. Es weise im Gegensatz zu den Fassungen in London und Florenz eine Reihe im Verlauf der Ausführung getätigter schöpferischer Veränderungen auf. Diese seien mit Infrarot-Reflektografie vor allem im Bereich des Gesichts und des Stuhls sichtbar gemacht worden.
Die Herkunft des Gemälde lässt sich nach Angaben des Städels bis 1905 lückenlos nachverfolgen. Damals sei es als Teil der Sammlung Bercioux in Paris versteigert worden. Über unterschiedliche Privatbesitzer sei es spätestens 1909 nach New York und 1914 zurück nach Europa gelangt. Nach weiteren Eigentümerwechseln wurde es demnach 2007 im Wiener Dorotheum als Werk eines Raffael-Nachahmers versteigert und von der Privatsammlung Ellermann gekauft, von der es das Städel 2010 erwarb.
Über den Kaufpreis machte das Städel in seiner Pressemitteilung vom Dienstag keine genauen Angaben. Wegen des Entgegenkommens des Verkäufers habe er aber deutlich unter dem Marktwert gelegen. Der mutmaßliche Weg des Gemäldes führe zurück bis in die Familie von Papst Julius II. Von November 2012 bis Februar 2013 will das Städel dem Bild noch eine Sonderausstellung zu dessen Herkunft und dem Vergleich mit den bekannteren Fassungen in London und Florenz widmen.
(dapd)
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