TOP-STORY – Französische Camembert-Produzenten proben die Revolution – Marie-Laure Combes
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Französische Camembert-Produzenten proben die Revolution

Marie-Laure Combes

13.03.2007

Der König unter den französischen Käsesorten, wird traditionell aus Rohmilch gemacht. (AP Photo/Isigny Sainte Mer, HO)
Der König unter den französischen Käsesorten, wird traditionell aus Rohmilch gemacht. (AP Photo/Isigny Sainte Mer, HO)

Paris – Der Camembert ist in Gefahr. Der König unter den französischen Käsesorten, kräftig in Geschmack und Geruch, wird traditionell aus Rohmilch gemacht. Es gibt nur zehn Produzenten in der Normandie, die ihren Camembert mit dem Güte- und Herkunftssiegel „Appellation d'Origine Controlée“ (AOC) auszeichnen dürfen. Doch mindestens ein Mitglied des erlesenen Zirkels will ausscheren und behandelte Milch für seinen Camembert verwenden. Die unerhörte Forderung: Die Kriterien für den AOC-Camembert sollen entsprechend gelockert werden.

Ein Sakrileg, wie echte Käse-Liebhaber finden. Für sie ist ein Camembert aus pasteurisierter, sterilisierter Milch kein echter Camembert. Die Produzenten verweisen dagegen auf das Gesundheitsrisiko, das Rohmilchkäse infolge von Bakterien birgt. Vor einem Jahr musste die Firma Reaux ihre Produktion für mehrere Monate schließen, nachdem sechs Kinder nach dem Verzehr ihres Käses krank geworden waren.

„Ich will unsere Kunden nicht vergiften“, sagt Claude Granjon, Vizegeschäftsführer der Produktionsgemeinschaft Isigny-Sainte-Mère. Weil er aber auch nicht gegen die Regeln der Zunft verstoßen will, hat die Firma das Nationale Institut für Herkunft und Qualität (INAO) angerufen. Noch in dieser Woche will sich das Institut mit der Frage befassen, eine Entscheidung wird allerdings erst in sechs Monaten erwartet.

Die Gewerkschaft der normannischen Käseproduzenten begrüßt den Vorstoß. „Die meisten Hersteller sind für eine Änderung der Regeln, sie werden ihre Gründe haben“, sagt Gewerkschaftssprecher François Michel. Auch eine INAO-Sprecherin signalisiert Handlungsbereitschaft. „Wir sind kein Speisemuseum, sondern an Fortschritten interessiert“, erklärt Elodie Pasty. Allerdings verweist sie auch auf den Wert der Tradition.

Angst um die heilige Käsetradition

In der Zunft sorgt die Initiative aus Isigny-Sainte-Mère für Unruhe. Marc Brunet, Direktor der Firma Reaux, die selbst von verseuchtem Käse betroffen war, fürchtet um den Absatz: „Die französischen Konsumenten lieben Rohmilchkäse.“ Allerdings kauft längst nicht mehr jeder Franzose seine Rohmilchdelikatessen beim Käsehändler. In den Supermärkten liegen die Sorten mit behandelter Milch zum Bruchteil des Preises aus.

Für den Fall, dass das INAO die Regeln nicht ändert, wollen einige Produzenten auf das AOC-Siegel künftig verzichten. Dazu gehört der größte Lebensmittelhersteller Lactalis und die Gemeinschaft aus Isigny, die 2004 den Titel des Käseweltmeisters gewann.

Dies wiederum sorgt für die Befürchtung, die Käsetradition stehe auf dem Spiel, und die ist den Franzosen heilig. Käse-Probleme hatten schon viele Politiker. Präsident Charles de Gaulle fragte sich einst, wie ein Land zu regieren sein soll, in dem es 258 verschiedene Käsesorten gibt. Von AOC-Camembert werden derzeit noch 12.500 Tonnen pro Jahr hergestellt. Das Rezept stammt aus dem 18. Jahrhundert. Marie-Christine Harel brachte es in Umlauf, nachdem sie es von einem Priester aus Brie erhalten hatte. (AP)

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