Oslo – Für ihre Verdienste im Kampf gegen den globalen Klimawandel werden der frühere US-Vizepräsident Al Gore und der UN-Weltklimarat (IPCC) mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Das teilte das Nobelpreiskomitee am Freitag in Oslo mit. Beide werden für ihre Bemühungen geehrt, „größeres Wissen über den vom Menschen verursachten Klimawandel aufzubauen und zu verbreiten“.
Al Gore sei „einer der weltweit führenden Umweltpolitiker“, erklärte das Komitee. Er sei sich bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Bedrohung des Klimawandels bewusst geworden. „Sein großer Einsatz, den er mit seiner politischen Aktivität, Lesungen, Filmen und Büchern zeigte, hat den Kampf gegen den Klimawandel gestärkt“, hieß es weiter. Gore sei vermutlich der Mensch, der weltweit am meisten für ein besseres Verständnis des Klimawandels und der nötigen Gegenmaßnahmen geleistet habe.
In der Begründung hieß es weiter, der IPCC habe mit seinen wissenschaftlichen Berichten „einen breiteren Konsens für den Zusammenhang zwischen menschlichen Aktivitäten und der globalen Klimaerwärmung“ herbeigeführt. Ihm sei es zu verdanken, dass mittlerweile sehr verlässliche Daten und Prognosen zum Klimawandel verfügbar seien.
Der Vorsitzende des Weltklimarats, Rajendra Pachauri, erhofft sich von der Auszeichnung neuen Elan für Initiativen zum Klimaschutz. „Denn es gibt keinen Bereich der Gesellschaft, der gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels immun bleiben wird“, sagte er. Gore bezeichnete den Klimawandel in seiner Reaktion am Freitag als weltweite Krise. „Wir stehen hier vor einer Notlage des Planeten. Es ist eine moralische und geistige Herausforderung für die ganze Menschheit“, erklärte er.
Die Ehrungen stießen bei Politik und Umweltverbänden weltweit auf Zustimmung. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gratulierte den Nobelpreisträgern. Gores Engagement zeige, dass Individuen einen entscheidenden Beitrag leisten könnten, „multilaterale Antworten auf globale Probleme“ anzuregen. Den „deutlichen und gut dokumentierten Erkenntnissen“ des IPCC sei es zu verdanken, dass der Klimawandel und die Rolle des Menschen dabei nun als unzweifelhaft gälten. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, Gore habe wie kein zweiter dazu beigetragen, das weltweite Bewusstsein für Klimaänderungen zu schärfen.
Ein Sprecher von George W. Bush erklärte, der Präsident sei über die Auszeichnung für Gore und den Weltklimarat erfreut. „Es ist natürlich eine wichtige Anerkennung“, erklärte der Sprecher Tony Fratto.
Das Nobelpreiskomitee wies in seiner Begründung der Auszeichnung deutlich darauf hin, dass die Veränderungen des Klimas auch den Weltfrieden gefährdeten: „Große Klimaveränderungen könnten die Lebensbedingungen von weiten Teilen der Menschheit ändern und bedrohen.“ Dadurch könnten Flüchtlingsströme ausgelöst werden, und der Kampf um natürliche Rohstoffe könnte sich verstärken. Damit gehe die Gefahr von gewaltsamen Konflikten und Kriegen einher.
Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change) stellt alle fünf bis sechs Jahre Berichte vor. Diese dienen als wissenschaftliche Grundlage für die internationale Klimapolitik. In diesem Jahr zeichnete der IPCC ein dramatisches Bild von den Folgen der globalen Erwärmung. Die Weichen für ein Abwenden der drohenden Klimakatastrophe müssten in den nächsten acht Jahren gestellt werden, hieß es. Sonst seien zum Beispiel ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Bis zum Jahr 2050 drohe bis zu zwei Milliarden Menschen Wasserknappheit. Ernteerträge könnten um die Hälfte zurückgehen.
Al Gore erwarb sich wegen seiner umweltpolitischen Ansichten bereits als Stellvertreter des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton internationalen Respekt. Nach der knapp verlorenen Präsidentschaftswahl gegen Bush 2000 machte Gore den Klimawandel vollends zu seinem Thema. 2007 wurde er für seinen Film über die Gefahren des Klimawandels, „Eine unbequeme Wahrheit“, mit einem Oscar ausgezeichnet.
Im vergangenen Jahr erhielten Muhammad Yunus aus Bangladesch und die von ihm begründete Grameen Bank den Friedensnobelpreis. Sie wurden für die Vergabe von Mikrokrediten an Arme geehrt. Die Auszeichnung ist mit zehn Millionen Kronen (rund 1,1 Millionen Euro) dotiert. (AP)
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