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Friedensnobelpreis für neue Ideen im Kampf gegen die Armut

DAPD

13.10.2006

Professor Mohammed Yunus, Begründer der Grameen Bank, die mit Mikrokrediten neue Existenzen ermöglicht. (AP Photo/Pavel Rahman)
Professor Mohammed Yunus, Begründer der Grameen Bank, die mit Mikrokrediten neue Existenzen ermöglicht. (AP Photo/Pavel Rahman)

Oslo/Dhaka - Der Friedensnobelpreis würdigt in diesem Jahr neue Ideen im Kampf gegen die Armut: Die Auszeichnung geht zu gleichen Teilen an den 66-jährigen Finanzexperten Muhammad Yunus aus Bangladesch und die von ihm gegründete Grameen Bank. Das Norwegische Nobelkomitee würdigte am Freitag in Oslo ihre Bemühungen um «die wirtschaftliche und soziale Entwicklung von unten». Mit Mikrokrediten und anderen Mitteln habe Yunus seine Vision zugunsten von Millionen Menschen in Bangladesch und anderen Ländern in praktisches Handeln umgesetzt. Die fünf Mitglieder der Jury sichteten vor ihrer Entscheidung insgesamt 191 Vorschläge.

Yunus bezeichnete die Nachricht aus Oslo als «fantastische Nachricht für die Leute, die uns unterstützt haben». Er könne es kaum glauben und sei überglücklich. Der Preis sei auch eine Ehrung für ganz Bangladesch, sagte Yunus in Dhaka.

«Dauerhafter Frieden kann nicht erreicht werden, wenn große Teile der Bevölkerung keine Wege finden, um aus der Armut auszubrechen», erklärte das Nobelkomitee. «Jedes Individuum auf der Erde hat sowohl das Potenzial als auch das Recht, ein anständiges Leben zu führen.» Kredite an Arme ohne jede finanzielle Sicherheit seien lange Zeit völlig unvorstellbar gewesen. Mit seiner Grameen Bank habe Yunus Mikrokredite zu einem wichtigen Instrument im Kampf gegen die Armut gemacht. Damit sei demonstriert worden, wie die Ärmsten der Armen auf ihre eigene Entwicklung hinwirken könnten. Nach bescheidenen Anfängen vor drei Jahrzehnten sei die Grameen Bank inzwischen ein Vorbild und Quelle der Inspiration für viele ähnliche Einrichtungen in der ganzen Welt.

Yunus startete das Projekt der Grameen Bank 1976 im Dorf Jobra, die offizielle Gründung der Bank erfolgte 1983. Das Institut befindet sich zu 94 Prozent im Besitz seiner Kreditnehmer, die übrigen sechs Prozent liegen bei der Regierung von Bangladesch. Kredite erhielten bisher 6,6 Millionen Personen, zu 97 Prozent Frauen. Die gesamte Kreditsumme beläuft sich auf 5,7 Milliarden Dollar, wobei meist Mikrokredite von 50 bis 100 Dollar für die Förderung einer Existenzgründung vergeben werden. 1976 habe Yunus persönlich 27 Dollar an 42 Dorfbewohner verliehen, sagte der Vorsitzende des Nobelkomitees, Ole Danbolt Mjös. Mit dem Geld wurden Webstühle gekauft, die den Kreditnehmern eine eigene handwerkliche Produktion ermöglichten. «Mikrokredite sind ein wichtiger Beitrag, der nicht alle Probleme lösen, aber eine wichtige Hilfe sein kann», sagte Mjös.

Der Friedenspreis ist traditionell die letzte Auszeichnung, die im Reigen der Nobelpreise bekannt gegeben wird. Der Nobelpreis für Literatur ging am Donnerstag an den türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk. Davor wurden bereits die Preise für Medizin, Physik und Chemie vergeben, die alle an amerikanische Wissenschaftler gingen. Auch der erst später begründete Wirtschaftsnobelpreis geht bereits das siebente Jahr in Folge an einen amerikanischen Wissenschaftler, diesmal an Edmund S. Phelps. Die Preise sind mit jeweils zehn Millionen Kronen (1,07 Millionen Euro) dotiert und werden am 10. Dezember vergeben, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.

http://www.grameen-info.org/

http://nobelpeaceprize.org/

(AP)

 

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