Frankfurt/Main - Der diesjährige Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, Wolf Lepenies, hat Dankbarkeit und Überraschung über seine Auszeichnung geäußert. «Ich selber wäre ohne diesen Preis nie auf die Idee gekommen, das Wort 'Frieden' für meine Arbeit zu verwenden», sagte der frühere Rektor des Wissenschaftskollegs zu Berlin am Freitag in einem Pressegespräch in Frankfurt am Main. In der Begründung des Stiftungsrats heißt es, an die Stelle des Drohbildes vom Zusammenprall der Kulturen habe Lepenies das Hoffnungsbild kultureller Lerngemeinschaften gesetzt und diese in seinem Umfeld beispielhaft begründet.
«Dies ist nicht der erste Preis, den ich bekomme, aber sicher der bedeutendste und wichtigste», betonte der 65-Jährige. «Ich freue mich.» Die Auszeichnung gelte jedoch nicht nur ihm, sondern auch seinen Kollegen vom Berliner Wissenschaftskolleg. Das Institut bringe jedes Jahr 40 Wissenschaftler und Künstler verschiedener Fachrichtungen aus aller Welt zusammen.
Dieser Austausch, besonders aber die Gründung zahlreicher Wissenschaftszentren in Mittel- und Osteuropa, seien sein Beitrag zum Frieden, sagte er - «stabilisierende Maßnahmen für die Zivilgesellschaft», wie Lepenies es ausdrückte. Auch die Zusammenarbeit christlicher, jüdischer und muslimischer Gelehrter in dem 1994 von ihm initiierten Forschungsprogramm zum Islam empfinde er als wichtigen Erfolg. «Es war eine schöne Arbeit», betonte der Geehrte. «Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht.»
Die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels findet am Sonntag in der Frankfurt Paulskirche statt. Die Laudatio hält in diesem Jahr der rumänische Philosoph, Kunsthistoriker und ehemalige Außenminister Rumäniens, Andrei Plesu. Der Friedenspreis wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.
(AP)
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