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Zukunftsvision Friedenspreisträger Magris: Europa soll enger aneinander rücken

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17.10.2009

Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels Claudio Magris.  (Cendamo Leonardo/AFP/Getty Images)
Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels Claudio Magris. (Cendamo Leonardo/AFP/Getty Images)

Frankfurt/Main – Der diesjährige Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Claudio Magris, hat dafür plädiert, dass Europa enger zusammenrückt. „Ich glaube an die Notwendigkeit eines europäischen Staates“, sagte er am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse. Viele Probleme seien keine nationalen mehr und nur auf europäischer Ebene lösbar. Der italienische Autor und Essayist wird am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche mit dem Friedenspeis geehrt, einer der höchsten Auszeichnungen der Bundesrepublik.

Aber Europa werde große Schwierigkeiten haben auf dem Weg zu einer wirklichen Einheit, sagte Magris. „Die Gefahr der Nivellierung ist groß, aber auch die Gefahr der Selbstabkapselung ist schlecht.“

Die Friedenspreis-Jury hatte den Preis für Magris unter anderem damit begründet, er erzähle wie kaum ein anderer von der Vielfalt der Systeme und Sprachen Mitteleuropas. Vielfalt verstehe er nicht im Sinne einer Vielfalt der Andersartigkeit, sondern als Möglichkeit, diese Andersartigkeit zu erleben, erklärte Magris. Offenheit anderen Kulturen gegenüber habe nichts zu tun mit dem Verlust der eigenen Identität.

Er sei schon als Junge mit der Sprache Deutsch konfrontiert worden, erzählte Magris, der die Übersetzung vieler deutscher Autoren ins Italienische betreut hat. Im Alter von elf Jahren habe er Deutsch gelernt, später habe er einen Deutschlehrer gehabt, der ihm die deutsche Klassik nahegebracht habe. Seine Mutter habe deutsch gesprochen, es habe viele Freunde und Bekannte der Familie gegeben, in deren Haus es andere Klassiker als nur italienische gegeben habe.

Der 1939 in Triest geborene Magris hatte im Fach Deutsche Literatur habilitiert und war viele Jahre Deutsch-Professor an der Universität seiner Heimatstadt. (AP)

 

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