Frankfurt/Main – Hannelore Elsner, die am 26. Juli 65 Jahre alt wird, stand schon vier Jahrzehnte vor der Kamera, als sie ihren künstlerisch bedeutendsten Film drehte. Das war im Jahr 2000, und sie verkörperte in Oskar Roehlers Kinotragödie „Die Unberührbare“ ihre Namensvetterin, die 1992 durch Selbstmord geendete Schriftstellerin Gisela Elsner. Die Schauspielerin gewann mit diesem faszinierenden Psychogramm einer zerbrechenden Frau etliche Preise und auch internationale Anerkennung, sie selbst betrachtet die Rolle als „das Nonplusultra meiner bisherigen Karriere“.
Endlich konnte die im oberbayerischen Burghausen geborene Elsner, die eigentlich Elstner hieß, einmal ihr ganzes Können zeigen. Das war ihr in den vielen Jahren zuvor viel zu selten abverlangt worden. Gleichwohl gehörte sie schon vor dem späten Triumph mit „Die Unberührbare“ zu den gefragtesten und beliebtesten Darstellerinnen im Land. Bereits in sehr jungen Jahren hatte sie eine solide Schauspielausbildung in München absolviert. Und noch vor deren Beendigung mit einem Diplom drehte sie, an der Seite des populären Schlagersängers Freddy Quinn, ihren ersten Film mit dem Titel „Freddy unter fremden Sternen“.
Elsner, von zierlicher Figur, war eine dunkle Schönheit mit ausdrucksvollen Augen, die bei den Regisseuren schnell eine begehrte Besetzung wurde. Auch privat hatte das Folgen, wie ihre Beziehungen zu dem 1981 bei einem Verkehrsunfall getöteten Regisseur Alf Brustellin sowie zu dessen Kollegen Dieter Wedel unter Beweis stellten. Aus letzterer stammt Elsners Sohn Dominik. Kurz war ihre frühe erste Ehe von 1964 bis 1966 mit dem inzwischen verstorbenen Schauspieler Gerd Vespermann, auch die zweite Ehe mit dem Verlagsleiter Uwe Carstensen, 1993 geschlossen, endete 2000 mit Scheidung.
Ein Stück Fernsehgeschichte schrieb Elsner in der 1994 angelaufenen TV-Serie „Die Kommissarin“. Denn in der Titelrolle war sie die erste Frau, die in einer Krimiserie im Mittelpunkt des Geschehens war. Wie folgenreich bahnbrechend ihre Darstellung in den 60 Folgen war, lässt sich an der inzwischen zu registrierenden Flut von weiblichen Kommissarinnen im Fernsehen ablesen. Der Regisseur Oliver Hirschbiegel und der Autor Bodo Kirchhoff setzten Elsner 2002 groß in Szene in dem kommerziell allerdings erfolglosen „Mein letzter Film“. Sie spielt darin eine Schauspielerin, die mit ihrem Beruf, den Männern und dem Leben überhaupt abrechnet.
Sehr viel mehr Zuschauer haben Elsner dagegen in Dani Levys Komödie „Alles auf Zucker“ gesehen. Darin verkörpert sie die Ehefrau eines Spielsüchtigen, der für eine Erbschaft sein Judentum wieder entdecken muss. Auch privat widmet sich Elsner diesem Thema in einem Förderverein gegen das Vergessen des Holocaust. Ende 2005 wurde die beliebte, aber wegen ihrer distanzierten Art keineswegs volkstümliche Darstellerin mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse für ihren Einsatz gegen Aids ausgezeichnet. Von Ruhestand will die Künstlerin nichts wissen, sie ist weiter als Schauspielerin und Sprecherin mit Leidenschaft aktiv: „Ich bringe immer alles von mir ein, in jede Rolle.“ (AP)