Geschichte - Erkenntnisse und Fakten – Früheste Musikhandschriften Bachs entdeckt – Jochen Wiesigel
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Geschichte

Früheste Musikhandschriften Bachs entdeckt

Jochen Wiesigel

31.08.2006

Die Hand einer Restauratorin zeigt auf die Unterschrift Johann Sebastian Bachs auf einer der beiden frühesten Musikhandschriften des Komponisten, die während einer Pressekonferenz im Studienzentrum der Anna-Amalia-Bibliotek in Weimar am Donnerstag, 31. Aug. 2006, erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Entdeckt wurden sie in der Bibliothek von den Leipziger Bachforschern Peter Wollny und Michael Maul. Die Abschriften von Orgelwerken stammen aus der Zeit um 1700. (AP Photo/Jens Meyer)
Die Hand einer Restauratorin zeigt auf die Unterschrift Johann Sebastian Bachs auf einer der beiden frühesten Musikhandschriften des Komponisten, die während einer Pressekonferenz im Studienzentrum der Anna-Amalia-Bibliotek in Weimar am Donnerstag, 31. Aug. 2006, erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Entdeckt wurden sie in der Bibliothek von den Leipziger Bachforschern Peter Wollny und Michael Maul. Die Abschriften von Orgelwerken stammen aus der Zeit um 1700. (AP Photo/Jens Meyer)

Weimar - Forscher haben die beiden frühesten Musikhandschriften von Johann Sebastian Bach in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar entdeckt. Dabei handelt es sich um Abschriften von Orgelwerken der Komponisten Dietrich Buxtehude und Johann Adam Reinken, die um das Jahr 1700 entstanden sind, wie der Präsident der Klassik Stiftung Weimar, Hellmut Seemann, am Donnerstag in Weimar vor Journalisten sagte.

Experten sprachen von musikgeschichtlich außerordentlich bedeutsamen Funden, die der Forschung über die Kindheit und Jugend Bachs neue Aspekte hinzufügen würden. Die Abschriften der Choralfantasien «Nun freut euch lieben Christen gmein» und «An den Wasserflüssen Babylons» befanden sich während der Brandnacht am 2. September 2004, in der große Teile der Musiksammlung dem Feuer zum Opfer fielen, sicher im Tresorraum des Schlosses.

«Wir sind absolut sicher, dass es sich um die frühesten Schriftzeugnisse Bachs handelt», erklärten die Forscher Michael Maul und Peter Wollny vom Bach-Archiv Leipzig. «Nunmehr können fundierte Aussagen über die ersten 20 Jahre in Bachs Leben getroffen werden», betonte Maul. Bisher seien seine Jugendjahre fast ein weißer Fleck, allenfalls nur mosaikhaft vorhanden, ergänzte Wollny.

Der Direktor des Bach-Archivs, Christoph Wolff, sagte, es sei zwar übertrieben zu sagen, die Biografie des großen Musikers müsse neu geschrieben werden, aber sie könne jetzt um wesentlich Aspekte konkretisiert werden. «Wir haben zum ersten Mal Fakten, die bestimmte Eckpunkte deutlich machen», sagte Wolff.

Nach Darstellung von Maul und Wollny ist das Brisante an den Notenabschriften, dass sie versteckte Hinweise auf die frühzeitige Hochbegabung enthielten, die man mit dem jungen Mozart vergleichen könne. Es entstehe das Bild eines jungen Erwachsenen mit großem Sachverstand für die polyphone Musik, der als Zwölfjähriger schon weiter im Orgelspiel gewesen sei als die meisten Organisten seiner Zeit. Die Papiere belegten auch, dass er mit graphologischem Verstand heranging und eine gefestigte Schrift hatte.

Ein ganz wichtiger Lehrmeister Bachs

Durch vergleichende Untersuchungen stellten die Experten verblüfft fest, wie sehr Bachs Schriftbild dem des Lüneburger Organisten Georg Böhm (1661 bis 1733) gleicht. Weitere Forschungen über zehn bis zwölf Monate ergaben, dass Bach sich dessen Schriftbild angeeignet habe. Die Reinken-Abschrift des 15-jährigen Johann Sebastian Bach enthalte den ersten dokumentarischen Beleg dafür, dass er ein Schüler Böhms gewesen sei und gewiss auch in seinem Haus gelegt habe. «Böhm war ein ganz wichtiger Lehrmeister Bachs», sagte Wollny. Als der 18-jährige Bach nach Thüringen zurückgekehrt sei, habe er bei ihm das Komponieren gelernt und die Voraussetzungen für seine brillante Karriere in Arnstadt, Mühlhausen und Weimar gelegt.

Der Direktor der Weimarer Anna Amalia Bibliothek, Michael Knoche, sprach von einer «Aufwertung des Bestandes der Bibliothek», die nach den Verlusten durch den Brand besonders willkommen sei. «Der Weimarer historische Buchbestand ist noch für viele Entdeckungen gut», betonte Knoche.

(AP)

Schlagworte

Webnews einstellen
 
Anzeige
Anzeige